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Monday, August 19, 2019
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Epochenkrisen und Krisenepochen
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Epochenkrisen und Krisenepochen

Vorläufige Thesen zur Ambivalenz der historischen Formation des Kapitalismus und seiner Krisen

8 Seiten · 2,53 EUR
(Juni 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Bis zum 15. September 2008, dem Tag des Zusammenbruchs der US-amerikanischen Lehman-Bank, der als Beginn der ersten großen Wirtschaftskrise des 21. Jahrhunderts in die Annalen eingeht, glaubte selbst die Mehrheit der professionellen Ökonomen, – also die Vertreter der Mainstream-Ökonomik, von der breiten Öffentlichkeit gar nicht zu reden –, dass Krisen im Ausmaß der Großen Depression der 1930er Jahre der Vergangenheit angehörten. Der Glaube erwies sich als Irrglaube, was einen kollektiven Schock auslöste. Die Krisenwahrnehmung eskalierte zu einer Überreaktion (overshooting) und führte zu einer hysterisch übersteigerten Aktivität der Funktionseliten. Das erklärt den aberwitzigen Umfang der Milliardenbeträge, die von den Regierungen zur Rettung der vermeintlich „systemrelevanten“ Finanzinstitute vom Spätherbst 2008 an bereit gestellt wurden, ohne dass dabei lange über die Folgen für die Staatshaushalte, über die künftige Leistungsfähigkeit des Gemeinwesens und die Gefährdung der Währung, insbesondere auch der Europäischen Währungsunion, nachgedacht wurde. Der hysterischen Überreaktion folgte dann aber eine ebenso wirklichkeitsblinde Entwarnung, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Lage zwar äußerst heikel und die weitere Entwicklung ungewiss blieb, aber doch nicht so schlimm erschien, wie anfangs empfunden worden war. Es machte sich ein Bewältigungsoptimismus breit und die hoffnungsvollen Erwartungen schlugen sich in einem erneuten Overshooting – vor allem an den Wertpapierbörsen – nieder, jetzt eben in Richtung Krisenverharmlosung. Die Talsohle sei durchschritten; das Wachstum kehre zurück; die Arbeitslosenzahlen stabilisierten sich; Export und Konsum versprächen eine positive Entwicklung usw. Diese psychologisch bedingte Realitätsferne korrespondiert mit dem defizitären Bewusstsein für die historische Entstehung der Krise und für die systemimmanenten Prozesse der Krisenbildung. Deshalb auch die Personalisierung und Moralisierung bei der Suche nach den Krisenursachen. Schuldige sollen gefunden werden, die, wenn nicht bestraft, dann wenigsten beschimpft werden können. Ärger und Wut lassen sich so ins Belanglose ableiten, und die gebotene Systemdiagnose bleibt aus. Die von der Krise beförderte vermeintliche Renaissance des „Keynesianismus“ verschuf den über Jahre hinweg frustrierten Mainstream-Keynesianern endlich wieder die ersehnte öffentliche Aufmerksamkeit, um ihre Botschaft des besseren Kapitalismus zu verkündigen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Krise! Welche Krise?
Walter Otto Ötsch, Katrin Hirte, Jürgen Nordmann (Hg.):
Krise! Welche Krise?
the author
Prof. em. Dr. Karl Georg Zinn
Karl Georg Zinn

emeritierter Professor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

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