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Institution und Handeln
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Institution und Handeln

Probleme und Perspektiven der Institutionentheorie in Soziologie und Ökonomie

36 Seiten · 6,14 EUR
(25. August 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Das wechselseitige Verhältnis zwischen Ökonomie und Soziologie ist schon seit längerem von Ambivalenzen und Missstimmungen geprägt. Trotz der gemeinsamen Herkunft aus den Gesellschaftslehren des 17. und 18. Jahrhunderts zeichnet sich der gegenwärtige Diskussionsstand nicht zwangsläufig durch die Hoffnung aus, Soziologen und Ökonomen könnten durch die Übernahme forschungsleitender Gesichtspunkte der jeweiligen Nachbardisziplin lernen. Indessen ist hinlänglich bekannt, dass beide Disziplinen ihre Existenz einer gemeinsamen Problemstellung verdanken, die eine Verständigung und differenzierte Betrachtung des wechselseitigen Verhältnisses durchaus lohnend erscheinen lässt. Diese gemeinsame Problemstellung resultiert aus der von beiden Disziplinen geteilten Prämisse, wonach das „Ärgernis der Gesellschaft“ (Dahrendorf) dadurch entsteht, dass dort, wo formal freie Akteure aufeinander stoßen, Interdependenzen und Abstimmungsprobleme entstehen. Da beide Forschungstraditionen Handeln als intentionales Wahlhandeln deuten und nicht davon ausgehen, dass Akteure bei ihrer Zielverfolgung die Interessen ihrer Mitakteure berücksichtigen, ergibt sich die Frage, wie es ihnen gelingt, ihr Handeln in derart strategischen Handlungssituationen, in denen der Erfolg des eigenen Handelns von den Entscheidungen der Mitakteure abhängt, so zu gestalten, dass stabilisierbare und zustimmungsfähige soziale Beziehungen entstehen.

Obgleich Ökonomen und Soziologen – wie noch zu zeigen sein wird – dieses gemeinsame Problem der „Handlungskoordination“ bzw. der „sozialen Ordnung“ von divergierenden Voraussetzungen ausgehend behandeln, so sind sie sich doch darüber einig, dass weder biogenetische Programme noch metaphysische Kräfte noch eine natürliche Identität der Interessen dafür Sorge tragen, dass Akteure ihr Handeln reibungsfrei aufeinander beziehen; vielmehr teilen beide die Überzeugung, dass die Handlungsabstimmung von der Geltung sozialer Regeln, d.h. von der wechselwirksamen Zuerkennung von Rechten und Verpflichtungen, abhängt, die angesichts des unterstellten Voluntarismus der Akteure nicht ohne Aufwendung entstehen, sondern nur unter höchst variablen und schwankenden Bedingungen erfolgreich institutionalisiert werden können. Folgerichtig beginnt sich verstärkt die gemeinsame Auffassung zu verbreiten, dass die Erklärung sozialer Institutionen zu den Kernaufgaben der Sozialwissenschaften gehört und es für alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen von Interesse sein muss, die Bedingungen und Prozesse zu untersuchen, durch die Regelungs- und Abstimmungsmechanismen entstehen, stabilisiert und verändert werden.

Oder anders: Es gehört zu den gemeinsamen Aufgaben des soziologischen wie des ökonomischen Forschungsprogramms zu erklären, wie formal freie und eigenwillige Akteure Institutionen etablieren, mit deren Hilfe sie ihren Handlungsbereich zugleich einschränken und erweitern, und infolge welcher Vorkehrungen die damit entstandenen Abstimmungsmechanismen reproduziert bzw. für den Fall verändert werden können, dass sich unhaltbare Externalitäten einstellen oder externe Umweltveränderungen auf eine adaptive Regeländerung drängen. Dabei braucht weder unterstellt zu werden, dass derartige Adaptionsversuche in allen Fällen gelingen, noch muss ausgeschlossen werden, dass die Akteure trotz ihres Eigennutzes „... gleichsam im Dunkeln auf Einrichtungen stoßen, die zwar Ergebnis menschlichen Handelns sind, nicht jedoch die Durchführung irgend eines menschlichen Plans“ (Ferguson). Entsprechend gehört die Frage, ob sich die Durchsetzung interdependenzregelnder Institutionen den Absichten der Akteure verdankt oder ob sie Resultat spontaner Evolution sind, in deren Verlauf sich Regeln auch gegen den erklärten Willen und gegen die handlungsleitenden Absichten der Akteure durchsetzen, nach wie vor zu den Erklärungsproblemen beider Disziplinen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Ökonomischer und soziologischer Institutionalismus
Michael Schmid, Andrea Maurer (Hg.):
Ökonomischer und soziologischer Institutionalismus
the authors
Prof. Dr. Andrea Maurer
Andrea Maurer

Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftssoziologie an der Universität Trier.

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Prof. Dr. Michael Schmid

Professor für Soziologie an der Fakultät für Pädagogik der Universität der Bundeswehr München. Forschungsschwerpunkte: Soziologische Theorie, Wissenschaftstheorie der Sozialwissenschaften.

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