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Moral: Kriterium oder Kultur?
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Moral: Kriterium oder Kultur?

Kulturalistische Unternehmensethik zwischen moralischer Sauberkeit und schmutziger wirklicher Welt

25 Seiten · 3,82 EUR
(Oktober 2009)

 
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Aus der Einleitung:

Bevor wir auf Pfriems Vorstellungen einer kulturalistischen Unternehmensethik eingehen, werden wir die janusköpfige Vorstellung der Moral als Kriterium und Kultur betrachten. In dem hier interessierenden Kontext erhält die Frage eine herausragende Bedeutung, inwieweit Moral in dem praktisch schmalen Grat zwischen Normativität und Deskription zu verorten ist; steht doch der explanatorische oder gar konstitutive Hinweis auf die Kultur im Spannungsfeld einer konservierenden Kraft geltender Moralnormen einerseits und der Kultur eines wechselseitigen, offenen Lernprozesses andererseits, in dem die zu findende praktische Richtigkeit sich nur auf eine entgegenkommende Atmosphäre verlassen kann. Mit dieser Vorverständigung wechseln wir dann zu dem von Pfriem verfolgten Projekt einer kulturalistischen Unternehmensethik und werden an wesentliche Einsichten dieses work in progess erinnern. Diese Kurzinventur wird uns dann zu dem Ergebnis führen, dass Pfriem der Auffassung ist, dass eine „Unternehmensethik für das 21. Jahrhundert“ keine „Prinzipienkaskaderei“ (Ulrich 2004) treiben sollte, sondern gewissermaßen tiefenhermeneutisch in den Gegenstandsbereich selbst eintreten muss. Weder die Institutionen noch Prinzipien sind Gegenstand dieser Unternehmensethik, sondern die Situation, in der Individuen und Organisationen in jeweiligen institutionellen Settings vor (auch moralische) Entscheidungen und Urteile gestellt werden. Auch wenn Pfriems Vorstellung einer modernen Ethik für eine radikale Abkehr von deontologischen, universalistischen sowie formalen Ethikkonzeptionen in der Tradition Kants plädiert, wendet er sich gleichermaßen auch gegen ein allzu affirmatives Ethikverständnis, dem es gegenüber den gesellschaftlichen Üblichkeiten an kritischer Stimme fehlt. In dem Dickicht von sozialen Handlungserwartungen, eigenen Vorteilserwägungen und dem Zwang zur Entscheidung sieht Pfriem den Ort einer kulturalistischen Unternehmensethik, die die Entscheidung, freigesprochen von jeder Pflicht und jedem Gesetz, dem Individuum in dezentrierter Autonomie (vgl. Honneth 2000) selbst zu übereignen scheint. Wenn diese Interpretation richtig ist, dann wird dem individuellen Akteur nicht nur die Wahl seiner Handlung in den unterschiedlichen normativen Kontexten zugeschrieben, sondern auch – und in diesem Sinn mit Pfriem über Pfriem hinausgehend – die Rechtfertigung für seine für ihn propositional verfügbaren Handlungen. Von hier aus ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, um eine gewisse normative Wendung in den Rechtfertigungsakt als solchen einzugeben).


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Neue Konzepte der Ökonomik – Unternehmen zwischen Nachhaltigkeit, Kultur und Ethik
Irene Antoni-Komar, Marina Beermann, Christian Lautermann, Joachim Müller, Niko Paech, Hedda Schattke, Uwe Schneidewind, Reinhard Schulz (Hg.):
Neue Konzepte der Ökonomik – Unternehmen zwischen Nachhaltigkeit, Kultur und Ethik
the author
Dr. rer. pol. Marc C. Hübscher
Marc C. Hübscher

geb. 1972, ist Partner in einer international tätigen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft, Lehrbeauftragter an der Georg-August-Universität Göttingen und der Universität Ulm sowie Mitherausgeber der ZfWU. Schwerpunkte: Unternehmensethik, Theorie der Unternehmung und strategisches Management.

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