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Wednesday, April 24, 2019
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Hat Freiheit eine Zukunft?

Vom Autor durchgesehene und überarbeitete Übersetzung aus dem Amerikanischen von Heike Winter

186 Seiten ·  14,00 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-926570-20-2 (Juli 1990 )

 
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Einschneidende Veränderungen in Wirtschaft, Politik und Kultur eröffnen den westlichen Gesellschaften gegensätzliche Zukunftsperspektiven: Ein Mehr an Emanzipation, aber auch gesellschaftlicher Zerfall und Instabilität sind möglich. Hat Freiheit eine Zukunft untersucht, wie in dieser Situation Freiheit und Stabilität zugleich aufrechterhalten werden können: Öffentliche Planung muss einen neuen Rahmen gewährleisten, der die traditionellen Schranken, die früher den gesellschaftlichen Zusammenhalt sicherten, ersetzt und so eine stabile Zukunft egalitärer Freiheit ermöglicht.

Die Geburtswehen einer Ära - Emanzipation in historischer Perspektive - Das gegenwärtige Stadium der Emanzipation - Freiheit und Ordnung: Einige historische Modelle - Ein lebensfähiges Morgen - Das Gespenst technologischer Arbeitslosigkeit: Die neue Technologie - Stabilisierendes im Gegensatz zu tatsächlichem Verhalten im privaten Bereich - Verhalten im öffentlichen Bereich: Kontrolle der Kontrollierenden - Auf dem Weg zu einer Gemeinschaftsethik - Die Chancen der Freiheit.

"Der philosophische Ökonom"

Worauf es ihm ankommt, ist der Ausgleich zwischen Freiheit und Ordnung. Er meint, genau wie im gesellschaftlichen Bereich seien etablierte Sitten auch im Ökonomischen Vorbedingung für die Stabilität des Ganzen, von der alles abhängt. Darum macht ihm die allgemeine Desintegration Sorge, die seiner Meinung nach in unserer Zivilisation durch Hedonismus und Nihilismus hervorgerufen wird. Die größte Bedrohung sei heute "die Selbstvernichtung der Gesellschaft".

In einem Interview, das mein damaliger Kollege Matthias Greffrath und ich im Mai 1988 mit dem 95jährigen führten - der gerade sein wohl bestes Buch geschrieben hatte -, stellte er selbst dar, was er für das Zentralproblem hält: "die Versöhnung individueller Freiheit mit gesellschaftlicher Stabilität, oder, ökonomisch gesprochen, eine harmonische Verbindung von Markt und Plan". Jenes Buch Hat Freiheit eine Zukunft? geht von der Frage aus, wie die demokratischen Freiheiten heute überleben können angesichts der wirtschaftlichen, politischen und technologischen Anfechtungen.

Ich wußte aus früheren Unterhaltungen, daß Lowe dem reinen Laisser-faire gegenüber immer sehr skeptisch gewesen ist. Zwar befriedigte ihn, daß das 19. Jahrhundert die persönlichen Kontrollen des Absolutismus durch Monarchen, Priester und Zunftmeister abgeschafft hat, aber, so glaubt er, das Ganze funktioniert nur deshalb weiter, weil die überpersönlichen Schranken der vorliberalen Tradition Stabilität gewährleisten. 'Diese überpersönlichen Schranken erzwangen eine Gleichschaltung der Verhaltensmuster im öffentlichen Leben. Das war die Basis der sozialen Stabilität des 19. Jahrhunderts' ...

Wie recht er mit seiner Bewunderung für diese, wie er sagte, 'spontane Konformität' der Engländer hat und wie berechtigt seine Sorge hinsichtlich einer Selbstvernichtung der Gesellschaft in Deutschland ist, das merkt heute jeder - er hat es nur sehr viel früher gespürt. Lowe sagt: 'Überleben ist nur möglich in einer stabilen Gesellschaft. Und eine stabile Gesellschaft in Freiheit ist nur möglich, wenn eine gewisse Konformität das individuelle Verhalten sichert.' Wer könnte bezweifeln, daß er recht hat."

Marion Gräfin Dönhoff in
DIE ZEIT am 26. Februar 1993

Die Zeit, 26.2.1993 ()

Worauf es ihm ankommt, ist der Ausgleich zwischen Freiheit und Ordnung. Er meint, genau wie im gesellschaftlichen Bereich seien etablierte Sitten auch im Ökonomischen Vorbedingung für die Stabilität des Ganzen, von der alles abhängt. Darum macht ihm die allgemeine Desintegration Sorge, die seiner Meinung nach in unserer Zivilisation durch Hedonismus und Nihilismus hervorgerufen wird. Die größte Bedrohung sei heute "die Selbstvernichtung der Gesellschaft".

In einem Interview, das mein damaliger Kollege Matthias Greffrath und ich im Mai 1988 mit dem 95jährigen führten - der gerade sein wohl bestes Buch geschrieben hatte -, stellte er selbst dar, was er für das Zentralproblem hält: "die Versöhnung individueller Freiheit mit gesellschaftlicher Stabilität, oder, ökonomisch gesprochen, eine harmonische Verbindung von Markt und Plan". Jenes Buch Hat Freiheit eine Zukunft? geht von der Frage aus, wie die demokratischen Freiheiten heute überleben können angesichts der wirtschaftlichen, politischen und technologischen Anfechtungen.

