sprache deutsch
sprache english
» Zum Merkzettel
0 Artikel
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


 Startseite » Methodologie 
Methodologie und die Verfassung der Wissenschaft – Eine institutionalistische Perspektive
Downloadgröße:
ca. 182 kb

Methodologie und die Verfassung der Wissenschaft – Eine institutionalistische Perspektive

24 Seiten · 4,14 EUR
(22. Juli 2006)

 
Ich bin mit den AGB, insbesondere Punkt 10 (ausschließlich private Nutzung, keine Weitergabe an Dritte), einverstanden und erkenne an, dass meine Bestellung nicht widerrufen werden kann.
 
 

Aus dem Fazit:

Im Kontext der Wissenschaft sind methodologische Regeln, gedeutet als Bewertungsregeln, wichtig, weil Wettbewerb und Arbeitsteilung es erforderlich machen, die Bewertungen anderer vorherzusehen. Die Einordnung des eigenen Beitrags unter Berufung auf solche Regeln ist ein wichtiges Element der Bemühung von Wissenschaftlern, mit ihren Beiträgen Anerkennung zu finden. Das Interesse des Wissenschaftlers besteht darin, Beiträge zu produzieren, die nach möglichst allgemein akzeptierten Regeln gut sind, und sich bei der Werbung für den eigenen Beitrag auf diese Regeln zu berufen. Dadurch entsteht ein Koordinationsspiel, in dem methodologische Regeln, die erkennbar dem wissenschaftlichen Fortschritt dienen, den Charakter von Fokalpunkten haben.

Die Interpretation von methodologischen Regeln als Bestandteil einer dezentral entstandenen Verfassung der Wissenschaft ist zum einen natürlich ein Beitrag zu einer positiven Wissenschaftstheorie. Zum anderen kann man diese Interpretation auch dazu nutzen, methodologische Regeln zu bewerten, indem man fragt, welche Wirkung sie in diesem Kontext haben oder haben würden, wenn sie akzeptiert wären. Das ist die technologische Sichtweise der Methodologie. Eine Technologie stützt sich auf Gesetzmäßigkeiten. In diesem Fall sind die Gesetzmäßigkeiten jedenfalls zum Teil die sozialen Gesetzmäßigkeiten, denen der wissenschaftliche Statuswettbewerb unterliegt.

Natürlich muss man für eine solche Bewertung methodologischer Regeln nicht die Ziele und Bewertungsregeln der Wissenschaftler übernehmen. Man kann sich etwa fragen, ob nicht Regeln, die weniger auf Wahrheitsfindung und vielleicht eher auf die sozialen Folgen wissenschaftlicher Erkenntnis abheben, aus einer wie immer definierten gesamtgesellschaftlichen Perspektive besser wären. Diese Frage ist jedoch nicht Gegenstand dieses Aufsatzes. Mir ging es darum zu zeigen, dass im wissenschaftlichen Wettbewerb selbst methodologische Regeln entstehen und dass dabei Regeln, die jedenfalls nach Auffassung der Beteiligten den üblichen Zielen der Wissenschaft dienlich sind, eine gute Chance haben, sich durchzusetzen, weil sie Fokalpunkte darstellen. Dass man andere Ziele verfolgen kann oder dass die Beteiligten sich über die Konsequenzen der von ihnen verwandten methodologischen Regeln im Irrtum befinden können, ist selbstverständlich. Diese institutionalistische Perspektive zeigt, dass gewisse methodologische Regeln, die als strikte Vorschrift unsinnig wären, als Bewertungsregeln, die sich auf die Allokation von Status auswirken, durchaus zum wissenschaftlichen Fortschritt beitragen. Die hier vertretene Sicht methodologischer Regeln lässt es aber auch zu, dass sich die Teilnehmer am wissenschaftlichen Wettbewerb auf schlechte methodologische Regeln koordinieren, d.h. auf Regeln, die den wissenschaftlichen Fortschritt behindern. Die institutionalistische Rechtfertigung des „Verbots“ von Ad-hoc-Erklärungen impliziert nicht, dass jede andere umstrittene methodologische Regel in derselben Weise gerechtfertigt werden kann.

Wie in vielen Koordinationsspielen gibt es auch hier bessere und schlechtere Gleichgewichte. Methodologische Regeln sind also weder überflüssige Vorschriften noch im vollkommenen Wettbewerb perfektionierte Verfassungen. Sie können und müssen rational diskutiert werden. Diese Diskussion ist ein fester Bestandteil des wissenschaftlichen Wettbewerbs.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Ökonomik des Wissens
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Ökonomik des Wissens
the author
Prof. Dr. Max Albert
Max Albert

Professor für Nationalökonomie, insbesondere Wirtschaftstheorie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Arbeitsschwerpunkte: Mikroökonomie und Spieltheorie, Wissenschaftstheorie und Methodologie der Ökonomie.