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Tuesday, September 17, 2019
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Gerechtigkeit als Voraussetzung für effizientes Wirtschaften

Jahrbuch Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik 1

"Jahrbuch Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik"  · Band 1

363 Seiten ·  24,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-373-7 (Februar 2002 )

 
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Gerechtigkeit und Effizienz werden in der Ökonomik vielfach als ein Verhältnis der Abwägung verstanden: Um gerechtere soziale Zustände herbeizuführen, so lautet eine kaum je in Frage gestellte Basisvermutung, müssen wir Einbußen an Effizienz hinnehmen. Eine Umverteilung im Sinne von Gerechtigkeit ist folglich a priori mit dem Makel behaftet, »effizienzstörend« oder »effizienzschädlich« zu sein. Auch die aktuelle politische Diskussion um Sozialstaatsabbau in den westlichen Demokratien wird von dieser Grundthese der Effizienzschädlichkeit von Umverteilung beherrscht.

Diese Sicht auf das Verhältnis von Effizienz und Gerechtigkeit ist weniger selbstverständlich, als vielfach unterstellt wird. In der modernen Ökonomik stellen sich die entscheidenden Fragen bezüglich des Ineinanderwirkens und der wechselseitigen Bedingung von individueller Tugend, Gerechtigkeit und Effizienz wie auch der Spannungszonen zwischen ihnen. Ausgehend von der Diskussion dieser Fragen will das Buch Antwort auf die Existenzfragen der Moderne überhaupt geben: Wieviel und welche Gerechtigkeit - das heißt auch: wieviel und welche Rückbindung an außermarktliche menschliche Ziele - braucht die Marktwirtschaft? Wieviel und welche Gerechtigkeit verträgt sie?

Richard Sturn, Martin Held und Gisela Kubon-Gilke
Unproblematische Effizienz und problematische Gerechtigkeit?
Dimensionen eines Trade-offs besonderer Art
Peter Weise
Effizienz versus Gerechtigkeit: Tragweite und Folgen der Annahme eines Trade-offs
Peter Koller
Zur Dialektik von Freiheit und Gleichheit
Hans G. Nutzinger
Freiheit - Gerechtigkeit - Effizienz: Gesellschaftliche Leitvorstellungen oder Konfliktfelder?
Andreas Suchanek
Das Verhältnis von Effizienz und Gerechtigkeit aus vertragstheoretischer Sicht
Fabienne Peter
Wahlfreiheit versus Einwilligung - Legitimation in Markt und Staat
Ulrike Knobloch
Einmalige Festlegung versus fortlaufende Gewährleistung einer gerechten Ressourcenausstattung
Ernst Helmstädter
Verteilungsgerechtigkeit als Leistungsgerechtigkeit
durch Wettbewerb
Michael Schmid
Reziprozität: Zur Bedeutung einer traditionellen Austauschform im modernen Wirtschaften
Christian Sartorius
Die Evolution von Verteilungsgerechtigkeit
Gerold Mikula
Gerecht und ungerecht: Eine Skizze der sozialpsychologischen Gerechtigkeitsforschung
Frank Schulz-Nieswandt
Treffsicherheit in der Sozialpolitik
Richard Sturn
Steuergerechtigkeit und Leistungsfähigkeitsprinzip: Das Problem der Besteuerung heterogener Haushalte
Gisela Kubon-Gilke
Effizienz, Gerechtigkeit und die Theorie des guten Lebens

