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Sonntag, 21. Oktober 2018
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Irrtum und Wahrheit über die Reallohnentwicklung seit 1990

Gegen den Mythos einer jahrzehntelangen Reallohnstagnation

106 Seiten ·  14,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1309-1 (Januar 2018 )

 
 

Wissenschaftliche Publikationen, die Bundesregierung und die Medien verbreiten seit einigen Jahren, die Reallöhne der Arbeitnehmer heute seien nicht höher als vor 20 oder 25 Jahren. Die unteren 40% der realen Stundenlöhne seien sogar deutlich gesunken, während die oberen leicht zugenommen hätten. Diese Feststellungen - z.B. von Marcel Fratzscher (Präsident des DIW), einer DIW-Studie von Karl Brenke und Alexander Kritikos, einer Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation oder von Sahra Wagenknecht - blieben bisher unwidersprochen. Sie wären, falls sie stimmten, ein schlimmes Zeugnis für die Lohnergebnisse der Gewerkschaften.

Diese Aussagen sind jedoch falsch. Sie beruhen vor allem auf gravierenden statistisch-methodischen Fehlern bei der Bildung von Zeitreihen und auf Fehlinterpretationen von Daten. Dem wird in diesem Buch akribisch nachgegangen. So wird z.B. aufgezeigt, dass die Zeitreihen durch die rasant gestiegene Zahl der Teilzeitbeschäftigten der letzten Jahrzehnte massiv verzerrt sind, da deren niedrigere Verdienste den gesamtwirtschaftlichen Durchschnittslohn nach unten drücken, selbst wenn die Löhne aller Beschäftigten erhöht werden.

Der Verfasser hat ein Verfahren entwickelt und begutachten lassen, mit dem dieser negative Teilzeiteffekt ausgeschaltet werden kann. Danach ergibt sich eine deutliche Steigerung der Realverdienste und auch die Aussage, die unteren Löhne seien sogar gesunken, offenbart sich als Mythos. Statt dessen zeigt sich, dass es den Gewerkschaften auch in den letzten Jahrzehnten, die wegen der hohen Arbeitslosigkeit lohnpolitisch schwierige Zeiten waren, gelungen ist, für die Arbeitnehmer in Hinblick auf das mäßige Wirtschaftswachstum beachtliche Lohnerfolge zu erzielen.

Die Welt, 5.5.2018, S. 17 ()

"Doch wie konnte das Zerrbild vom großen Lohnverfall entstehen? Der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär Hartmut Görgens spricht in seinem Buch von einem Mythos, der aus einer falschen Interpretation statistischer Daten entstanden sei. Der Ökonom, der jahrzehntelang beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im Bundesvorstand das Referat "Wachstum-, Konjunktur- und Beschäftigungspolitik" geleitet hat, weist auf ein großes Missverständnis hin. So argumentiert DIW-Chef Fratzscher in seinem Buch "Verteilungskampf" mit dem Realohnindex des Statistischen Bundesamtes, der in der Tat in den Jahren nach 1995 zurückging und sich erst nach der Finanzkrise 2009 erholte und 2014 dann wieder das Niveau von Anfang der neunziger Jahre erreicht hat. Allerdings spiegelt dieser Reallohnindex keineswegs die Entwicklung der Bruttostundenlöhne wider, sondern - bis zu einer Änderung des Verfahren durch das Statistische Bundesamt 2007 - die Entwicklung der Verdienste pro Kopf und zwar unabhängig davon, ob jemand vollzeit- oder teilzeitbeschäftigt war.

Was sich technisch anhört, hat gravierende Folgen. Denn seit den neunziger Jahren erlebt Teilzeit in Deutschland einne Boom. Nach Angaben des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stieg die Zahl der in Teilzeit Beschäftigten zwischen 1991 und 2015 von 17,9 Prozent auf 38,8 Prozent. Die Zahl der Vollbeschäftigten ist im Gegenzug von rund 25,9 Millionen auf 24 Millionen gesunken. "Das wachsende Heer der Teilzeitbeschäftigten hat den Durchschnitt der Verdienste nach unten gedrückt", stellt Görgens klar. Kein Wunder, denn die Teilzeitbeschäftigten kommen wegen der kürzeren Arbeitszeit und der oft niedrigeren Stundenlöhne gerade einmal auf ein Drittel des Bruttomonatseinkommens einer Vollzeitkraft. Die untersten 40 Prozent der Lohnempfänger sind heutzutage somit stark mit Teilzeitkräften und Minijobbern besetzt. Nur wer diese stark veränderte Arbeitnehmerstruktur außer Acht lässt, kann zu dem Schluss kommen, dass ein großer Teil der Beschäftigten über viele Jahre hinweg schrumpfende Stundenlöhne hinnehmen musste." ...



Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.4.2018, S. 18 ()

"Görgens kommt nach eigenen Berechnungen zu dem Ergebnis, dass die Reallöhne seit 1990 um rund 23 Prozent gestiegen sind. Die Anhänger der These von der Reallohnstagnation stützten sich auf Zeitreihen, die unter anderem wegen der stark gestiegenen Teilzeitbeschäftigung verzerrt seien und daher einen falschen Eindruck gäben."

"Ungleichheit in Deutschland geht bei Stundenlöhnen seit 2014 zurück, stagniert aber bei Monats- und Jahreslöhnen"

Auch diese Behauptung des DIW-Wochenberichts 9/2018 verrät mehr über die statistischen Fehlleistungen des DIW als über die Lohnentwicklung in Deutschland. Hier eine Stellungnahme von Hartmut Görgens, 4.6.2018.

Der Autor
Dr. Hartmut Görgens
Hartmut Görgens

geb. 1939 in Düsseldorf und seitdem dort lebend, studierte von 1959 bis 1963 Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln. Danach war er wissenschaftlicher Referent für öffentliche Finanzwirtschaft im Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, Essen, und promovierte an der Universität Köln. 1968 sprang er als Fachassistent der SPD-Bundestagsfraktion für die damalige Finanzreform ein. Seit Ende der Legislaturperiode 1969 bis 1998 war er Leiter der Sachgebiete Konjunktur- und Beschäftigungspolitik, Außenwirtschaftspolitik, Einkommensentwicklung beim DGB-Bundesvorstand.

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dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Zerrbild vom großen Lohnverfall" ...
    Die Welt, 5.5.2018, S. 17 mehr...
  • "falscher Eindruck" ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.4.2018, S. 18 mehr...
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