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Montag, 20. August 2018
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Lösungsstrategien für den Euroraum
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Lösungsstrategien für den Euroraum

22 Seiten · 4,93 EUR
(Dezember 2012)

 
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Aus der Einleitung des Herausgebers:

Gerhard Illing untersucht Lösungsstrategien für den Euroraum in seinem Beitrag. Illing verweist auf das Überschießen der Kapitalströme im Euroraum, zunächst in die südlichen Peripheriestaaten und Irland, später wieder aus ihnen heraus. Der größte Teil dieser Ströme beruhen auf Entscheidungen des privaten Sektors; dazu gehören Banken, die über die Grenzen Kredite gewähren oder Wertpapiere kaufen, Unternehmen und auch Privatpersonen, die ihr Geld in ausländische Aktiva anlegen und wieder abziehen oder ihr Kapital in Sicherheit (vor der Besteuerung, vor erwarteter Inflation oder – aktuell – vor einem Ausscheiden bestimmter Staaten aus dem Euro) bringen wollen. Daher ist die Sichtweise des Maastrichtsvertrags und des Stabilitätspaktes viel zu eng, da diese sich allein auf die öffentlichen Haushalte beziehen und außerdem viel zu wenig die Abhängigkeit der Budgetdefizite von der konjunkturellen Entwicklung beachten. Deshalb ist die Beschränkung der Fiskalpolitik auf Austeritätspolitik eine falsche Strategie zur Krisenbewältigung. Im Gegenteil droht diese Strategie eine gefährliche Abwärtsspirale auszulösen. Wenn rationale Akteure am Kapitalmarkt dies voraussehen, steigen die Risikoprämien statt zu sinken, wie für Spanien bereits empirisch belegt. Einen deutlichen Hinweis gibt auch das Schrumpfen der Geldmenge M2 in den Peripheriestaaten. Wegen dieser Zusammenhänge und ihrer Nichtbeachtung durch die Politik fällt der EZB die Aufgabe zu, unerwünschte Kapitalströme (wegen Kapitalflucht, Leistungsbilanzungleichgewichten usw.) auszugleichen, was sich u.a. in den Target 2-Salden niederschlägt. Derartige Stützungsmaßnahmen sind nötig, aber sie ersetzen nicht grundlegende Reformen der europäischen Governance-Strukturen. Gerhard Illing plädiert erstens für Regulierungen der Finanzmärkte nicht nur auf nationaler Ebene, sondern vor allem auf internationaler, mindestens auf europäische Ebene. Damit würde ein angemessener Gegenpart gegen die integrierten Finanzmärkte geschaffen. Darüber hinaus fordert Illing nachdrücklich eine zentrale Fiskalinstanz in der EU. An diese müssen nationale Souveränitätsrechte abgetreten werden. Diese Übertragung bedarf einer demokratischen Legitimierung durch eine Stärkung der Rechte des Europäischen Parlaments. Die Europäische Fiskalinstanz müsste auch Stabilisierungsfunktionen bei Auftreten regionaler Schocks übernehmen, z.B. durch automatische Stabilisierung mittels einer gemeinsamen, gesamteuropäischen Arbeitslosenversicherung. Nur durch stärkere Solidarität kann, so Illing, Europa wieder auf Wachstumskurs gebracht werden. Andernfalls drohe das Auseinanderbrechen des Euroraums mit unkalkulierbaren ökonomischen und politischen Risiken.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Der Autor
Prof. Dr. Gerhard Illing
Gerhard Illing

geb. 1955, Professor, Lehrstuhlinhaber Seminar für Makroökonomie an der Ludwig-Maximilians Universität München. Zuvor Institut für Volkswirtschaftslehre, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Arbeitsschwerpunkte: Zentralbankpolitik, Design geldpolitischer Institutionen, Theorie von Finanz- und Bankenkrisen und Implikationen für Wirtschaftspolitik.

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