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Freitag, 21. September 2018
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Flächentarife oder Haustarife - Welches System generiert die
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Flächentarife oder Haustarife - Welches System generiert die "richtigen Löhne"?

16 Seiten · 3,22 EUR
(Oktober 2005)

 
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Aus dem Beitrags:

Der Experte für Arbeitsbeziehungen im internationalen Vergleich Franz Traxler (2002, S. 285) stellt die These auf, dass die in Europa vorherrschenden Systeme einer koordinierungsfähigen Tarifpolitik nur dann Bestand haben werden, wenn sie ihre überlegene makroökonomische Funktionalität und Effektivität bewahren können.

Er misst die Effektivität eines Tarifsystems daran, inwieweit es Inflation verhindern und Beschäftigung sichern kann. Seine Betonung liegt dabei auf der preisstabilisierenden Funktion.

Nun ist Inflation aktuell nicht das Problem. ...

Ganz anders stellt sich die Situation in Zeiten schwachen Wachstums und hoher Arbeitslosigkeit für die beiden Paradigmen dar. Während die Angebotstheoretiker das erste Gebot der Lohnzurückhaltung predigen, beharren die Keynesianer auf dem oben skizzierten Konzept der produktivitätsorientierten Lohnpolitik auch und gerade in Krisenzeiten. Aus ihrer Sicht ist eine Lohnpolitik dann funktional und makroökonomisch effektiv, wenn sie auch in der Krise genügend Binnenkaufkraft generiert und ihren Beitrag zur Vermeidung einer Deflationsspirale leistet.

Aus neoliberaler Sicht dagegen ist eine solche lohnpolitische Strategie äußerst kontraproduktiv. Der Arbeitsmarkt kann und soll sich über flexible Löhne selbst regulieren und kurieren. Das lohnpolitische Dogma der neoliberalen Angebotsökonomie lässt sich kurz in zwei Thesen zusammenfassen:

1. Lohnzurückhaltung ist in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit das probate und letztlich einzige Mittel zur Steigerung der Beschäftigung.

2. Dezentralisierte Tarifsysteme, in denen möglichst betriebsnah verhandelt wird, sind am besten geeignet, Lohnzurückhaltung zu praktizieren.

Das lohnpolitische Credo der Keynesianer lässt sich ebenfalls kurz zusammenfassen:

1. Reallohnsteigerungen müssen der Produktivität folgen, damit den Konsumenten genügend Kaufkraft zuwächst, um das potentiell steigende Güterangebot nachfragen zu können (Stabilisierung der Binnennachfrage).

2. Dezentralisierte Tarifsysteme generieren bei hoher Arbeitslosigkeit zu geringe Lohnzuwächse. Makroökonomisch koordinierte Lohnfindungssysteme sind dezentralisierten Systemen in dieser Hinsicht deshalb funktional überlegen.

So ist man sich wenigstens in einem Punkt einig, auch wenn das dann unterschiedlich bewertet wird: Eine dezentrale Tarifpolitik führt in Krisenzeiten zu geringeren Lohnzuwächsen als koordinierte Systeme . Diese These ist darüber hinaus zum nicht mehr hinterfragten Allgemeingut in der öffentlichen Diskussion geworden . Aber ist sie auch richtig?


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Wirtschaftspolitik in offenen Demokratien
Lothar F. Neumann, Hajo Romahn (Hg.):
Wirtschaftspolitik in offenen Demokratien
Der Autor
Dr. Klaus Schaper

Oberstudienrat im Hochschuldienst, Fakultät für Sozialwissenschaft, Sektion Sozialpolitik und Sozialökonomie, Ruhr-Universität Bochum.

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