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Neuroökonomik des Vertrauens
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Neuroökonomik des Vertrauens

24 Seiten · 5,13 EUR
(September 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Im Modell der Neoklassik ist die Frage, ob ein Akteur in einem Tauschprozess einem anderen trauen kann, kein systematisches Problem. Annahmegemäß sind die Akteure über alle Wahloptionen ebenso vollständig informiert wie über alle möglichen Kontingenzen ihrer Wahlentscheidungen. (Sie verfügen über unlimitierte Kapazitäten, diese zu kalkulieren.) Dem Individuum – hier verstanden als homo oeconomicus – wird dabei die rationale Verfolgung des Eigeninteresses unterstellt (Rational Choice Modell) – nicht jedoch Opportunismus. Der Möglichkeitsraum als auch die tatsächliche Entscheidung des Akteurs lässt sich so durch eine Optimierung seiner Zielfunktion exakt vorhersagen, da er die optimale Entscheidung erstens richtig erkennt und zweitens diese Wahlentscheidung auch tatsächlich trifft. Transaktionskosten werden in dem Modell nicht berücksichtigt. Wird in Erweiterung dieser Annahmen nicht mehr von vollständiger Information, sondern von Handeln unter Unsicherheit ausgegangen, maximieren Akteure nicht ihren Nutzen, sondern entsprechend der Subjective Expected Utility Theory dessen Erwartungswert. In beiden Fällen machen sie im mathematischen Sinne keine logischen Fehler und handeln intern konsistent. Da einen solchen Akteur keine Überraschungen erwarten, braucht er auch niemandem zu vertrauen, wie es Horst Albach auf den Punkt bringt.

Seit Mitte der 1950er Jahre kam es in der Ökonomie zu einer Erweiterung des Referenzverhaltensmodells, dem Modell des begrenzt rational handelnden Akteurs (bounded rationality)1: Gerade unter Unsicherheit durch mangelnde Information prägen zunehmend Emotionen und habitualisierte Verhaltensmuster das Handeln der Akteure. In diesen Situationen entscheiden Akteure eher durch Wiedererkennung symbolisch repräsentierter Muster. In Abgrenzung zum Modell des homo oeconomicus im engeren Sinne werden dem Akteur keine vollständigen Informationen mehr unterstellt. Er hat also keinen kompletten Überblick über das „große Ganze“ und ist nicht über alle Kontingenzen seiner Entscheidungen ex ante informiert. Diese kognitiven Beschränkungen prägen seine Entscheidungsmuster. Daher trifft er eine Reihe von Teilentscheidungen, auch um seine Kosten für den Suchaufwand (Transaktionskosten) zu begrenzen, der im Modell der begrenzten Rationalität nicht mehr kostenlos ist. Nunmehr ist die Entstehung einer Beziehung zweier Akteure mit der Gefahr verbunden, dass sich der andere Akteur opportunistisch verhält.

Problematisch hieran ist, dass bestimmte Transaktionen nicht zu Stande kommen könnten, weil die beteiligten Akteure nicht wissen, wie sich andere Akteure verhalten und daher aus Angst, ausgebeutet zu werden, lieber ganz auf eine bestimmte Transaktion verzichten. An dieser Stelle kommt Vertrauen ins Spiel. Es kann hierbei als „Überbrückungsfunktion“ dienen und so das Zustandekommen der Transaktion unterstützen.

Diese Überbrückungsfunktion wird vor allem auch deshalb benötigt, weil im Modell des beschränkt rational handelnde Akteurs keine Verträge geschlossen werden können, die eine Vertragsbeziehung allumfassend und explizit regeln. Hierzu müsste ein Akteur bereits bei Vertragsabschluss sowohl alle möglichen Ereignisse (Ergebnisse von Verhaltens- und Umweltrisiken) als auch deren ökonomische Auswirkungen ex ante in seine Vertragsgestaltung mit einbeziehen. Doch ist der beschränkt rational handelnde Akteur gerade dazu nicht in der Lage. Den beteiligten Akteuren bleiben so immer Verhaltensspielräume, die nicht vertraglich eingeordnet sind und Umweltrisiken, deren Auswirkungen nicht bedacht wurden. Explizite Verträge sind folglich immer lückenhaft und können das Risiko eines Akteurs nie vollständig reduzieren.

Jede Vertragsbeziehung hat somit auch einen impliziten Vertragsbestandteil, der weder explizit geregelt noch einklagbar ist. Dabei schenkt der Vertrauensgeber seinem Vertragspartner Vertrauen (Vertrauensnehmer) in der Hoffnung, dass dieser seine diskretionären Spielräume nicht zum Schaden des Vertrauensgebers ausnutzt. Verhält sich der Vertrauensnehmer nicht opportunistisch, kann er als vertrauenswürdig bezeichnet werden. Ökonomisch betrachtet kann Vertrauen auch sinnvoll sein, wenn hiermit Transaktionen ermöglicht werden, die durch prohibitiv hohe Transaktionskosten sonst nicht zustande kämen.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Neuroökonomie
Birger P. Priddat (Hg.):
Neuroökonomie
the author
Utz Helmuth
Utz Helmuth

Dipl. oec., Institut für öffentliche Dienstleistungen und Tourismus, Universität St. Gallen, Dufourstrasse 40a, 9000 St. Gallen