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Montag, 15. Oktober 2018
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Grenzen wissenschaftlicher Politikberatung - Überlegungen zur zeitlichen Dimension am Beispiel der Strukturpolitik
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Grenzen wissenschaftlicher Politikberatung - Überlegungen zur zeitlichen Dimension am Beispiel der Strukturpolitik

19 Seiten · 3,47 EUR
(Oktober 2005)

 
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Aus der Einleitung:

Unabhängig von der jeweiligen Perspektive besteht in den meisten Überlegungen zur wissenschaftlichen Politikberatung der analytische Ausgangspunkt darin, dass Politik und Wissenschaft notwenig unterschiedlichen Logiken folgen. Egal ob in Anschluss an Luhmann (1977) von Systemen oder in Anschluss von Bourdieu (1998) von sozialen Feldern ausgegangen wird: unterschiedliche Systemlogiken sind zwangsläufig von unterschiedlichen Referenzkriterien strukturiert. Sie führen dazu, dass Interaktionen zwischen den Systemen immer Grenzüberschreitungen darstellen, die mit Brüchen und Friktionen verbunden sind.

Zugespitzt lassen sich diese Brüche und Spannungen folgendermaßen formulieren (vgl. Lehner 2004): Politik ist an Macht und Wiederwahl orientiert, inhaltliche Ziele sind dem gegenüber nachgeordnet. Damit unterliegt Politik starken Restriktionen, die eine sinnvolle wissenschaftliche Beratung oft einschränken. Wissenschaft dagegen bezieht sich auf Erkenntnisfortschritt. Sie bewegt sich in einem internationalen Legitimitätszusammenhang, inhaltliche Ziele beruhen auf vernünftiger wissenschaftlicher Begründung. Restriktionen stellen für die Wissenschaft eher Herausforderungen als Hemmnisse dar. Mit diesen unterschiedlichen Handlungslogiken sind grundlegend unterschiedliche Formen von Wissen verbunden. Das Wissen, wie etwas funktioniert (also das wissenschaftliche Wissen), und das Wissen, wie etwas gestaltet werden kann, (das für die politische Praxis relevante Wissen) sind zwei völlig verschiedene Sachen, sollten keinesfalls verwechselt werden.

In der Diskussion gerade auch zwischen Wissenschaftlern ist unklar, wie mit diesem Spannungsfeld umgegangen werden soll. Ein möglichst zurückhaltender Umgang mit Politikberatung und eine starke Ausrichtung auf Grundlagenforschung seitens der Wissenschaft wäre eine Lösung (vgl. das Vorwort in Benz u.a. 1992). Eine kontinuierliche Professionalisierung und Reflexion der Beratenden eine andere (vgl. Rehfeld 2004). Wahrscheinlich, so die in Diskussionen immer wieder zu hörende Konsequenz, hängt erfolgreiche Beratung aber dann doch wieder von Personen ab, die sich in beiden Feldern dauerhaft bewegen können, ein Verständnis für beide Logiken aufweisen.

Die folgenden Überlegungen wollen diese seit Jahren immer wieder und immer wieder sehr schnell allgemein diskutierte Problemstellung genauer betrachten. Für die notwendige Eingrenzung wird als Themenfeld die Strukturpolitik gewählt, da sich wirtschaftliche Strukturen nur sehr langfristig wandeln. Strukturpolitik und hiermit befasste Wissenschaft hätten also zumindest die Chance, ihre Zeithorizonte zu synchronisieren. Nach einem kurzen Blick auf die unterschiedlichen Zeithorizonte und deren Konsequenzen für die Interaktion von Wissenschaft und Politik (2.) werden dann die Veränderungen in der Beziehung zwischen wissenschaftlicher Forschung und strukturpolitischen Strategien in den vergangenen Jahren skizziert (3) und daran anschließend wesentliche Gründe für die jeweils spezifischen Zeitverläufe diskutiert (4). Abschließend wird die Frage gestellt, wie eine Synchronisation möglich ist, wobei es sich angesichts der genannten Ausgangslage immer nur um Annäherungen zu einem bestimmten Zeitpunkt und bezogen auf ein bestimmtes Thema handeln kann (5). Die These ist, dass es sich, sollen derartige Annäherungen nicht zufällig bleiben, eben nicht um den einzelnen Grenzgänger handeln kann, sondern dass die institutionellen Rahmenbedingungen zentral für erfolgreiche Kopplungen sind.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Glanz und Elend der Politikberatung
Uwe Jens, Hajo Romahn (Hg.):
Glanz und Elend der Politikberatung
Der Autor
PD Dr. Dieter Rehfeld

Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen, Institut Arbeit und Technik, Gelsenkirchen, Mitglied des Instituts für beratende Sozial- und Wirtschaftswissenschaften – Gerhard Weisser-Institut.

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