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Tuesday, June 18, 2019
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Ökonomische Gerechtigkeit?
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Ökonomische Gerechtigkeit?

Verträge als prozessuale Fairness

29 Seiten · 6,41 EUR
(März 2013)

 
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Aus der Einleitung:

Verträge gehören in das Zentrum der ökonomischen Gerechtigkeitsdebatte, weil sie, als besondere Form der Transaktion, die Basisoperation des Marktgeschehens sind und weil sie, allein schon wegen ihrer juridischen Einkleidung, eine Gerechtigkeitsmarkierung tragen.

Genuin sind Verträge juridische Institutionen: bilaterale Vereinbarungen zwischen rechtsfähigen Personen: "The consensual exchange relationship between two legal subjects to which the judge grants legal force as long as the nudum pactum can at least be endowed with a causa" (Teubner 2007: 51). Der ökonomische Inhalt von Verträgen ist eine bilaterale Vereinbarung zum Austausch von Gütern, Leistungen bzw. Geld. Entscheidend ist hier die ökonomische Interpretation – dass die wechselseitige Vereinbarung der gegenseitige Bedürfnisbefriedigung dient: "Ein weniger befriedigender Zustand wird mit einem mehr befriedigendem Zustand vertauscht" – et vice versa. Man redet auch davon, dass beide Vertragspartner wechselseitig ihre Nutzen maximieren.

Diese Vertragserklärung enthält ein implizites Gerechtigkeitstheorem: jeder Vertragspartner empfindet sich als gerecht behandelt, da er das erhält, was unter den Umständen optimal ist. Allein dadurch, dass der Vertrag beidseitig frei eingegangen wird, erscheint er bereits als fair. Für die ökonomische Version des Vertrages wird – meistens implizite – Tauschgerechtigkeit unterstellt.

Genauer betrachtet ist der ökonomisch-marktliche Vertrag in einer Arrow/Debreu-Welt perfekter Märkte nur das Finale eines Prozesses, der ökonomisch schon vorher entschieden ist: durch die Koinzidenz zweier unabhängiger rational choices. Unabhängige Akteure entscheiden sich individuell für bestimmte Angebote, die sie in der Tauschsituation für optimal erachten. Sie verhandeln nicht, sondern suchen Angebote, die im Vergleich zu konkurrenten Angeboten die besten sind (Rationalkriterium).

Der ‚Vertrag‘ ist lediglich der Zustand der Einigung, dass die beiden unabhängig getroffenen Entscheidungen koinzidieren. Das vertragliche Moment ist ökonomisch irrelevant – jedenfalls in der klassischen Lesart –, weil beide Vertragspartner, bevor sie den Vertrag eingehen, die ökonomische Selektion der je besten Alternativen bereits absolviert haben. Insofern ist das vertragliche Moment der Transaktion nur ein technisches Finale, das dem juridischen System übereignet bleibt, ohne Konsequenzen für den ökonomischen Entscheidungsvorgang. Wenn wir von einem Vertrag reden, impliziert das aber, dass er verhandelbar ist: Verhandlung ist der Kern von Verträgen. Verhandlungslose Verträge sind formal Verträge, aber konventional standardisiert. Sie folgen einem Schema, ohne ihr Potential zu nutzen. Was das heißt, soll im Folgenden entfaltet werden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Akteure, Verträge, Netzwerke
Birger P. Priddat (Hg.):
Akteure, Verträge, Netzwerke
the author
Prof. Dr. Birger P. Priddat
Birger P. Priddat

geb. 1950, Seniorprofessur für Wirtschaft und Philosophie, Wirtschaftsfakultät, Universität Witten/Herdecke; arbeitet an Themen zwischen Philosophie und Wirtschaft, vor allem auch an der Theoriegeschichte der Ökonomie.

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