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Kapitalismus als intelligente Transformation
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Kapitalismus als intelligente Transformation

10 Seiten · 2,75 EUR
(21. März 2013)

 
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Aus der Einleitung:

Wir neigen dazu, die Finanzkrise als Vertrauenskrise zu beschreiben. Die Anleger haben ihr Vertrauen in die Seriosität der Banken verloren. Deren Geschäftskultur habe sich als nicht balanciert und nicht entwickelt erwiesen, und sie war nicht in der Lage, den Kunden die Beratung zukommen zu lassen, die Risiken sorgsam behandelte. Der (ehemalige) deutsche Bundespräsident, selber ein ehemaliger Banker, ruft die Branche zu mehr Demut und Anstand auf.

Vor fünf Jahren war die Zukunft des Kapitalismus gewisser als heute. Fukuyamas "Ende der Geschichte" war bereits wieder beendet worden und es schien ein Zeitalter des new golden age bevorzustehen, wie man den Prozess der Globalisierung zumindest in den USA verstand. Das new golden age war mit eben jenen Wachstumseuphorien verbunden, die den Immobilienmarkt in den USA anschwellen ließen (nach dem ersten Anlauf der new markets um 2000). Denn, wenn das Wachstum so wuchs, und wenn die Zentralbank FED die Zinsen weiter so niedrig ließe, könnten niedrige Einkommensschichten Hauseigentum über Verschuldung finanzieren, um aus dem späteren Verkauf noch Profit zu schlagen.

Während die new markets um 2000 ein Avantgardephänomen waren, schien nun der Kapitalismus raumgreifend die ganze Gesellschaft neu zu motivieren. Wir hatten es mit einem groß angelegten Sozialprogramm zu tun, das, im Kontrast zu Europa, nicht über einen redistributiven Wohlfahrtsstaat laufen sollte, sondern als Erfüllung des klassischen Adam Smith-Programms der Wohlfahrtsmitgewinne der unteren Einkommensschichten am Wachstum des Kapitalismus. Dass das Programm scheiterte, gehört wiederum zur Normalität des Kapitalismus, dessen zyklische Verlaufsgestalt erneut unterschätzt wurde. Aber nur, weil die Risiken unterschätzt wurden, konnte sich die Wachstumseuphorie entwickeln, diesmal unterstützt durch eine Finanzintelligenz, die sich anheischig machte, mit komplexen Differentialgleichungen ein neues System der cheques & balances in den Kapitalmärkten entwickelt zu haben, das die Zyklizität zu eleminieren schien. Nun hat inzwischen die Non-Linearität ihre reale Komplexität durchgesetzt und die Autoren der Differentialgleichungssysteme entschuldigen sich damit, dass überraschende Variablen nicht hätten eingerechnet werden können. Soweit zur Normalisierung der Verhältnisse, die natürlich mit erheblichem Wertverlust einhergehen. Wer die Geschichte des Kapitalismus kennt, ist wahrlich nicht überrascht, sondern nur darüber, dass viele sich überrascht zeigten. Womöglich sollte man künftig den potential surprise, wie Shackle das nannte, als Variable einrechnen, und, nebenbei, daran erinnern, dass hohe Gewinnerwartungen mit hohen Risiken einhergehen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Zu wenig Kapitalismus?
Birger P. Priddat (Hg.):
Zu wenig Kapitalismus?
the author
Prof. Dr. Birger P. Priddat
Birger P. Priddat

geb. 1950, Seniorprofessur für Wirtschaft und Philosophie, Wirtschaftsfakultät, Universität Witten/Herdecke; arbeitet an Themen zwischen Philosophie und Wirtschaft, vor allem auch an der Theoriegeschichte der Ökonomie.

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