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Kann man Banken vertrauen? Moral als Problem Kapitalismus im Finanzrausch II
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Kann man Banken vertrauen? Moral als Problem Kapitalismus im Finanzrausch II

18 Seiten · 3,75 EUR
(21. März 2013)

 
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Aus der Einleitung:

Wir neigen dazu, die Finanzkrise als Vertrauenskrise zu beschreiben. Die Anleger haben ihr Vertrauen in die Seriosität der Banken verloren. Deren Geschäftskultur habe sich als nicht balanciert und nicht entwickelt erwiesen, und sie war nicht in der Lage, den Kunden die Beratung zukommen zu lassen, die Risiken sorgsam behandelte. Der inzwischen zurückgetretene Bundespräsident Köhler, selber ein ehemaliger Banker, rief die Branche zu mehr Demut und Anstand auf.

Demut und Anstand sind eher moralische Begriffe. Oft werden auch Gier und Hybris als Ursachen der Finanzkrise ausgemacht. Damit wird unterstellt, dass es eigentlich ein Maß gäbe, das, wenn eingehalten, die Krise nicht hätte entfalten lassen. Die moralische Kritik orientiert sich an Tugenden. Ist der Kapitalismus kulturell auf Tugendkataloge gegründet? Ist die Finanzkrise eine moralische oder Tugendkrise? Es scheint so, als ob der Anreiz, schnell hohe Profite zu machen, die Haltung zu einer angemessenen (und risikokompetenten) Geschäftskultur unterhöhlt hat. Das sind immer wieder vorkommende Gefährdungen in kapitalistischen Systemen, die gewöhnlich durch Wettbewerb balanciert werden. Wenn sich aber alle unilateral in eine Richtung bewegen, fallen die Hebel der Konkurrenz aus; es entsteht ein gemeinsam geteiltes mentales Modell einer Welt des Gewinnwachstums, das nicht auszunutzen gleichsam als fahrlässig angesehen wird. Es ist ein Kommunikationsrauschen, in dem nur rosa Farben gesehen werden, begleitet von einem Glauben, dass der Strom schon nicht ausfallen wird. Dass die in den Geschäften versteckten Risiken aber die Energie fressen würden, bleibt im Rauschen unentdeckt: ein Geheimnis, das niemand hören will, obwohl es genügend kluge und warnende Analysen vieler Ökonomen gab, und obwohl eine gewisse Kenntnis der Geschichte der Ökonomie, insbesondere ihrer Finanzkrisen, eine andere Sensibilität hätte entwickeln lassen können. Macht sich hier der Mangel der Ausbildung moderner Ökonomen bemerkbar, die geschichtliche Erinnerung nicht kennen? Vielfach waren die Anleger selber extrem risikofreudig, aber nicht, weil sie unmoralisch oder tugendlos handelten, sondern weil sie die Profitversprechen der Anlageberater vor dem Hintergrund akzeptierten, die Bank sei so groß, also sicher.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Zu wenig Kapitalismus?
Birger P. Priddat (Hg.):
Zu wenig Kapitalismus?
the author
Prof. Dr. Birger P. Priddat
Birger P. Priddat

geb. 1950, Seniorprofessur für Wirtschaft und Philosophie, Wirtschaftsfakultät, Universität Witten/Herdecke; arbeitet an Themen zwischen Philosophie und Wirtschaft, vor allem auch an der Theoriegeschichte der Ökonomie.

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