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Friday, September 20, 2019
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Macht in der Ökonomik: allgegenwärtig, erfassbar, erklärbar und als erklärende Größe verzichtbar
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Macht in der Ökonomik: allgegenwärtig, erfassbar, erklärbar und als erklärende Größe verzichtbar

27 Seiten · 4,41 EUR
(März 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Die etymologische Herkunft des Wortes „Macht“ ist das (Ver-)mögen, also eine Fähigkeit, etwas zu bewirken. Im heutigen Sprachgebrauch wie auch in der sozialwissenschaftlichen Anwendung enthält Macht auch eine unverzichtbare intersubjektive Komponente, die auf die Fähigkeit zur Beeinflussung anderer Menschen zielt. In den Nachbardisziplinen Politikwissenschaft und Soziologie stellt „Macht“ einen der Kernbegriffe des Fachs dar, während er in der Ökonomik nur ein Randdasein fristet.

Im Stichwortregister so weit verbreiteter Werke wie Mankiw (2004), Pindyck/Rubinfeld (2003) und Varian (2007) findet sich kein Eintrag für Macht. Wohl findet man den Begriff Marktmacht, doch dieser stellt nur eine spezielle Ausprägung des Grundbegriffs dar. In anderen Lehrbüchern findet man daneben noch die Stichworte Verhandlungsmacht und Machtindizes. Diese in der Ökonomik verwendeten Machtbegriffe bleiben jedoch unverbunden, ein Oberbegriff scheint nicht benötigt zu werden. Manchmal beinhaltet „Macht“ auch nur die vage Interpretation eines Modellparameters, der bei bestimmten Ausprägungen zu sehr ungleichen Auszahlungen führen kann.

Wie kommt es, dass die Ökonomik ein so bedeutendes Phänomen so schmählich vernachlässigt? Gibt es in der Wirtschaft keine Machtbeziehungen? Nein, das kann es natürlich nicht sein! Der wesentliche Grund für die unterschiedliche Behandlung liegt in den methodologischen Unterschieden. Der hier sehr eng gefasste ökonomische Ansatz – untrennbar verbunden mit dem Begriff des Homo oeconomicus – versucht, menschliches Verhalten dadurch zu erklären, dass er den betrachteten Entscheidungsträgern Handlungsalternativen und deren Folgewirkungen vorgibt. Anschließend bewertet der Entscheider alle Aktions-Wirkungs-Alternativen anhand einer vorgegebenen Zielfunktion und wählt diejenige aus, die ihm den höchsten Nutzen einbringt. Die Spieltheorie erweitert dieses Szenario noch um wechselseitige Abhängigkeiten zwischen den Akteuren, d.h. die Folgewirkungen einer Entscheidung hängen nicht nur von der eigenen, sondern auch von Entscheidungen anderer ab. Im Kern bleibt der Ansatz jedoch unverändert, im Gleichgewicht wählen alle Akteure wechselseitig optimale Strategien. In dieser Kette

Handlungsalternativen (gegeben) → Folgewirkungen und Bewertungskriterien (beide gegeben) → Entscheidung/Gleichgewicht

sind alle für die (ökonomische) Erklärung erforderlichen Größen enthalten, eine weitere Erklärungsgröße mit dem Namen „Macht“ wird nicht benötigt. Das bedeutet allerdings nicht, dass in ökonomischen Modellen keine Macht aufzufinden sei. Im Gegenteil, ich werde versuchen zu zeigen, dass das, was man im Wesentlichen unter Macht versteht, in vielen – wenn nicht den meisten – Ansätzen vorhanden ist und aus der Modellstruktur abgeleitet werden kann. Darüber hinaus wird angestrebt darzulegen, dass (a) eine sinnvolle allgemeine Definition von Macht existiert, mit deren Hilfe die in vielen Modellen „versteckte“ Macht offengelegt werden kann; (b) die Ökonomik (fast) alle Machtphänomene erfassen, rekonstruieren und (mehr oder weniger gut) erklären kann; (c) Macht keine für die Durchführung der ökonomischen Analyse unverzichtbare Größe darstellt und (d) der Machtbegriff für Ökonomen insbesondere in der Diskussion mit Nichtökonomen hilfreich sein kann, indem er vergleichsweise komplexe Zusammenhänge in einem intuitiv leicht zugänglichen Begriff verdichten kann.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Macht in der Ökonomie
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Macht in der Ökonomie
the author
Prof. Dr. Mathias Erlei
Mathias Erlei

geb. 1963, Institut für Wirtschaftswissenschaft, Abteilung für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Universität Clausthal. Arbeitsschwerpunkte: Neue Institutionenökonomik, Wettbewerbstheorie und -politik, experimentelle Wirtschaftsforschung.

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