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Friday, August 23, 2019
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Endogenität und Neutralität des Geldes in theoriegeschichtlicher Perspektive
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Endogenität und Neutralität des Geldes in theoriegeschichtlicher Perspektive

24 Seiten · 4,52 EUR
(Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Vor gut zwanzig Jahren sagte man in meiner Heimat von einem jungen Finanzwissenschaftler, er führe sein Fach ab absurdum, indem er lediglich die Ineffektivitäten des Staates darzutun versuche. Dasselbe hätte man zu Recht von einer guten Zahl der Geldtheoretiker sagen können: Ihnen lag nur die – zumindest letztliche – Unwirksamkeit aller Geldpolitik am Herzen. Neutralität des Geldes, sei es kurzfristig, sei es langfristig, und natürlich explizit „Politikineffizienz“ der Geldpolitik waren Trumpf. Da Karl Häuser nie solchen modischen Aberrationen, sei es bezüglich der Finanzpolitik, sei es bezüglich der Geldpolitik frönte (ja überhaupt allen modischen Aberrationen seines Faches fernstand), ist es nur passend, zu seiner Ehre etwas zur Geschichte der beiden Absurditäten ökonomischer Erfindungsgabe zu überlegen, welche sich Exogenität und Neutralität des Geldes nennen.

Nachdem ich mich als Belächler der Ammenmärchen von der Exogenität und Neutralität des Geldes, wie man heute so sagt, „geoutet“ habe, möchte ich mich gerade bei einem Festsymposium zu Ehren von Karl Häuser freilich gegen den möglichen Vorwurf eines keynesianischen Aktivismus zur Wehr setzen. Ich kann dies am besten mit einem Zitat aus Gottfried Haberlers Vortrag „Monetary Factors Affecting Economic Stability“ beim ersten Weltkongress der International Economic Association 1956 tun: „Monetary factors, comprehensively defined, bear a heavy share of responsibility for short-run economic instability [...] If it is true that monetary factors greatly contribute to economic instability, does it follow that they adversely influence economic growth? Not necessarily (!) [...] We thus reach the conclusion that monetary factors may help as well as hinder (!) economic progress; but it is easier to think of authentic and dramatic cases of the latter than the former.“ Geldpolitik, wie jede Wirtschaftspolitik, ist nicht darin neutral, daß sie vor allem oft danebengeht. Nur gibt es keine einfachen Regeln, dies zu vermeiden. Ebenso denkend wie Haberler steht für mich irgendwo in Frankfurt eine große „Black Box“ (die vor kurzem eine andere große „Black Box“ ersetzt hat), eine „Black Box“ mit einem höchst wichtigen intellektuellen Input, aber einem sehr variablen und von Zeit und Umständen abhängigen Output. Oder, um nochmals Haberler zu zitieren: „I conclude that the response mechanism is more important than the severity of the shocks; and in the response mechanism monetary factors play a most important role“.

Nochmals: Politische Werturteile haben nichts damit zu tun, ob ein Wirtschaftswissenschaftler ein Anhänger oder ein Gegner der Idee der Neutralität des Geldes ist; und im Grunde auch nichts mit der Frage, ob er meint, Geld sei exogen oder endogen. Möglicherweise haben diese Vorstellungen schon mehr zu tun mit noch immer bestehenden Schulaffiliationen, oder, vielleicht bescheidener gesagt, mit dem, was man gelesen hat und den historischen Erfahrungen, die man assimilierte. Ich bin ein Altliberaler, wie Haberler. Er war ein Mitglied der letzten Generation der Österreichischen Schule; ich bin, kraft Lektüre, durch diese beeinflußt. Und da sind wir bereits bei dem ersten theoriegeschichtlichen Faktum angelangt: Alle Mitglieder der Österreichischen Schule lehnten die Vorstellung von der Neutralität des Geldes, auch in seiner langfristigen Variante ab, die Vorstellung also, daß Veränderungen der Geldversorgung reale Preise und damit relative Gütermengen beeinflußten. Sie lehnten sie ab, gerade weil sie stets meinten: „Money matters“. Aber es waren gerade auch die Österreicher und der Kreis um sie herum, die den Ausdruck „Neutralität des Geldes“ prägten – natürlich nicht das Konzept derselben, denn das stammt von David Hume aus 1752.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Exogenität und Endogenität
Bertram Schefold (Hg.):
Exogenität und Endogenität
the author
Prof. Dr. Erich Streissler
Erich Streissler

geb. 1933 in Wien; stud. Jura in Wien und Wirtschaftswissenschaften an der Univ. Oxford; habil. 1959 an der Univ. Wien für Volkswirtschaftslehre; 1962 Ordinarius an der Univ. Freiburg i. Breisgau; 1968 Vizepräs. des Österreichischen Inst. f. Wirtschaftsforschung an der Univ. Wien; Lehrtätigkeiten an den Universitäten Oxford und Stanford; seit 1993 Aufsichtsrat der Bundesfinanzierungsagentur in Österreich und 1994-98 Vors. des Dogmenhistorischen Ausschusses im Verein für Socialpolitik.

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