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Friday, August 23, 2019
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Evolutorische Finanzwissenschaft
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Evolutorische Finanzwissenschaft

Problemstellungen und Lösungsansätze

30 Seiten · 3,52 EUR
(Februar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Grundsätzlich bieten sich zwei Herangehensweisen an eine Evolutorische Finanzwissenschaft an. Einerseits können Überlegungen zu einer Evolutorischen Finanzwissenschaft entlang der (leicht) „ausgetrampelten“ Pfade der (neoklassischen) Finanzwissenschaft angestellt werden. Ausgangspunkt ist dann die Theorie der elementaren Staatsaufgaben, wie sie sich in jedem finanzwissenschaftlichen Lehrbuch wiederfindet. Andererseits kann eine Evolutorische Finanzwissenschaft auf der Basis originär evolutorischer Prinzipien entwickelt werden. Diese Heransgehensweise ist allerdings – wie sich zeigen wird – mit einem sehr umfangreichen Forschungsprogramm verbunden.

In diesem Beitrag sollen beide Wege skizziert werden. Ohne den traditionellen Rahmen der Finanzwissenschaft zu verlassen, wird zunächst analysiert, welche Änderungen die Finanzwissenschaft aus evolutorischer Perspektive erfahren sollte. Anschließend wird gezeigt, welche Konzeption denkbar ist, wenn der Evolutionsbegriff grundlegend in der Finanzwissenschaft eingeführt würde. Zuvor wird aber in Kapitel 2 kurz in allgemeinerer Form auf die beiden „Zutaten“ – Evolutorische Ökonomik (Abschnitt 2.1) und Finanzwissenschaft (Abschnitt 2.2) – eingegangen. Ein Blick in die wirtschaftswissenschaftliche Literatur zeigt, dass bislang kaum Verbindungen zwischen diesen beiden Disziplinen hergestellt worden sind (Abschnitt 2.3).

Kapitel 3 beschäftigt sich mit grundsätzlichen finanzwissenschaftlichen Fragestellungen. Den Auftakt des Kapitels bilden die profane Frage, wie ein Staat abzugrenzen ist, und das Problem der Erfassung der wirtschaftlichen Aktivitäten des Staates (Abschnitt 3.1). Wodurch staatliche Aktivitäten begründet sind, wird in Abschnitt 3.2 untersucht. In aller Regel wird in der Finanzwissenschaft von elementaren Staatsaufgaben (Allokation, Stabilisierung, Verteilung) ausgegangen, wobei nicht berücksichtigt wird, wie Entscheidungen im Zusammenhang mit diesen Staatsaufgaben zustande kommen und wer daran beteiligt ist. Ausgangspunkt sind normative Aussagen darüber, welche Ziele der Staat verfolgen soll. Im Zusammenhang mit den elementaren Staatsaufgaben soll noch im gleichen Abschnitt auf das wirtschaftspolitische Ziel-Lage-Mittel-Konzept eingegangen werden. Anschließend folgt in Kapitel 4 eine kritische Diskussion der üblichen Finanzwissenschaft aus evolutorischer Perspektive. Dem Ziel-Lage-Mittel- Konzept folgend wird in Abschnitt 4.1 hinterfragt, ob die elementaren Staatsaufgaben so, wie sie von der neoklassischen Theorie postuliert werden, unter evolutorischen Gesichtspunkten Bestand haben können, verworfen oder zumindest revidiert werden müssen. Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Frage, welche Probleme bei der Erfassung der wirtschaftlichlichen Lage auftreten. Es wird u.a. geprüft, inwieweit das volkswirtschaftliche Rechnungswesen in der Lage ist, in Hinblick auf eine evolutorische Perspektive die wirtschaftlichen Aktivitäten einer Ökonomie und damit des Staates für einen bestimmten Zeitraum zu erfassen (Abschnitt 4.2). Schließlich wird – wieder aus einem evolutorischen Blickwinkel – gefragt, ob die staatlichen Instrumente geeignet sind, die gewünschten Ziele zu erreichen (Abschnitt 4.3).

Der in Kapitel 4 gewählte Ausgangspunkt entspricht grundsätzlich nicht evolutorischen Vorstellungen, da dem Populationsgedanken keine Beachtung geschenkt wird. In Kapitel 5 wird eine Konzeption für die Finanzwissenschaft vorgeschlagen, die dieses Manko nicht aufweist.

Staatliche Entscheidungen sind nicht Entscheidungen eines repräsentativen Individuums, eines Monarchen, eines sozialen Planers, eines Diktators oder eines Leviathans – zumindest in der Demokratie. Staatliche Entscheidungen sind Ergebnisse kollektiver Entscheidungen von Populationen von Individuen. Deshalb muss auf dem Weg hin zu einer Evolutorischen Finanzwissenschaft die Frage des Mikro-Makro-Zusammenhanges geklärt werden (Abschnitt 5.1). Einen hilfreichen Beitrag bietet grundsätzlich der Public Choice-Ansatz. Eine kurze Darstellung sowie Einwendungen aus evolutorischer Perspektive sind Gegenstand des Abschnitts 5.2. Aus evolutorischer Sicht wäre sicherlich eine Verbindung der traditionellen Finanzwissenschaft mit dem Public Choice-Ansatz wünschenswert. Dabei stellt sich allerdings ein gravierendes Problem, das unabhängig von der Wahl des verfolgten Paradigmas bislang als nicht gelöst gelten muss. Auf der einen Seite stehen die vielfältigen polit-ökonomischen Erkenntnisse, die das Verhalten des Staates erklären. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Beiträge, die einem positivistischen Ansatz folgen. Ganz im Gegensatz dazu steht auf der anderen Seite die traditionelle Finanzwissenschaft, die sehr stark normativ geprägt ist. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Finanzwissenschaft und der Theorie der Politischen Ökonomie sowie der mögliche Beitrag der Evolutionsökonomik ist Gegenstand des Abschnitts 5.3. Das zentrale Ergebnis des Abschnittes ist, dass der Evolutionsökonomik eine normative Abteilung fehlt. Gäbe es eine evolutorische Wohlfahrtstheorie, so wäre es vermutlich recht einfach, Zielsetzungen für staatliches Handeln zu finden. Da dies aber nicht der Fall ist werden in Abschnitt 5.4 einige Grundideen grob skizziert, die Grundlage einer derartigen Wohlfahrtstheorie sein könnten. Welche staatlichen Zielsetzungen für die Finanzpolitik hieraus ableitbar sind und welche Konsequenzen sich insbesondere für die Allokations-, Stabilisierungs- und Verteilungspolitik ergeben würden, ist Gegenstand des Abschnitts 5.5. Eine Zusammenfassung und ein Ausblick (Kapitel 6) beenden das Papier.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Perspektiven des Wandels
Marco Lehmann-Waffenschmidt (Hg.):
Perspektiven des Wandels
the author
Dr. Rainer Voßkamp

Technische Universität Chemnitz, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Professur für Finanzwissenschaft.