Über das Jahrbuch

Das Jahrbuch Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomik ist ein interdisziplinäres Jahrbuch, dessen Fokus vor allem die normativen Fundamente der Ökonomik und ihre institutionellen Voraussetzungen bildet. Obwohl seine Ausrichtung nicht ausgesprochen wirtschaftspolitisch ist, gehören die praktisch-politischen Implikationen einer kritischen Reflexion solcher Grundlagenfragen zu den immer wiederkehrenden inhaltlichen Anliegen ebenso wie methodologische Abklärungen. Jede Ausgabe ist einem thematischen Schwerpunkt gewidmet, der von den Herausgebern unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Herausgeber-Beirats ausgewählt wird und der Thematik der jährlichen Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing in der gleichnamigen Reihe entspricht. Eine große Bandbreite und Vielfalt von Ansätzen und Zugängen zum jeweiligen thematischen Schwerpunkt sind Programm. Das Jahrbuch wendet sich ebenso an Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler der Ökonomik und benachbarter Disziplinen wie an thematisch allgemein Interessierte. Vorschläge von Leserinnen/Leser für Themenschwerpunkte und spezifische Beiträge sind willkommen.

Herausgeber-Beirat: Prof. Dr. Hans Albert, Heidelberg - Prof. Dr. Adelheid Biesecker, Bremen - Prof. Dr. Mathias Erlei, Clausthal-Zellerfeld - Prof. Dr. Simon Gächter, St. Gallen - Prof. Dr. Franz Haslinger, Hannover - Prof. Dr. Ernst Helmstädter, Münster/Gelsenkirchen - Prof. Dr. Hans G. Nutzinger, Kassel/Erfurt - Prof. Dr. Notburga Ott, Bochum - Prof. Dr. Fabienne Peter, Basel - Dr. Lucia Reisch, Stuttgart - Prof. Dr. Kurt W. Rothschild, Wien - Prof. Dr. Ekkehart Schlicht, München - Dr. Irmi Seidl, Zürich - Prof. Dr. Peter Weise, Kassel - Prof. Dr. Hans Peter Widmaier, Herrliberg/ Zürich - Prof. Dr. Ulrich Witt, Jena

Erscheinungsweise: Das Jahrbuch erscheint einmal jährlich jeweils im Februar/März.

Redaktion: Dr. Martin Held, Evangelische Akademie Tutzing, Schloss-Straße 2+4, D-82327 Tutzing (Telefon 08158/251-(0)-126) - held@ev-akademie-tutzing.de

Utopie kreativ, 12/2004, S. 1144-1145 ()

"Das Jahrbuch 1 trägt den Titel 'Gerechtigkeit als Voraussetzung für effizientes Wirtschaften'. Damit wird sogleich eine These formuliert, die der landläufigen Auffassung, welche davon ausgeht, daß ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit mit Einbußen an Effizienz verbunden ist, zuwiderläuft. Das macht die Lektüre spannend, denn die Autoren behandeln das 'versteckte Grundproblem' der ökonomischen Analyse, die Relation von Effizienz und Gerechtigkeit, keineswegs schlechthin als ein einfaches 'Abwägungsverhältnis' wie derzeit die Politik, sondern als ein echtes Problem. Die damit verbundenen Fragen werden auf der methodologischen, der institutionellen und der wirtschaftspolitischen Ebene behandelt. Dabei wird deutlich, daß es vor allem der enge ökonomische Horizont ist, der das Problem der Effizienz als losgelöst von den Wertfragen erscheinen läßt. Die Autoren hinterfragen daher zu recht, was ist Effizienz in einem erweiterten Sinne? Und was ist Gerechtigkeit? Welche Probleme wirft die Relation zwischen Gerechtigkeit und Effizienz generell auf und welche Interpretationen sind daran geknüpft? Wie so oft gibt es auch hier keine einfachen Antworten. Die Autoren des Einführungstextes bemühen sich, dem komplexen Zusammenhang durch eine mehrschichtige Lösung gerecht zu werden, indem sie Argumente für eine »Rückbindung der Marktwirtschaft« an außermarktliche Ziele vortragen, ohne jedoch allzu genau zu erklären, was sie mit 'Gerechtigkeit' eigentlich meinen. Dies bleibt den nachfolgenden Beiträgen vorbehalten.