Ich wußte aus früheren Unterhaltungen, daß Lowe dem reinen Laisser-faire gegenüber immer sehr skeptisch gewesen ist. Zwar befriedigte ihn, daß das 19. Jahrhundert die persönlichen Kontrollen des Absolutismus durch Monarchen, Priester und Zunftmeister abgeschafft hat, aber, so glaubt er, das Ganze funktioniert nur deshalb weiter, weil die überpersönlichen Schranken der vorliberalen Tradition Stabilität gewährleisten. 'Diese überpersönlichen Schranken erzwangen eine Gleichschaltung der Verhaltensmuster im öffentlichen Leben. Das war die Basis der sozialen Stabilität des 19. Jahrhunderts' ...

Wie recht er mit seiner Bewunderung für diese, wie er sagte, 'spontane Konformität' der Engländer hat und wie berechtigt seine Sorge hinsichtlich einer Selbstvernichtung der Gesellschaft in Deutschland ist, das merkt heute jeder - er hat es nur sehr viel früher gespürt. Lowe sagt: 'Überleben ist nur möglich in einer stabilen Gesellschaft. Und eine stabile Gesellschaft in Freiheit ist nur möglich, wenn eine gewisse Konformität das individuelle Verhalten sichert.' Wer könnte bezweifeln, daß er recht hat."



Die Zeit, 3.2.1989 (besprochen wird das englische Original) ()

"Es ist eine seltene Auszeichnung, ein Buch rezensieren zu dürfen, das mit Fug und Recht als das Ergebnis eines über 75jährigen Nachdenkens betrachtet werden kann. Denn kurz vor dem Ausbruch des Ersten Welkrieges hat Adolph Lowe eine Schrift über Arbeitslosigkeit und Kriminalität veröffentlicht, und es ging schon damals um den Zusammenhang von ökonomischer Notwendigkeit und gesellschaftlichen Lebensbedingungen. Heute stellt er die Frage, ob die Freiheit eine Zukunft haben könnte, wenn doch gesellschaftliche und ökonomische Bindungen Voraussetzung der wirtschaftlichen Entwicklung bleiben. Sich die drängendsten Gegenwartsprobleme ganz zu eigen zu machen, bennt er die zu ihrer Lösung erforderlichen großen institutionellen Änderungen, unerschrocken staatliche Reformen fordernd, obwohl Deregulierung zum Schlagwort geworden ist. ...

Man könnte vielleicht erwarten, daß Adolph Lowe am Abend eines so langen und von rastlosem wirtschaftspolitischen Wirken und Forschen erfüllten Lebens den Ruf zur Umkehr mit dem Zorn des alttestamentarischen Propheten verkündet, aber das Buch ist mit der größten Bescheidenheit und Selbstzurückhaltung geschrieben, dabei kenntisreich, aktuell und gegenwartsbezogen. Nur eines hält der Autor bei aller Skepsis unbeirrt fest: den Glauben an die Emanzipation. ...

Zum einen lehrt Lowes Buch eine Haltung: wie unbeirrbar am Reformwillen festgehalten werden kann, auch wenn Begründungen, Voraussetzungen, Anlässe, Ziele der Beschäftigungspolitik wechseln müssen. So begnüft sich Lowe eben nicht mit der allgemeinen Reflexion, sondern sucht, ebenso für die wirtschaftlichen Inhalte wie für die Rahmenbedingungen und die philosophischen Orientierung, aktuelle Umsetzungen. Aber dies geschieht vor dem Hintergrund einer wirtschafts- und gesellschaftstheoretischen Reflexion, deren lange erarbeiteter Kern hier meisterlich herausgeschält ist und dem Werk über die Tagesanlässe hinaus Dauer verspricht."




the author
Prof. Dr. Adolph Lowe
Adolph Lowe Ab 1926 Forschungsdirekter am Kieler Institut für Weltwirtschaft. 1931 wechselte er an die Universität Frankfurt, wo er 1933 von der nationalsozialistischen Reichsregierung enthoben wurde. Zwischen 1933 und 1940 war Lowe Honorarprofessor für Wirtschaftswissenschaft und Politische Philosophie an der Universität Manchester, von 1941 bis zu seiner Emeritierung 1963 war er Forschungsdirektor des Institute of World Affairs an der New York School for Social Research.
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • Die Zeit, 26.2.1993 mehr...
  • "deren lange erarbeiteter Kern hier meisterlich herausgeschält ist und dem Werk über die Tagesanlässe hinaus Dauer verspricht."
    Die Zeit, 3.2.1989 (besprochen wird das englische Original) mehr...
  • Social research, 57 3/1900, S. 733-753
  • Frankfurter Rundschau 7.6.1995
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.6.1995
  • Weg in die Wirtschaft, 506/1997
  • Wirtschaft und Gesellschaft, 2/1991, S. 265-266
  • Archiv für Sozialgeschichte, 31/1991, S. 587-598 (Sammelbesprechung)
  • Sozialer Fortschritt, 4/1991, S. 101-102
  • WDR 3, Am Abend vorgstellt, 25.6.1992, 22.30-23.00
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