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Makroökonomische Kontroversen in Deutschland und die Krise von 2009
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Makroökonomische Kontroversen in Deutschland und die Krise von 2009

26 Seiten · 3,21 EUR
(Juni 2011)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Oliver Landmann betont in seinem Beitrag Makroökonomische Kontroversen in Deutschland und die Krise von 2009 wie radikal sich die makroökonomische "Großwetterlage" und damit auch die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verändert habe. Zweifelsohne habe der "keynesianische Augenblick" im Sinne von Paul Krugman zu einer "Rückkehr der Ökonomie der Depression" geführt. Damit ist zumindest kurzfristig die vorherige Dominanz der "neuen neoklassischen Synthese" bzw. der Konsens der "Great Moderation" schwer erschüttert. Landmann fragt jedoch vor allem auch nach den langfristigen Konsequenzen für die makroökonomische Theorie. Dabei ist er in seinen Schlussfolgerungen nicht so radikal wie Skidelsky (2009), der die neue neoklassische Synthese dauerhaft über Bord werfen möchte, sondern plädiert für einen "zweihändigen Ansatz". Ganz im Sinne von Paul Samuelson, der einmal betonte, dass Gott den Ökonomen zwei Augen gegeben habe ? eines für die Nachfrage, das andere für das Angebot ? betont Landmann die längerfristige Bedeutung einer koordinierten angebots- und nachfragepolitischen Strategie für eine erfolgreiche Beschäftigungspolitik. Der Spielraum für eine inflationsfreie Nachfrageexpansion sei jenseits der Krise begrenzt und müsse durch eine angebotsseitige Politik, die auf die Senkung der NAIRU abziele, erweitert werden. Umgekehrt würde eine alleinige Ausdehnung der Angebotskapazität einer Volkswirtschaft einen deflationären Lohn- und Preissenkungsdruck hervorrufen. Eine stärkere Ankurbelung der Binnennachfrage durch die Fiskalpolitik in Deutschland bei einer eher passiven Rolle der Lohnpolitik sei auch die geeignete Strategie, um die makroökonomischen Divergenzen in der Eurozone zu überwinden. Landmanns Beitrag ist auch durch das von Leijonhufvud bereits 1973 entwickelte Korridorkonzept inspiriert worden, wonach zwei potentielle Verhaltensweisen von Volkswirtschaften im dynamischen Ungleichgewicht zu unterscheiden sind. Innerhalb des Korridors, d.h. in der Nähe des hypothetischen langfristigen Wachstumspfades, wirken die automatischen Stabilisatoren, so dass keine Notwendigkeit für wirtschaftspolitische Eingriffe des Staates bestünde. Unter solchen Bedingungen, wie sie in der Ära der "Great Moderation" geherrscht hätten, müssen die Spielräume für preisstabiles Output- und Beschäftigungswachstum auf der Angebotsseite geschaffen werden. Außerhalb des Korridors, d.h. bei größeren Störungen hingegen, würden die Bedingungen der Ökonomie der Depression gelten. Unter diesen Bedingungen sind staatliche Eingriffe im Sinne von Keynes, insbesondere fiskalpolitische Maßnahmen, unverzichtbar, um kumulative destabilisierende Prozesse zu vermeiden. Das zentrale Problem für die Wirtschaftspolitik laute daher: Befindet sich die Volkswirtschaft innerhalb oder außerhalb des Korridors? So überzeugend die von Landmann vor dem aktuellen Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise wiederbelebte Korridor-Hypothese von Leijonhufvud (1973) ist, ein entscheidendes Problem bleibt: Wie genau bestimmen sich die Grenzen des Korridors, bei dem die dynamischen Anpassungsprozesse einer Ökonomie außerhalb so gänzlich anders verlaufen wie innerhalb des Korridors?


zitierfähiger Aufsatz aus ...
the author
Prof. Dr. Oliver Landmann
Oliver Landmann

geb. 1952, ist Professor für theoretische Volkswirtschaftslehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Arbeitsschwerpunkte: Makroökonomie, Arbeitsmarkt und Beschäftigung, Internationale Währungsfragen.

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