Insgesamt zeigt sich nach der Lektüre des Bandes, daß Gerechtigkeit als Voraussetzung für wirtschaftliche Effizienz keineswegs ein Ausnahmefall ist. Für entwickelte (und reiche) Volkswirtschaften läßt sich ein solcher Zusammenhang vielmehr systematisch nachweisen. Dies ist bemerkenswert, denn damit deuten sich sowohl 'für die Theoriebildung als auch für das normative Koordinatensystem der praktischen Politik ... Akzentverschiebungen mit bedeutender Tragweite an'."



Widersprüche, Dezember 2002, S. 122-125 ()

"... Dieser speziellen Unvereinbarkeitshypothese widmet sich das vorliegende Jahrbuch, mit dem Anspruch, sie zu widerlegen und nachzuweisen, die Verfolgung von Gerechtigkeit als eigenständiges soziales Ziel sei gar die Voraussetzung für effizientes Wirtschaften und nicht dessen Hemmschuh. Das weit verbreitete Urteil über diesen Trade-off, so stellen die Herausgeber im einleitenden Beitrag fest, werde von der Ökonomie noch verstärkt, die sich seit dem 19. Jahrhundert stark formalisiert und die als eher moralphilosophisch empfundenen Distributionsfragen weitgehend ausgeklammert habe: Sie suggeriere einen klaren und positiven Effizienzbegriff, aber eher einen diffusen und problematischen der Gerechtigkeit. Die mikroökonomische Theorie wird von der Vorstellung geleitet, Effizienz sei im Gegensatz zur Gerechtigkeit eine eher technische und 'ethisch sparsame', also aus wenigen Wertannahmen gespeiste Norm, die sich auf einem funktionsfähigen Markt von allein einstelle, während die Gerechtigkeit wertbeladen und nicht eindeutig zu bestimmen sei. Attraktive Effizienz, problematische Gerechtigkeit also? Gerade diese Dualität vordergründig unterschiedlicher ethischer Kategorien wirft die methodische Schwierigkeit auf, denen die Verfasser nachgehen: Sie versuchen nachzuweisen, dass sowohl bei der Gerechtigkeit als auch bei der Effizienz von normativen Konzepten gesprochen werden muss, dass auch bei letzterer die unterstellte Sparsamkeit in den Wertannahmen nicht den Tatsachen entspricht.

... Trotz einiger thematischer Überlappungen sind die Beiträge in ihrer Reihenfolge weitgehend konsistent und in ihrer ausgewogenen Fülle von schematischer Darstellung von Bekanntem und gut verständlicher Aufbereitung von Neuerem insgesamt so gut lesbar und ansprechend, dass dieses Buch als anregender Wortgeber in den - aktuellen wie grundsätzlichen - Diskussionen dienen kann, die sich um die fundamentalen Begriffe der Effizienz und der Gerechtigkeit ranken."


the editors
Dr. Martin Held
Martin Held Studienleiter für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung an der Evangelischen Akademie Tutzing. [weitere Titel]
Prof. Dr. Gisela Kubon-Gilke
Gisela Kubon-Gilke Professorin für Ökonomie und Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule Darmstadt. [weitere Titel]
Prof. Dr. Richard Sturn
Richard Sturn ist Joseph A. Schumpeter Professor an der Karl-Franzens-Universität Graz sowie Leiter des Graz Schumpeter Centres und des Instituts für Finanzwissenschaft und öffentliche Wirtschaft. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Insgesamt zeigt sich nach der Lektüre des Bandes, daß Gerechtigkeit als Voraussetzung für wirtschaftliche Effizienz keineswegs ein Ausnahmefall ist." ...
    Utopie kreativ, 12/2004, S. 1144-1145 mehr...
  • "... dass dieses Buch als anregender Wortgeber in den - aktuellen wie grundsätzlichen - Diskussionen dienen kann, die sich um die fundamentalen Begriffe der Effizienz und der Gerechtigkeit ranken."
    Widersprüche, Dezember 2002, S. 122-125 mehr...
  • Zeitschrift für Politikwissenschaft 1/2003, S. 203
  • Journal of Consumer Policy, März 2003, S. 113
  • Pro Zukunft , 2002, S. 31
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