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Tuesday, June 18, 2019
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Gewerkschaften und Betriebsräte in Deutschland
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Gewerkschaften und Betriebsräte in Deutschland

33 Seiten · 4,97 EUR
(November 2008)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Knut Gerlach und Wolfgang Meyer (beide Hannover) untersuchen in ihrem Beitrag zunächst aus theoretischer Sicht die Gründe und Wirkungen eines Systems der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen auf gewerkschaftlicher und betrieblicher Ebene: Die liberale Sichtweise, derzufolge die Gewerkschaften Monopolanbieter von Arbeit sind – dies entspricht auch der Sichtweise Böhm-Bawerks –, kontrastieren sie mit der Perspektive der gewerkschaftlichen Gegenmacht. Diese sieht sich aber seit der Mitte des letzten Jahrhunderts einem zunehmenden Wettbewerbsdruck, in den USA noch stärker als in Deutschland, ausgesetzt. Sowohl für eine eher dezentral-betriebliche Ausrichtung von Lohnverhandlungen, wie sie die liberale Sichtweise nahelegt, wie auch für eine stärkere Zentralisierung, wie sie der korporatistische Ansatz verfolgt, gilt: Es lassen sich für beide „reine Formen“ gute Ergebnisse in puncto Lohnbegrenzung und hohem Beschäftigungsstand ermitteln, während Mischformen infolge zu geringen Wettbewerbsdrucks einerseits, unzureichender Kooperationsbereitschaft andererseits eher schlechter abschneiden.

Die Verfasser geben einen instruktiven Überblick über Lohnstruktur und die Versicherungsfunktion von Gewerkschaften sowie über neuere Beiträge zum Arbeitsmarktmonopson, der es erlaubt, die Schutzfunktion von Gewerkschaften und Tarifverhandlungen und damit mögliche ökonomische Effizienzverbesserungen genauer in den Blick zu nehmen. Sodann thematisieren sie die institutionelle Reaktion der Gewerkschaften als „Sprachrohr“ von Arbeitnehmerinteressen: Durch sie werden Informationen beider Seiten gebündelt und in den Verhandlungsprozess eingebracht. Inwieweit Tarifauseinandersetzungen das kooperative Klima zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden bzw. zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern negativ tangieren, ist schwierig zu entscheiden, da der empirische Befund höherer Arbeitsunzufriedenheit bei organisierten Beschäftigten auch mit der Selbstselektion von Gewerkschaftsmitgliedern zu tun haben könnte: Wer mit seinen Arbeitsbedingungen eher unzufrieden ist und ihre Verbesserung aktiv anstrebt, ist auch eher bereit, Mitgliedsbeiträge zu bezahlen. Andere Arbeitnehmer, für die das weniger wichtig ist, sind da eher geneigt, eine „Trittbrettfahrerposition“ einzunehmen. Interessant ist hier das Zusammenspiel von Gewerkschaften und Betriebsräten angesichts der Entwicklung einer Unternehmenskultur, die auch als Konkurrenz zur gewerkschaftlichen und gesetzlichen Interessensvertretung aufgefasst werden kann. Zur Prüfung der vielfältigen Fragen, die sich hier aus der Literatur ergeben, untersuchen die Verfasser zahlreiche empirischer Befunde, die großenteils die theoretischen Überlegungen bestätigen, etwa im Hinblick auf die von den Gewerkschaften angestrebte Komprimierung der Lohnstruktur. Inwieweit die Interessenvertretung durch Betriebsräte eher zu Produktivitätssteigerungen oder eher zu Umverteilungsaktivitäten führt, ist ebenfalls Gegenstand mehrerer Untersuchungen, die auf relativ stark rentenumlenkende Effekte von Betriebsräten hindeuten. Gerlach und Meyer untersuchen sodann die absehbaren Handlungsmöglichkeiten von Gewerkschaften und Betriebsräten, die sich in Zukunft konstruktiver mit den unternehmensbezogenen Praktiken des „Human Resources Management“ (HRM) werden auseinandersetzen müssen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Macht oder ökonomisches Gesetz?
Johannes Berger, Hans G. Nutzinger (Hg.):
Macht oder ökonomisches Gesetz?
the author
Prof. Dr. Knut Gerlach

Leibniz-Universität Hannover

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