sprache deutsch
sprache english
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


Monday, May 20, 2019
 Startseite » Geschichte  » Wissenschaftsgeschichte  » Sekundärliteratur 
Malthus: Vorgänger von Keynes?
Downloadgröße:
ca. 160 kb

Malthus: Vorgänger von Keynes?

20 Seiten · 2,85 EUR
(Dezember 2008)

 
Ich bin mit den AGB, insbesondere Punkt 10 (ausschließlich private Nutzung, keine Weitergabe an Dritte), einverstanden und erkenne an, dass meine Bestellung nicht widerrufen werden kann.
 
 

Aus der Einleitung:

Keynes hat sich über viele seiner Vorgänger recht kritisch geäußert, einem aber Lob und Anerkennung gezollt: Thomas Robert Malthus. So stellt er etwa in seinem Essay in Biography über Malthus fest: „If only Malthus, instead of Ricardo, had been the parent stem from which nineteenth-century economics proceeded, what a much wiser and richer place the world would be to-day!“ (Keynes 1972, 100f.). In der General Theory mischt sich in das Lob für Malthus zwar leichter Tadel, weiterhin wird von ihm aber bedauert, dass es Ricardo und nicht Malthus war, der den Gang der Wirtschaftswissenschaft lange Zeit bestimmt hat: „Malthus, indeed, had vehemently opposed Ricardo’s doctrine that it was impossible for effective demand to be deficient; but vainly. For, since Malthus was unable to explain clearly … how and why effective demand could be deficient or excessive, he failed to furnish an alternative construction; and Ricardo conquered England as completely as the Holy Inquisition conquered Spain“ (Keynes 1973, 32).

Versucht man, sich darüber Klarheit zu verschaffen, was Keynes veranlasst haben könnte, dem Beitrag von Malthus zur ökonomischen Theorie derart hohes Lob zu zollen, so scheidet das aus, was fast alle mit dem Namen Malthus verbinden werden, nämlich dessen Bevölkerungstheorie. An dieser war Keynes wenig interessiert und sie hätte ihn sicherlich nicht veranlasst, den Wunsch zu äußern, dass Malthus und nicht Ricardo den Fortgang der Wirtschaftswissenschaft bestimmt hätte. Was das von Malthus formulierte Bevölkerungsprinzip anbelangt, ist Ricardo – mit Malthus in zentralen Fragen der Politischen Ökonomie sonst regelmäßig im Dissens – ja auch ausnahmsweise weitgehend mit diesem einer Meinung, allerdings wohl eher aus taktischen Gründen, denn aus Überzeugung.

Dass Keynes Malthus rühmt und in ihm einen Vorläufer sieht, hat vielmehr mit dessen kritischer Haltung gegenüber dem Sayschen Gesetz und den nachdrücklichen Hinweisen auf die Bedeutung der effektiven Nachfrage zu tun. Die von Malthus in seinen Principles of Political Economy (Malthus 1989) diesbezüglich gemachten Ausführungen haben bei Keynes entweder zu dem Eindruck geführt oder es ihm ratsam erscheinen lassen, den Eindruck zu erwecken, dass Malthus bereits auf einem Weg war, der von ihm dann selbst eingeschlagen wurde und der ihn schließlich zur General Theory geführt hatte.

Im folgenden, dem Gründer und Vorsitzenden der deutschen Keynes-Gesellschaft Jürgen Kromphardt gewidmeten Beitrag, soll der Frage nachgegangen werden, ob die von Keynes vermutete Geistesverwandtschaft mit Malthus wirklich existiert oder aber ein großes Missverständnis ist, vielleicht aber auch eine Interpretation der Malthusianischen Theorie durch Keynes darstellt, die aus dem Wunsch entstanden ist, für die eigene Theorie Vorläufer zu finden, die sich gegenüber der Orthodoxie nicht haben durchsetzen können. Um sich darüber Klarheit zu verschaffen, muss auch der von Keynes kritisierte Ricardo und die hier relevante Auseinandersetzung zwischen Malthus und diesem angesprochen werden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht
Harald Hagemann, Gustav Horn, Hans-Jürgen Krupp (Hg.)::
Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht
the authors
Prof. Dr. Heinz D. Kurz
Heinz D. Kurz

ist seit 1988 Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre am Department of Economics der Universität Graz.

[weitere Titel]
Peter Kalmbach
Peter Kalmbach

ist emeritierter Professor am Institut für Konjunktur- und Strukturforschung der Universität Bremen.

[weitere Titel]