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Monday, May 20, 2019
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Geld – eine moderne Ersetzung Gottes
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Geld – eine moderne Ersetzung Gottes

26 Seiten · 4,41 EUR
(April 2013)

 
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Aus der Einleitung:

In seinen Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" schildert Oscar Wilde einen Dialog zwischen Lord Fermor, einem egoistischen, alten Junggesellen, und seinem Neffen Lord Henry, einem gebildeten lebenslustigen Abenteurer: Die jungen Leute heutzutage glauben, Geld sei alles, und wenn sie älter werden, dann wissen sie, dass es stimmt. Was hier am Ende des 19. Jahrhunderts pointiert und ironisch zum Ausdruck gebracht wird, lässt sich mit gleicher Intensität auch für die Erfahrungswelten der späten Moderne beschreiben: Mangelnde Verfügbarkeit und Zugang zu dieser elementaren Ressource unterbinden oder erschweren die Entfaltung vieler Lebensmöglichkeiten. Wer kein oder nur wenig Geld hat, bleibt draußen vor, ist von vielen Segnungen und Errungenschaften unseres gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen. So apodiktisch und verkürzt es auch klingen mag, es steckt eine tiefe Wahrheit darin: Ohne Geld kein Leben.

Warum aber ist Geld zu einem solch wichtigen Medium und einem so herausragenden Wert geworden? Warum werden ihm göttliche Eigenschaften attestiert, seine Macht mit der Macht Gottes verglichen? Woher kommt die Rede, dass Geld der neue Gott unserer Zeit geworden ist, dass ihm vielfach jene Bedeutung zugesprochen und jene Verehrung entgegengebracht wird, die in früheren Zeiten allein Gott vorbehalten war? Wie ist darüber hinaus die eigentümliche Paradoxie zu erklären, dass einerseits das religiöse Leben kontinuierlich zurückgeht, während andererseits die theologische Aufladung sekundärer Erscheinungsformen wie Erfolg, Macht und eben auch Geld in analoger Weise steigt? Hat Geld die klassischen Funktionen Gottes in den entwickelten, hoch differenzierten Gesellschaften übernommen? Ist Geld also eine moderne, und darüber hinaus recht erfolgreiche Ersetzung Gottes? Und schließlich: Was bedeutet diese Transformation für das Christentum und seine Rede von Gott?

Im Folgenden werde ich zunächst kurz erläutern, was denn Geld eigentlich ist, wie es funktioniert und worin seine unvergleichliche Erfolgsgeschichte begründet liegt, so dass ihm eine sakrale Dimension zugesprochen wird. In einem zweiten Punkt werde ich der Frage nachgehen, warum neben vielen anderen kulturellen Ausdrucksformen wie Kunst, Literatur und Philosophie vor allem auch die Religion dem Geld bei aller Zurückhaltung doch auch kritisch bis ablehnend gegenübergestanden ist. Die Geschichte des Geldes ist nicht nur eine Geschichte seines Erfolgs, sondern auch eine Geschichte seiner Kritik, eine Geschichte von Niedergang und moralischer Fragwürdigkeit, ein Katalysator von sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Marginalisierungen. Daher geht der dritte Punkt abschließend der Frage nach, welchen Beitrag die christliche Gottesrede zu einer Begrenzung der zusehends als hochproblematisch empfundenen Macht des Geldes beitragen kann.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Den Geldschleier lüften!
Bernhard Emunds, Wolf-Gero Reichert (Hg.):
Den Geldschleier lüften!
the author
Prof. Dr. Alois Halbmayr
Alois Halbmayr

Fachbereich Systematische Theologie, Katholisch- Theologische Fakultät, Universität Salzburg.