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Ist die Wachstumsfrage noch (oder wieder) aktuell?1
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Ist die Wachstumsfrage noch (oder wieder) aktuell?1

9 Seiten · 2,34 EUR
(Oktober 2009)

 
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Fazt:

Gerade wenn man sich diese Zusammenhänge nüchtern vor Augen führt, erscheint die Notwendigkeit von umweltverträglicheren Lebensstilen inklusive eines deutlich reduzierten Niveaus an materiellem Konsum durchaus gegeben. Ein solcher Lebensstilwandel, der dem Sein wieder mehr Recht einräumt als dem Haben und der das allzumenschliche „Haben-Wollen“ soweit wie möglich dematerialisiert, wird sich politisch nicht dekretieren lassen, sondern kann nur im Rahmen eines Kulturwandels gelingen. Dennoch kann Politik einen Beitrag zu diesem Kulturwandel leisten. Bildung, die entsprechende Werte vermittelt, steuerliche Rahmenbedingungen, die ökologisches Verhalten belohnen, eine neue, auch finanzielle Wertschätzung von allen Formen der Eigenarbeit, der Familienarbeit, der Nachbarschaftshilfe, des bürgerschaftlichen Engagements. Wenn wir darauf angewiesen wären, gesellschaftliche Teilhabe nur über Vollbeschäftigung und diese wiederum nur über Wirtschaftswachstum zu erreichen, bräuchten wir derartig gewaltige Wachstumsraten, dass Nachhaltigkeit als Ziel in unerreichbare Ferne rückte. Wachstumsdruck von Gesellschaft und Wirtschaft zu nehmen wird in Zukunft eine politische Herausforderung erster Ordnung. Einen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung kann auch die realistische Bilanzierung unseres Wohlstandes leisten und die Abkehr von der einseitigen Fixierung auf das Bruttoinlandsprodukt. Unser Glück und unsere Zufriedenheit werden bekanntermaßen durch materielle und immaterielle Faktoren gleichermaßen beeinflusst. Letztlich hängt eben doch nicht alles am Gelde, sondern „nur“ manches. Die Gesundheit, die Beziehung, die Freundschaft, die Anerkennung, die Lebensqualität, all das trägt auch zu unserem Wohlbefinden bei. Das Statistische Bundesamt sollte sich einmal systematisch Gedanken machen, wie es neben dem Ökonomischen auch das Soziale und das Ökologische bilanzieren könnte, um unseren Wohlstand realistisch abzubilden. Vielleicht käme dann zum Vorschein, dass „immer mehr“ schon längst nicht mehr „immer besser“ bedeutet. Es mag sein, dass die moderne Ökonomie, wie Binswanger wohl zu Recht mutmaßt, in eine Krise gerät, wenn beim Wirtschaftswachstum ein kritisches Minimum unterschritten wird. Es ist aber sicher, dass das Ökosystem Erde in eine schwere, für uns wahrscheinlich existenzielle Krise gerät, wenn wir systematisch über unsere Verhältnisse leben. Es muss einen dritten Weg geben, der beides vermeidet. Den zu suchen, ist aller Mühen wert. Sonst bliebe uns nur der Fatalismus.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Neue Konzepte der Ökonomik – Unternehmen zwischen Nachhaltigkeit, Kultur und Ethik
Irene Antoni-Komar, Marina Beermann, Christian Lautermann, Joachim Müller, Niko Paech, Hedda Schattke, Uwe Schneidewind, Reinhard Schulz (Hg.):
Neue Konzepte der Ökonomik – Unternehmen zwischen Nachhaltigkeit, Kultur und Ethik
the author
Prof. Dr. Reinhard Loske
Reinhard Loske

seit April 2019 Präsident der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues und Professor für Nachhaltigkeit und Gesellschaftsgestaltung am dortigen Institut für Ökonomie; 2013-2019 Universitätsprofessor für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik an der Universität Witten/Herdecke, überdies seit Februar 2014 Senior Associate Fellow der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Berlin ; 2007-2011 Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa der Freien Hansestadt Bremen.

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