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Wednesday, June 26, 2019
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Gender@Nature
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Gender@Nature

Der Nachhaltigkeitsdiskurs in gendertheoretischer Perspektive

15 Seiten · 2,65 EUR
(April 2013)

 
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Aus der Einleitung:

Auf Nachhaltigkeit wird sich vielerorts berufen. Auch dort, wo eine egalitäre Verstrebung von 'Ökonomie', 'Ökologie' und 'Sozialem' höchst unwahrscheinlich ist, begegnen uns Verweise auf das leitende Paradigma: Logos in sanften Farben, umweltbewegte Imagekampagnen, Hinweise auf Firmenengagement. Sanifair, eine Tochtergesellschaft von Tank&Rast, die Sanitäranlagen auf über 300 deutschen Autobahn-Rastplätzen betreibt, hat den populären Diskurs um die Erhaltung von Lebensqualität und Umwelt beispielhaft aufgegriffen. Der Begriff Nachhaltigkeit wird dabei explizit in Zusammenhang mit wassersparenden Technologien genannt, das Firmenlogo spielt auf bekannte Umweltzertifikate wie etwa den blauen Engel an: Zwei Wellen, eine grün und eine blau, rahmen in der Anordnung von Ying und Yang den Schriftzug Sanifair, der die Mitte des kreisförmigen Logos bestimmt. Das Prinzip der 'Balance' wird so mit dem Hinweis auf Sauberkeit (Sanitär) und soziale Gerechtigkeit (Fairness) verknüpft.

Welche Gerechtigkeit soll aber hier am Rande der Autobahn gemeint sein? Bezieht sie sich auf das Putzpersonal, das zwar irgendwo, aber nicht sichtbar ist? Oder auf die Besucherinnen? Der Imagefilm der Firma verrät mehr: Er beginnt mit einer computergenerierten Kamerafahrt über eine Wasserlandschaft, die von Hügeln und Wiesen eingerahmt ist. Die Landschaft verschwimmt in Anlehnung an das Firmenlogo in eine grün-blaue Farbfläche. In der folgenden Einstellung ziert dieses Bild die Rückwand eines modernen Büroraums mit breiter Fensterfront. Ein 'Manager' der Firma erklärt einem älteren Kollegen konzentriert die Geschäftsidee. Das Prinzip Sanifair, "von dem jeder etwas hat", wird anschließend am Beispiel einer stereotypen Kleinfamilie vorgeführt. Eine junge Beifahrerin bittet ihren Mann um eine Pause. Fürsorglich begleitet sie die beiden Kinder, einen Jungen und ein Mädchen, auf die Toilette, um dann mit einem prüfenden Blick in den Spiegel ihre Frisur zu richten. Mit dem Kommentar "Es ist nicht nur fair, sondern auch erfolgreich." wird das Argument der Rentabilität von Nachhaltigkeit ins Feld geführt und in rätselhafter Weise von der jungen Mutter aufgegriffen. Mit den Worten "Das müsste es nicht nur an Raststätten geben!", schließt sie entspannt die Augen. Die Autofahrt geht in die Kamerabewegung durch die imaginäre Landschaft über, anschließend erscheint das Firmenlogo Sanifair.

Es braucht nicht viel analytische Schärfe, um festzustellen, dass dieser Spot etwas anderes entwirft als die Utopie einer Öko-Autobahn in Richtung "Gerechtigkeit": Das Prinzip ‚Fairness‘ meint in der Bildsprache dieses Films vielmehr eine konsequent nach dem Geschlecht differenzierte Arbeitsteilung. Die Versorgungs- und Kommunikationsarbeit wird dabei den Frauen zugewiesen, während die männlichen Figuren ihren Platz in der Konzeption und Leitung des Unternehmens finden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung!
Studierendeninitiative Greening the University e.V., Tübingen (Hg.):
Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung!
the author
Linda Waack

Von 2002 bis 2009 Studium der Neueren und neuesten Geschichte, Neueren deutschen Literatur und Komparatistik in Tübingen, Aix-en-Provence und Wien. Seit Januar 2010 Stipendiatin im Junior-Fellow-Programm "Theorie und Geschichte kinematographischer Objekte" am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie (IKKM) der Bauhaus-Universität Weimar