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Ökonomische Imperialismen: Grenzverwischung zwischen öffentlich und privat
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Ökonomische Imperialismen: Grenzverwischung zwischen öffentlich und privat

25 Seiten · 4,52 EUR
(Januar 2008)

 
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Aus der Einleitung:

Die Diagnose, dass originär ökonomische Verhaltensmotivationen in immer weitere Bereiche der sozialen Lebensverhältnisse eindringen, gehört zu den heute gebräuchlichen Selbstbeschreibungen der Gesellschaft. Davon kann man sich überzeugen, wenn man die Karriere des Begriffs Ökonomisierung in den Massenmedien verfolgt. In Medien findet (wenn auch selektiv) gesellschaftliche Selbstbeobachtung statt. Sie sind deshalb auch zur Diagnose grundlegender sozialer Veränderungstendenzen geeignet. Macht man nun die gesellschaftliche Ökonomisierung an eben diesem Begriff fest, dann scheint die Gegenwartsgesellschaft in immer deutlicherer Prägung die Signatur des Ökonomischen zu tragen. Seit Beginn dieses Jahrzehnts weist die Trefferkurve einer Stichwortsuche nach dem Begriff Ökonomisierung in deutschen Presseerzeugnissen steil nach oben. Schon in den 1990er Jahren zeigt der Begriff eine moderat, aber nicht vergleichbar rasant wachsende Popularität. Bemerkenswert ist, dass der Begriff vor 1991 in den Volltexten deutscher Presseprodukte, sofern über entsprechende Datenbanken recherchierbar, überhaupt nicht vorkommt.

Damit scheint im Begriff der Ökonomisierung eine hochaktuelle Gegenwartsdiagnose zu kulminieren, die es wert ist, einer näheren Betrachtung unterzogen zu werden. Dabei fällt zunächst auf, dass der öffentliche Sektor von der Ökonomisierungstendenz in besonderer Weise betroffen zu sein scheint. Dies ist zumindest der Eindruck, den entsprechende Fachpublikationen hinterlassen. So ist z.B. von der Ökonomisierung des Staates, des Öffentlichen, des öffentlichen Sektors, der öffentlichen Wirtschaft, der Verwaltung, des Verwaltungsrechts und des Verwaltungshandelns die Rede. Offenbar hat ein ökonomischer Imperialismus Verwaltung und Verwaltungswissenschaft gleichermaßen ergriffen. Welche Spuren er dort hinterlässt und welche Auswirkungen sich für die Schnittstelle zwischen öffentlich und privat ergeben, ist indes noch unklar. Erste Klärungen werden im Folgenden versucht. Im Fokus dieser Klärungen steht New Public Management (NPM) als möglicher Auslöser einer Ökonomisierung von Verwaltung und Verwaltungswissenschaft. NPM ist ein Rubrum für aktuelle Tendenzen der Verwaltungsmodernisierung, wie sie seit Anfang der 1990er Jahre – in zeitlicher Parallele zur Karriere des Ökonomisierungsbegriffs – festzustellen sind. Diese Reformbewegung ist (bei unterschiedlichen Schwerpunkten und Verläufen zwar) weltweit zu beobachten (vgl. Pollitt/ Bouckaert 2004). In der Verwaltungspraxis steht NPM für ökonomisch motivierte Reformaktivitäten, denen die Stoßrichtung gemeinsam ist, durch ein Downsizing von Staat und Verwaltung einerseits und Binnenrationalisierung des Verwaltungssystems andererseits Effektivität und Effizienz administrativen Handelns zu steigern. Diese Aktivitäten orientieren sich vornehmlich an privatwirtschaftlichen Referenzmodellen. Im wissenschaftlichen Kontext ist NPM hingegen der in deskriptiver oder präskriptiver Absicht geführte Diskurs über diese praktischen Reformaktivitäten, wobei es ausdrücklich um die Begründung ihrer Notwendigkeit, ihre theoretische Rechtfertigung, ihre positive Beschreibung, ihre Kritik sowie um die ihnen zugrunde liegenden Gestaltungsmodelle und die Evaluation ihrer Erfolge geht. NPM ist demnach als Interferenzphänomen zwischen Verwaltungstheorie und -praxis zu verstehen. Die folgenden Ausführungen setzen sich mit der auf NPM zurückgehenden Ökonomisierung von Verwaltungstheorie und -praxis im Hinblick auf die Frage auseinander, welche Auswirkungen sie auf die Grenzziehung zwischen öffentlich und privat hat. Hierzu wird zunächst präzisiert, was allgemein unter ökonomischen Imperialismen zu verstehen ist bzw. welche Grundformen unterscheidbar sind (2.). Anschließend werden diese grundlegenden Begrifflichkeiten auf den Untersuchungsfall, nämlich die Ökonomisierung von Verwaltungspraxis und -theorie durch NPM, angewendet. Es wird diskutiert, inwieweit eine solche Ökonomisie- 5 Vgl. Bogumil 2003; Gröpl 2002; Reichard 2003; Schuppert 2003, 480ff. 6 Vgl. Gröpl 2002; Groß 2001; Schneider 2001; Voßkuhle 2001. 7 Vgl. Oettle 1999. 94 Rick Vogel rung tatsächlich vorliegt (3.). Abschließend werden Implikationen für die Grenzziehung zwischen öffentlich und privat aufgezeigt (4.).


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Öffentlich – Privat: Verwaltung als Schnittstellenmanagement
Patrick von Maravic, Birger P. Priddat (Hg.):
Öffentlich – Privat: Verwaltung als Schnittstellenmanagement
the author
Dr. Rick Vogel

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrstuhl Organisation und Unternehmensführung, Universität Hamburg, Von-Melle-Park 5, D-20146 Hamburg