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Tuesday, April 23, 2019
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Gerechtigkeit in der Ökonomik
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Gerechtigkeit in der Ökonomik

Empirische Ergebnisse und ihre möglichen Konsequenzen

48 Seiten · 8,13 EUR
(Mai 2006)

 
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Aus der Einleitung von Hans G. Nutzinger:

In der ökonomischen Fachwissenschaft hat die Gerechtigkeitsfrage in den letzten beiden Jahrzehnten wieder erneut an Virulenz, ja Aktualität, gewonnen, wie Stephan Panther anschaulich dargestellt. Er weist überzeugend darauf hin, dass die Trennung zwischen Allokation und Distribution ein analytisches Kunstprodukt der wirtschaftswissenschaftlichen Disziplin ist, da jede Allokation von Gütern und Faktoren einer Volkswirtschaft auch eine bestimmte Einkommens- und Vermögensverteilung determiniert. Auch das Problem der Knappheit, das Ökonom(inn)en gewöhnlich nur dem Effizienzbereich zuordnen, hat eine unhintergehbare verteilungspolitische Dimension: Die Knappheit von Gütern und Leistungen setzt ja konkurrierende Bedürfnisse der Beteiligten voraus; genau aus demselben Grunde wird die Verteilungsgerechtigkeit auch erst dann interessant, wenn ein Konflikt um die Verteilung sinnvoll ist – und das eben gilt nur im Falle der Güterknappheit. Panther bringt das auf die schöne Formel: „Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit sind [...] unterschiedliche Messlatten für dasselbe Terrain“. Daran anschließend berichtet er über neuere Befunde der experimentellen ökonomischen Forschung – insbesondere das „Diktatorspiel“, das „Ultimatumspiel“ und das „Vertrauensspiel“ –, in denen die traditionelle Annahme des strikt eigennützigen homo oeconomicus in zahlreichen Experimenten zu eindeutig falschen Vorhersagen führt. Es zeigt sich, dass nicht nur das monetäre Resultat einer ökonomischen Interaktion (also der Gesichtspunkt der austauschenden Gerechtigkeit), sondern auch die Art und Weise seines Zustandekommens in die Beurteilung der Gerechtigkeit einer Situation eingeht, die damit über den Tauschhorizont hinausweist. Stephan Panther kommt damit zu der interessanten These, dass Märkte ungeeignet sind, um Urteile über Verteilungsgerechtigkeit der Akteure einer Ökonomie zu implementieren.

In Ergänzung zu den Ergebnissen der experimentellen Spieltheorie berichtet Panther sodann über Ergebnisse der empirischen Gerechtigkeitsforschung, die zeigen, dass Aspekte der Leistungsfähigkeit, Bedürfnisgerechtigkeit und der Gleichheit im Kontext ökonomischer Interaktionen grundsätzlich keinen geringeren Stellenwert haben als die in der Ökonomik einseitig hervorgehobene Effizienz. Der Autor kommt damit zu einer zweiten These, wonach man die Akteure in die Lage versetzen muss, einen „einem Gerechtigkeitsurteil entsprechenden moralischen Standpunkt“ einzunehmen, wenn man ihre tatsächliche Gerechtigkeitspräferenzen erfahren will. Stephan Panther beschließt seinen interessanten Überblick mit einer theoretischen Reflexion zu den Hauptsätzen der Wohlfahrtsökonomik, die er – ungewöhnlich, aber nicht unzulässig – dahingehend interpretiert, dass zwar einerseits die Wohlfahrtsökonomik gegenüber der Verteilung blind ist, dass sie aber aus eben diesem Grunde auch prinzipiell mit jeder Verteilung vereinbar ist. Er ergänzt diese Überlegungen durch einige abschließende Hinweise auf die Unverzichtbarkeit des öffentlichen Diskurses und der demokratischen Willensbildung für die Herstellung einer als gerecht empfundenen gesellschaftlichen Ordnung, die der Markt alleine, entgegen anderslautenden, gegenwärtig wieder vehement vorgetragenen neoliberalen Glaubensbekenntnissen, nicht zu leisten vermag.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Stephan Panther
Stephan Panther

Inhaber der Professur für Internationale und institutionelle Ökonomik an der Universität Flensburg. Präsident (zusammen mit Prof. Gerd Grözinger) des Arbeitskreises Politische Ökonomie. Arbeitsschwerpunkte: Soziale und Kulturelle Einbettung der Ökonomie unter besonderer Berücksichtigung von Spanien und Lateinamerika, Vergleichende Institutionenforschung, Wirtschaft und Ethik, Angewandte Spieltheorie.

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