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Kultur als Wissenschaft?
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Kultur als Wissenschaft?

Eine kulturphilosophische Kritik

29 Seiten · 4,15 EUR
(15. August 2006)

 
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Aus der Einleitung:

Statt für kulturwissenschaftliche Forschung oder die bessere Konturierung eines entsprechenden Paradigmas in der Ökonomie argumentiere ich für ein Verständnis von Kultur als vorwissenschaftlichem Reservoir aber nicht als Bestandteil ökonomischer Forschung. In philosophischer Perspektive wird damit die These einer unaufhebbaren Spannung von Kultur und Wissenschaft vertreten und das Aufkommen der Kulturphilosophie am Beginn des 20. Jahrhunderts (Cassirer, Simmel u.a.) in Analogie zur kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung am Beginn des 21. Jahrhunderts diskutiert. So wie vor hundert Jahren die Kritik der traditionellen Metaphysik den Anstoß für das Aufkommen von Kulturphilosophie bildete, scheint heute die Kritik am Konzept des „homo oeconomicus“ Beweggründe für eine kulturwissenschaftliche Erneuerung der Ökonomie zu liefern.

In einer sowohl Helmuth Plessners Anthropologie wie auch Hans Blumenbergs Metaphorologie verpflichteten Traditionslinie wird dagegen die Doppelstruktur eines Kulturbegriffs hervorgehoben, der die indirekten, kontingenten und unverfügbaren Gegebenheitsweisen (systemtheoretisch formuliert: die Umweltkomplexität) der wissenschaftlich untersuchten Gegenstände betont und damit als „Handlungsnebenfolge“ (R. Konersmann) wissenschaftlicher Forschung notwendigerweise über deren wissenschaftlich codierte Gegenständlichkeit und Begrifflichkeit hinausweist.

Ich diskutiere also einen m.E. unaufhebbaren Unterschied zwischen dem wissenschaftlich Begreifbaren und seinen unverfügbaren imaginären und symbolischen Denk- und Gegebenheitsweisen, um eine mögliche Verbindung zwischen beidem, Wissenschaft und Kultur, eigens, d.h. unabhängig von der Eindimensionalität des jeweiligen methodischen Zugriffs einer Wissenschaft wie der der Ökonomie überhaupt diskutierbar zu machen. Der Kulturbegriff fungiert dabei als Sammelbezeichnung für inzwischen historisch gewordene oder noch nicht bzw. gar nicht von Seiten der Wissenschaft zu thematisierende Kontexte. Der der Kultur anhaftende „Anschein mangelnder Rationalität“ (Blumenberg) soll von daher in meinem Beitrag nicht als Mangel, sondern als ein nichtwissenschaftlicher Geltungsanspruch thematisiert werden.

Dies führt zu einem Plädoyer für die Aufrechterhaltung eines produktiven Spannungsverhältnisses von Kultur und Wissenschaft (hier: Ökonomie) verbunden mit der kritischen Anfrage, ob ein kulturwissenschaftlich geführter Diskurs in der Ökonomie hält, was er verspricht. Ich gehe dabei in vier Schritten vor. Zunächst wird ein vorwissenschaftlicher Kulturbegriff als Gegenbegriff zu jeder Art wissenschaftlicher Rationalität vorgestellt. Dann wird unter der Überschrift „Fallstricke des Skeptizismus“ eine gegenwärtig zu verzeichnende Tendenz der Relativierung von Metaphysik, Vernunft und Freiheit kritisiert, von der auch unser Wissenschafts- und Kulturverständnis in Mitleidenschaft gezogen wird. Das vierte Kapitel stellt am Beispiel von Bruno Latour ein aktuelles postmodernes kulturwissenschaftliches Selbstverständnis vor, um daran die Möglichkeiten und Grenzen kulturwissenschaftlicher Forschung zu diskutieren. Im letzten Kapitel wird auf die wissenschaftskritische Dimension des Kulturbegriffs Bezug genommen, die verloren gehen könnte, wenn das Thema Kultur zum Bestandteil von Wissenschaft erklärt werden würde.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung
Forschungsgruppe Unternehmen und gesellschaftliche Organisation (FUGO):
Perspektiven einer kulturwissenschaftlichen Theorie der Unternehmung
the author
Prof. i.R. Dr. Reinhard Schulz
Reinhard Schulz

geb. 1951, ist pensionierter Hochschullehrer an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Mitherausgeber der ‚Karl Jaspers-Gesamtausgabe‘ (KJG) im Schwabe-Verlag Basel sowie Mitglied des Graduierten Kollegs ‚Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung in historischer und interdisziplinärer Perspektive‘ (2010-2019) in Oldenburg. Schwerpunkte: Hermeneutik, Naturphilosophie, Subjektivierungs-, Bildungs- und Jaspersforschung.

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