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Monday, August 26, 2019
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Historische Methode und Kritik der Politischen Ökonomie – was hat das mit John Stuart Mill zu tun?
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Historische Methode und Kritik der Politischen Ökonomie – was hat das mit John Stuart Mill zu tun?

24 Seiten · 4,65 EUR
(März 2019)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Der Straßburger Ökonom und Theoriehistoriker Philippe Gillig befasst sich detailliert mit der schwierigen und oft zwiespältigen Rezeption von John Stuart Mill durch verschiedene Vertreter der deutschen Historischen Schule, vor allem durch den ansonsten wenig bekannten, vorzüglich mit Fragen der japanischen Wirtschaft befassten Nationalökonomen Hermann Roesler (1834-1894). Gängige Vorwürfe gegen Mill waren die behauptete Vernachlässigung der Geschichte zugunsten der Entwicklung abstrakter Gesetze auf der einen und die Befürwortung eines ökonomischen Laissez-faire auf der anderen Seite, oftmals nicht gestützt auf eine eingehende Auseinandersetzung mit dem britischen Gelehrten, sondern auf einige wenige ausgewählte Zitate und Textstellen. Mitunter tritt auch im Zeitablauf eine immer ungünstigere Beurteilung von Mill auf, so bei Wilhelm Roscher (1817-1894) und Gustav (von) Schmoller (1838-1917), deren Gründe oft nicht leicht ersichtlich sind und auch bei Gillig nicht vollständig geklärt werden können. Allerdings bringt er unter anderem plausible Argumente für eine in diesem Kontext wichtige Rolle des ersten deutschen Mill-Übersetzers Adolf Soetbeer in die heutige Diskussion, die tatsächlich weiter untersucht werden sollten. Zugleich machen sie – wie das Editionsprojekt insgesamt – auf die Bedeutung von Übersetzungen für die Rezeption von Gelehrten über den konkreten Fall Mill hinaus aufmerksam. Aber gerade hier werden Oberflächlichkeiten, Einseitigkeiten und sogar grobe Fehler der Darstellung erkennbar, die nicht für eine wirklich ernsthafte Auseinandersetzung der meisten deutschsprachigen Ökonomen mit Mill sprechen, den man eben oft allzu gerne als Vertreter eines unbeschränkten und universellen Laissez-faire verzerrt und verkürzt darstellte. Dass Mill gerade in der Frage des Privateigentums und der wirtschaftlichen Organisationsformen sehr differenzierte und keineswegs dogmatische Auffassungen vertrat, kam damals höchst selten zur Sprache.

Ein besonders erklärter Feind des britischen Sozialwissenschaftlers war, wie schon erwähnt, der zwar zu seiner Zeit gelegentlich als „bedeutender Theoretiker“ geschätzte Hermann Roesler, der aber abgesehen von seinen „systematischen Angriffen“ auf Mill in der Folgezeit wenig bleibende direkte Spuren hinterlassen hat und in den letzten Jahrzehnten sogar weitgehend in Vergessenheit geraten war. Seine unablässige Kritik an Mill als angeblichen Vertreter eines liberalistischen „Smithianismus“ begünstigte aber sicher eine oberflächliche und bruchstückhafte Rezeption im deutschen Sprachraum, in dem auch die Lektüre fremdsprachlicher Texte ohnehin nicht selbstverständlich war. Mill war, wie Gillig gegen Roesler zeigt, nicht der Vertreter eines universalen Anspruchs der Ökonomie, und zwar sowohl auf der erkenntnistheoretischen als auf der politischen Ebene. Die wissenschaftliche und politische Kommunikation von Mills zentralen Ideen und Argumenten erscheint auch aus diesem Grunde hundertfünfzig Jahre später noch nicht abgeschlossen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
John Stuart Mill heute
Hans G. Nutzinger, Hans Diefenbacher (Hg.):
John Stuart Mill heute
the author
Philippe Gillig

geb. 1981, Ökonom und Philosoph, Assistenzprofessor an der Fakultät der sozialen Wissenschaften, Universität Strassbourg; Forscher am Bureau d’economie theorique et appliquée, CNRS Master in Philosophie und Masters in Volkswirtschaft an der Universität Paris 1, PhD in Volkswirtschaft an der Universität Strassburg (2014).