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Friday, August 23, 2019
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Methodologie


Nachbarschaftseffekte im Experiment
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Nachbarschaftseffekte im Experiment

22 Seiten · 4,81 EUR
(Januar 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Das Alltagsleben liefert zahlreiche Beispiele dafür, dass individuelle Entscheidungen in aller Regel nicht unbeeinflusst von dem sind, was andere tun. Ein möglicher Grund dafür, sich an anderen zu orientieren ist, dass diese anderen – vermeintlich oder tatsächlich – besser informiert sind als man selbst. So wird beispielsweise die Entscheidung zum Kauf eines Produktes unbekannter Qualität von der Anzahl anderer Käufer dieses Produktes abhängig sein, wenn Kaufentscheidungen anderer als Indiz für eine gute Produktqualität herangezogen werden können.

Die Orientierung an Entscheidungen anderer kann soweit gehen, dass sich letztlich eine Konformität individueller Handlungen einstellt, obwohl die Individuen durchaus über unterschiedliche private Informationen – also beispielsweise bezüglich einer unbekannten Produktqualität – verfügen. Situationen, in denen Wirtschaftssubjekte zwar über unterschiedliche Informationen verfügen, aufgrund der Beobachtungen anderer aber dennoch identische Entscheidungen treffen, werden in der Literatur als „Herdenverhalten“ bzw. „Informationskaskaden“ bezeichnet: Die Wirtschaftssubjekte ignorieren im Fall des Herdenverhaltens ihre private Information vollständig und folgen bei ihren Entscheidungen einfach der Herde anderer Wirtschaftssubjekte. Überdies müssen diese Entscheidungen nicht notwendigerweise mit der objektiv optimalen Entscheidung übereinstimmen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass sämtliche Wirtschaftssubjekte in der Herde eine falsche Entscheidung treffen.

In den modelltheoretischen Ansätzen, die Herdenverhalten zu erklären versuchen, wird üblicherweise davon ausgegangen, dass Wirtschaftssubjekte in einer exogen bestimmten Reihenfolge nacheinander ein Entscheidungsproblem unter Unsicherheit lösen müssen. Jedes Wirtschaftssubjekt verfügt über private Information und beobachtet die Entscheidungen seiner Vorgänger – nicht jedoch deren Konsequenzen. Der wesentliche Aspekt einer solchen Informationsstruktur ist, dass die individuellen Entscheidungen auf privaten wie öffentlichen Informationen beruhen, wobei letztere aus den durch die Entscheidungen der Vorgänger enthüllten privaten Informationen bestehen. Zu Herdenverhalten kommt es in einem solchen Kontext dann, wenn ein Wirtschaftssubjekt in dieser exogen bestimmten Entscheidungsreihenfolge seine Entscheidung unabhängig von seiner privaten Information trifft, weil das Ausmaß der vorhandenen öffentlichen Information die Entscheidung eindeutig determiniert. In diesem Fall bleibt das Ausmaß der öffentlichen Information unverändert, da die getroffene Entscheidung keinen Rückschluss auf die zugrunde liegende private Information erlaubt. Die Konsequenz ist zum einen, dass auch alle darauf folgenden Wirtschaftssubjekte ihre Entscheidungen unabhängig von ihrer privaten Information treffen werden. Es stellt sich also eine Konformität bezüglich der Handlungen der Wirtschaftssubjekte ein. Zum anderen endet damit der gesellschaftliche Lernprozess: Das Ausmaß der öffentlichen Information ändert sich auch in Zukunft nicht mehr, da keine Entscheidungen mehr getroffen werden, die einen Rückschluss auf die zugrunde liegende private Information erlauben.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Auf allen Märkten zu Hause
Christiane Clemens, Maik Heinemann, Susanne Soretz (Hg.):
Auf allen Märkten zu Hause
the authors
Prof. Dr. Maik Heinemann
Maik Heinemann

Professur für Wirtschaftstheorie und Makroökonomik am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Lüneburg.

[weitere Titel]
Dr. Christine Clemens

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Universität Hannover.

[weitere Titel]
Dr. Thomas Riechmann
Thomas Riechmann

Universität Magdeburg