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Thursday, April 25, 2019
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Evolution und Selbstorganisation bei Karl Marx
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Evolution und Selbstorganisation bei Karl Marx

34 Seiten · 4,72 EUR
(August 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Beginnen wir mit einem Zitat von Joseph Schumpeter: „Die ökonomische Geschichtsauffassung kann als eine eigene Errungenschaft von Marx betrachtet werden, genauso wie man Darwins Lehre von der Abstammung des Menschen als eine eigene Errungenschaft Darwins ansieht ... Marx versuchte als einer der ersten ein klares Modell der Entwicklung des Kapitalismus auszuarbeiten ... Die Theorie von Marx ist evolutionär wie keine andere ökonomische Theorie: Sie versucht den Mechanismus herauszuarbeiten, der durch seinen bloßen Ablauf und ohne Mitwirkung äußerer Faktoren eine beliebige Gesellschaftsform in eine andere verwandelt“ (S. 487, 489). An anderer Stelle gibt Schumpeter eine Einschätzung der Marxschen Evolutionstheorie: „Ich möchte die Größe dieser Konzeption betonen und die Tatsache unterstreichen, daß die Marxsche Analyse die einzige wirklich evolutionäre Wirtschaftstheorie darstellt, die diese Periode hervorbrachte ... Die große Vision einer immanenten Evolution des ökonomischen Prozesses − die, indem sie irgendwie durch die Akkumulation wirksam wird, irgendwie das Wirtschaftssystem und auch die Gesellschaft des Konkurrenz-Kapitalismus zerstört und irgendwie eine unhaltbare soziale Lage schafft, aus der irgendwie eine andere Gesellschaftsordnung entsteht − kann selbst die schärfste Kritik nicht zerstören. Auf Grund dieser, und allein dieser Tatsache hat Marx Anspruch darauf, als ein bedeutender ökonomischer Analytiker angesehen zu werden“ (S. 548/9).

Das ist ein großes Lob. Nun mag man Schumpeter als befangen ansehen, da er selbst eine gesellschaftlich-ökonomische Evolutionstheorie entworfen hat und daher den topos der Evolution bei Marx überpointieren könnte. Doch muß andererseits gelten, daß Schumpeter als der zu seiner Zeit bedeutendste Experte auf dem Gebiet des ökonomischen Evolutionismus auch der einzige war, der diesen Aspekt bei Marx richtig einschätzen konnte. Insofern ist Schumpeters Lob eine wissenschaftliche, korrekte Anerkennung. Demgegenüber verblassen die rein technisch-ökonomischen Analysen von Marx. Deshalb sollen sie hier − wie auch seine politische Inanspruchnahme − unkommentiert bleiben.

Doch hat Marx nicht nur den evolutionären Charakter des Wirtschaftsprozesses betont und herausgearbeitet, sondern auch seinen selbstorganisatorischen. Gerade durch den Nachweis der wechselseitigen Bedingtheit von wirtschaftlichem Handeln und den institutionellen Rahmenbedingungen, die wiederum durch das wirtschaftliche Handeln stabilisiert oder destabilisiert werden, hat Marx viele Erkenntnisse der heutigen Ökonomik, insbesondere der Theorie der Eigentumsrechte und der Institutionen, vorweggenommen.

Aus heutiger Sicht ist Marxens Analyse der Evolution und Selbstorganisation − wie könnte dies bei einem Werk, das über hundert Jahre alt ist, auch anders sein − allerdings etwas undifferenziert. Im wesentlichen werden nämlich aus der evolutionären Perspektive unter dem Konzept der „Widersprüche“ nur abrupte Veränderungen betrachtet, und aus der selbstorganisatorischen Perspektive wird der Entwicklung der Produktivkräfte gegenüber den Produktionsverhältnissen der Vorrang eingeräumt. Dieses soll im folgenden begründet und mit Hilfe des modernen Instrumentariums der Katastrophentheorie und der Selbstorganisationstheorie verdeutlicht werden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Die ökonomische Theorie von Marx – was bleibt?
Camilla Warnke und Gerhard Huber (Hg.):
Die ökonomische Theorie von Marx – was bleibt?
the author
Prof. Dr. Peter Weise
Peter Weise

1941, 1976-1982 Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Paderborn, seit 1982 Professor für Wirtschaftswissenschaftem mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung an der Universität Kassel. Hauptarbeitsgebiete: Institutionenökonomik, Evolutorische Ökonomik, Wirtschaftsethik, Konjunkturtheorie

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