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Thursday, July 18, 2019
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Fortschrittsillusionen in der Ökonomik: Die Neue Handelstheorie
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Fortschrittsillusionen in der Ökonomik: Die Neue Handelstheorie

17 Seiten · 4,25 EUR
(April 2013)

 
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Aus dem Schlussteil

Laut offizieller Lesart wurde der Nobelpreis 2008 an Paul Krugman weniger wegen der Originalität der ökonomischen Erkenntnisse in dessen Aufsatz aus dem Jahr 1979 verliehen, sondern auf Grund der dort praktizierten Technik. Eine nähere Überprüfung begründet jedoch Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Verfahrens, was womöglich zur Ablehnung der Einreichung andernorts führte. Der damalige Herausgeber des Journal of International Economics Jadish Bhagwati hat schließlich trotz zweier negativer Gutachten den Text seines Studenten Paul Krugman akzeptiert. Dies ist an sich nicht zu beanstanden: Fehlurteile kommen vor und ein beträchtlicher Teil der Fachliteratur besteht aus mehr oder weniger obskuren Phantasiegebilden. Zudem bewegt sich ein Forscher, der neue Pfade beschreiten möchte, nicht immer auf sicherem Boden. Vielmehr ist ein Herausgeber zu loben, der einen als wichtig empfundenen Beitrag selbst gegen die Gutachtermeinung publiziert. In der Ökonomik gibt es zu viele Dogmen und zu wenig Diskussionen. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die in dieser Wissenschaft gepflegte Kultur, dass Krugmans Artikel immer wieder zitiert und sogar mit dem Nobelpreis bedacht worden ist, ohne die konkrete Argumentation eingehend zu mustern.

Die Schwedische Akademie hat stattdessen ein Modell präsentiert, welches eher lose mit den Überlegungen des Gewürdigten verknüpft ist. Krugmans Ansatz wurde ohne viel Federlesens in das Prokrustesbett der neoklassischen Allgemeinen Gleichgewichtstheorie gepresst. Warum wurde das hoch gelobte Räsonnement in anderem Gewande vorgeführt? Vermutlich steckt dahinter System: Der (inzwischen) namhaft und bekannt gewordene Rebell hat seine anscheinend analytisch wertvollen Leistungen als (junger) Neoklassiker erbracht. Zwar trifft es zu, dass orthodoxe Elemente im Schaffen Krugmans nicht nur in der geehrten Veröffentlichung von 1979, sondern besonders auch in Lehrbüchern auftauchen. Gleichwohl ist das bei weitem nicht der ganze Krugman. Der kanzelt an anderen Stellen regelmäßig den Mainstream etwa als "Schmalspurökonomie" ab. Und gerade deshalb mag mancher kritische Betrachter der Disziplin die Wahl des Nobelpreiskomitees im Jahr 2008 nach dem Motto "schlecht gezielt, aber gut getroffen" begrüßen.

Die List der Geschichte könnte darin liegen, dass die Begründung der Preisvergabe letzten Endes offenbart, wie tief sich die herrschende Doktrin schon auf der mikroökonomischen Ebene in logische Widersprüche verstrickt hat, von den geradezu grotesken Grundannahmen über das Konsum- und Angebotsverhalten der Wirtschaftssubjekte einmal ganz abgesehen. Und so erweist sich hoffentlich der Versuch, eine frühere Konstruktionsschwäche des späteren Dissidenten zur Tugend zu erheben, eines schönen Tages als ein Akt schöpferischer Zerstörung.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Zur Zukunft des Wettbewerbs
Harald Enke, Adolf Wagner (Hg.):
Zur Zukunft des Wettbewerbs
the author
Prof. Dr. Fritz Helmedag
Fritz Helmedag

Professur für Mikroökonomie, Fakultät für Wirtschaftswissenchaften, an der TU Chemnitz. Zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter an der RWTH Aachen.

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