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Sunday, August 18, 2019
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Ernährungsbildung in Unterricht und Schulprofil
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Ernährungsbildung in Unterricht und Schulprofil

Essen und Trinken in der Schule - Bildungschance und Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit

13 Seiten · 3,05 EUR
(Mai 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Seit der PISA-Studie wird auch in Deutschland das Konzept der Literacy als „Grundbildung“ zunehmend diskutiert. In der PISA-Studie sind vor allem Basiskompetenzen erfasst worden, die den Jugendlichen die aktive Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben ermöglichen. Dabei wurden u.a. ausgewählte Kulturtechniken wie Lesekompetenzen, mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen abgeprüft. Die erwartete Grundbildung gilt als „das basale Rüstzeug sowohl für die individuelle Teilhabe wie gesellschaftliche Zukunftsgestaltung“. Außerdem hat die PISA-Studie Befunde bestätigt, dass zwischen 20 und 25 % der deutschen Schülerinnen und Schüler aus dem Bildungssystem ohne Abschlüsse und ohne entsprechende Kompetenzen ausscheiden. Sie sind sog. „funktionale Analphabeten“, denn ihnen fehlen gerade jene Kompetenzen, die zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben befähigen. Zugleich sind damit ihre individuellen Lebensgestaltungs- und demokratischen, gesellschaftlichen Gestaltungskompetenzen stark eingeschränkt.

In Deutschland hält „richtige Bildung“ noch immer eine deutliche Distanz zur Alltagspraxis, davon ist auch die Ernährungsbildung als Lebenswelt bezogene Bildung betroffen. Die Tradition der Mädchen- und Armenbildung mit ihrer Betonung lebenspraktischer Fertigkeiten statt kognitiver Entwicklung wirkt hier noch immer. So wurde im deutschen „Bildungskanon“ die Ernährungs- und Verbraucherbildung in der Vergangenheit nicht bzw. nicht ausreichend berücksichtigt. Unter anderem hat die bundesweite Analyse und Evaluation der Ernährungsbildung in allgemein bildenden Schulen nachgewiesen, dass den Anforderungen an die Ernährungsbildung in den Bundesländern trotz vorhandener Lehrpläne nur lückenhaft entsprochen wird. Und es besteht weiterhin die Gefahr der Marginalisierung und Zurückdrängung gerade der Fächer und Inhalte, die für eine zukunftsorientierte Grundbildung einen hohen Stellenwert haben und deren „Bildungswert“ bislang nicht oder nur unzureichend wahrgenommen wurde. Andererseits müssen sich in der globalen Wissens- und Konsumgesellschaft (Allgemein-)Bildungskonzepte damit auseinandersetzen, inwieweit die notwendigen Kulturtechniken und -werkzeuge für die Lebensführung und Lebensgestaltung sowie die gesellschaftliche Entwicklung von ihnen hinreichend beschrieben werden. Der Vermittlung von Kompetenzen im Lebens- und Handlungsbereich Ernährung, Konsum und Gesundheit kommt dabei angesichts der wachsenden Probleme für die einzelnen und die Gesellschaft eine besondere Bedeutung zu. Ernährungs- und Verbraucherbildung ist unverzichtbarer Bestandteil der allgemeinen Grundbildung und vermittelt zentrale Daseinskompetenzen, die als Kulturwerkzeuge in ein „Kerncurriculum moderner Allgemeinbildung“ gehören, weil sie für die Bildung des Individuums und die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft gleichermaßen erforderlich sind. Das oben dargestellte traditionelle Verständnis der Ernährungsbildung spiegelt sich in der Platzierung innerhalb des Fächerkanons sowie in den schulischen Rahmenbedingungen wider. Ernährungsbildung ist überwiegend im Unterrichtsfach Hauswirtschaft angesiedelt, d.h. sie ist nur selten verbindlich, längst nicht bundesweit und vor allem nicht in allen Schulformen vertreten. Damit verbunden sind vielfach ein negatives Image als „Kochfach“ für eher leistungsschwache Schülerinnen und Schüler, eine unzureichende räumliche und finanzielle Ausstattung, fehlende kollegiale Strukturen sowie vielfach fachfremder Unterricht. Nahrungszubereitung als praktisches Element wird zum Teil als Abwechslung von einem auf Stoffvermittlung ausgerichteten Unterricht gesehen, die Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gibt sich „praktisch“ zu betätigen, aber keinerlei Bildungswert hat. Diese Bedingungen prägen das Handeln und die Wahrnehmung aller schulischen Akteure und verhindern oftmals eine „sinnvolle Verknüpfung verschiedener Teilkompetenzen wie Wissen und Können […] zu einer Handlungskompetenz im Sinne der Functional Literacy“ .


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Ernährung, Kultur, Lebensqualität – Wege regionaler Nachhaltigkeit
Irene Antoni-Komar, Reinhard Pfriem, Thorsten Raabe, Achim Spiller (Hg.):
Ernährung, Kultur, Lebensqualität – Wege regionaler Nachhaltigkeit
the author
Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies
Kirsten Schlegel-Matthies

Professorin für Haushaltswissenschaft und ihre Didaktik im Department Sport & Gesundheit an der Universität Paderborn. Arbeitsschwerpunkte: Verbraucherbildung, Didaktik der Haushaltslehre, Überschuldungsprävention, Esskulturbildung etc.