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Machtlose Ökonomie - analytische Zweckmäßigkeit und Faszination
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Machtlose Ökonomie - analytische Zweckmäßigkeit und Faszination

18 Seiten · 3,86 EUR
(11. März 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Wie sehr die reine Ökonomie sogar die eigenen Vertreter überaus fasziniert, beweist Hermann Heinrich Gossen in der Vorrede zu seinem Buch über die "Entwicklung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln", das 1854 erschien und zunächst kaum zur Kenntnis genommen wurde. Gossen vergleicht seine eigene Leistung mit der von Kopernikus. Während die Entdeckungen des Kopernikus es ermöglicht hätten, die Bahnen der Himmelskörper zu berechnen, bestimmten seine eigenen Entdeckungen die Bahnen der Menschen. Die Menschen handeln nach den zwei sogenannten Gossenschen Gesetzen, wodurch die Gemeinschaft der Menschen stabilisiert und fortentwickelt wird. Die Suche nach und die Herleitung von ökonomischen Gesetzen ist der Zweck der reinen Ökonomie. Ist Macht aber ein ökonomisches Gesetz? Was macht die Macht?

Im Folgenden wird gezeigt, wie wenig Macht in der reinen Ökonomie enthalten ist. Aber die machtlose Ökonomie selber ist gar nicht so machtlos: In Form der herrschenden Lehre übt sie ein erhebliches Maß an Macht aus, obwohl sie von der Macht abstrahiert. Sie bildet den Referenzrahmen für eine anerkannte ökonomische Argumentation. Davon abzuweichen ist mit Reputationsverlust verbunden: Wehe, du argumentierst anders als der Mainstream. Warum ist das so? Um diese Frage zu beantworten, muss man herausfinden, weshalb Macht in der reinen Ökonomik, der oeconomia pura, kein Thema ist, ja, weshalb man geradezu stolz ist, ohne den Begriff der Macht auszukommen und dennoch die grundlegenden ökonomischen Relationen ausschließlich mit ökonomischen Begriffen erklären zu können. Einer Zuhilfenahme fachfremder Konnotationen aus Nachbarwissenschaften wie Soziologie oder Geschichte bedarf es nicht. Analytisch zweckmäßig ist allein die reine Ökonomie; zugleich ist sie eine Faszination, weil sie eine Utopie verspricht, und drittens bildet sie, wenn es schon sein muss, den Referenzrahmen für die Untersuchung von Macht: Macht bewirkt ein Abweichen von den Ergebnissen der reinen Ökonomie, das durch das Modell der reinen Ökonomie gemessen werden kann.

Im Jahre 1971 gab Kurt Rothschild in der berühmten Reihe Penguin Modern Economics Readings den Band Power in Economics heraus, in dem zum ersten Mal versucht wurde, die verstreuten Arbeiten zur Machtproblematik zu systematisieren und thematisch logisch zu gliedern. (Im gleichen Jahre promovierte ein Peter Weise über ?Theoretische Grundlagen der mikroökonomischen Verteilungstheorie?, ein Werk, das der reinen Ökonomie verpflichtet war und zu Recht vergessen ist.) In seinem Vorwort und in den Einführungen zu den sieben Teilen des Buches entwirft Rothschild eine Agenda für die Untersuchung von Macht. Ein Jahr später, im Jahre 1972, fand die Tagung des Vereins für Socialpolitik unter dem Thema ?Macht und ökonomisches Gesetz?, in Anspielung an den berühmten Aufsatz von Böhm-Bawerk (?Macht oder ökonomisches Gesetz?) von 1914, statt, in der es um die Frage ging, ob die Macht oder die ökonomischen Gesetze das wirtschaftliche Geschehen bestimmen. Die Diskussion zu einigen Referaten war hitzig und emotionsgeladen. Ein Diskussionsleiter übrigens, der beruhigend wirkte, war Kurt Rothschild. Im gleichen Jahr erschien der Nachdruck der Dissertation von Wolfgang Stützel über ?Preis, Wert und Macht? (ursprünglich 1952), ein Versuch, die reine Ökonomie mit dem Phänomen der Macht zu versöhnen. Seitdem hat sich einiges getan, nicht zuletzt ablesbar an den Beiträgen und Diskussionen der Tutzinger Tagung.

Im Folgenden möchte ich zunächst die sogenannte reine Ökonomie vorstellen. Sie ist eine Theorie, die sich auf den eigentlichen Gegenstandsbereich des Wirtschaftens bezieht und alle rechtlichen oder staatlichen Bezüge außer Acht lässt. Dann werde ich einige Folgerungen aus dieser Theorie ziehen. Diese beziehen sich auf die Distribution, die Optimalität, die Utopieinterpretation und anderes mehr. Anschließend wird gezeigt, dass diese Modellvorstellung tatsächlich machtlos ist, das heißt keine Macht in den Interaktionsbeziehungen der Menschen enthält. Schließlich wird das Modell der reinen Ökonomie als Referenzbezug zur Einbeziehung von Machtrelationen analysiert. Es ist dann der Grenzfall einer Wirtschaft, in der es keine Machtbeziehungen mehr gibt, und der Startpunkt für eine Analyse der Bedingungen der Machtentstehung.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Macht in der Ökonomie
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Macht in der Ökonomie
the author
Prof. Dr. Peter Weise
Peter Weise

Peter Weise ist Professor emeritus für Wirtschaftswissenschaften mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung an der Universität Kassel, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften.

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