sprache deutsch
sprache english
» Zum Merkzettel
0 Artikel
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


Saturday, August 24, 2019
 Startseite » Politik  » Bildungspolitik 

Ökonomisches Wissen zwischen Bildungstheorie und Pragmatismus

218 Seiten ·  22,00 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-544-1 (Februar 2006 )

 
lieferbar sofort lieferbar

 
 

Wissen gilt neben Boden, Arbeit und Kapital als vierter Produktionsfaktor, als knappe Ressource. Das ökonomische Wissen hat sich aus der englischen Klassik heraus zunehmend als ein pragmatisches Instrument entwickelt. So beruht das neoklassische Modell auf der Hypothese unendlicher Informationen und hoher Anpassungsgeschwindigkeit. In der Auswahl und Vermittlung dieses Wissens gelten allerdings eher geisteswissenschaftliche Kriterien. Diese werden aber zunehmend durch neue Paradigmen des Lehrens und Lernens in Frage gestellt. So haben Pragmatismus, Kritischer Rationalismus, Kognitionspsychologie und Neurowissenschaften das geisteswissenschaftliche Weltbild in seinen Grundlagen erschüttert. Dieses Erdbeben wirkt langsam auch auf die ökonomische Theorie zurück. So sind die Rationalitätshypothese und die Lehre von der Willensfreiheit nicht mehr selbstverständlich. Außerdem erweist sich das ökonomische Wissen bei näherer Betrachtung als sehr unterschiedlich und qualitativ sehr differenziert. Es tritt als Faktenwissen, aber auch als implizites Wissen in Erscheinung. Es äußert sich als Innovation oder als Erfahrungswissen eines Experten. Wissen ist notwendig in der Arbeitsvermittlung, in der Berufsberatung und in der Bewertung von wirtschaftlichen Situationen. Damit verbunden ist ein ordnungspolitischer Paradigmenwechsel zugunsten einer globalisierten Ökonomie. Aber Daten und Fakten benötigen eine Bewertung und Interpretation. Dieses Wertwissen beruht auf Tradition, Erfahrung, Bildung sowie Expertenwissen. Es ist auf ein Verständnis der Zusammenhänge angewiesen. Somit bewegt sich sogar das ökonomische Wissen zwischen Bildungstheorie und Pragmatismus.

Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 103. Band, Heft 1 (2007), S. 153-154 ()

"Woll deckt in seinem neuen Beitrag zur Wirtschaftspädagogik auf, dass ein tradierter Kernbezugspunkt jeglichen pädagogischen Reflektierens und Handelns, die wie auch immer verstandene Vorstellung eines Bildungsauftrages, in praxi nicht mehr erkennbar ist. Neuere Erkenntnisse und modische Leitmuster über Denken, Lernen, Persönlichkeit sowie der rasante Bedarf (und Verschleiß) ökonomisch verwertbaren Wissens scheinen ein dominant pragmatisches Selbstverständnis von Wirtschaftspädagogik, noch dazu häufig 'naturwissenschaftlich' legitimiert, zu favorisieren.

Woll stellt sich dieser Situation nicht mit dem Versuch, auf Basis seiner breit angelegten Realbeschreibung vom Wandel eine wissenschaftliche Antwort zu strukturieren, sondern er sieht sich gefordert, dem Leser das wirtschaftspädagogische Wahrnehmungsfeld in solch aktueller Weise zu erschließen, daß er selbsttätig impulsiert wird, pädagogisch fundamentale Fragestellungen zu entwickeln, bzw. im Rahmen von Lehrveranstaltungen sich in den Diskurs einzubringen. ...

Nach einem Streifzug in dem Fachkundigen altvertraute Streitfragen zu Bildung und Berufsbildung, der leider, gerade wenn primär als didaktische Provokation eingebracht, etwas knapp gerät, bietet der Autor einen glänzenden Überblick über die neueren Erkenntnisse zu den Grundlagen von Lehren und Lernen, wie sie dank Konstruktivismus, Hirnforschung, Kritischer Rationalismus, Systemtheorie und Kognitiver Psychologie freigelegt worden sind. Wie Woll diese Umbrüche inhaltlich und sprachlich darzustellen weiß und welche Horizontausweitung er dabei zugrunde legt, ist eine hochschuldidaktische Meisterleistung.

Woll zeigt anschließend auf, daß die Wirtschaft längst in Eigenregie, sei es als Wissensmanagement, als Innovationsmanagement oder Human Resource Management, hoch effiziente Lernprozesse inszeniert, und er berücksichtigt dabei zugleich, dass im eigenen Überlebensinteresse, sich gerade bei erfolgreichen Unternehmen deren Lernprozesse sich immer häufiger zu Sinnfindungsprozessen ausweiten. Mit dieser abschließend äußerst wichtigen Wahrnehmung für das Lernfeld Wirtschaft erfährt Wolls Einstieg, der ja ebenfalls über die Wirtschaft erfolgt, eine stimmige Kontinuität; denn ohne implizite Menschenbilder wären Sinnfindungsprozesse zum Scheitern verurteilt.

Die berufsbildende Schule, Oktober 2006, S. 274 ()

Obwohl sich ökonomisches Wissen aus der englischen Klassik als pragmatisches Instrument hoher Informationsdichte und Flexibilität entwickelt hat, folgten Auswahl und Vermittlung dieser Wissenselemente bisher eher geisteswissenschaftlichen Kriterien. Neuere Forschungsergebnisse der Informationstheorie/Kybernetik, Kognitionspsychologie und Neurowissenschaften erschüttern gegenwärtig das geisteswissenschaftliche Weltbild und leiten einen Paradigmenwechsel in der Bildungstheorie ein. Pragmatismus, Konstruktivismus, Persönlichkeitstheorie, vernetztes Denken, Kreativität, explizites und implizites Wissen, Problemlösungsstrategien wie auch Simulation sind nur einige neuere Gesichtspunkte zum Lehren und Lernen. ... Von besonderer Aktualität zu Bildungsfragen sind Forschungsergebnisse des Bremer Hirnforschers Gerhard Roth zum Fühlen, Denken und Handeln, zur Wahrnehmung, zum Bewusstsein und zur Willensfreiheit. Es ist das Verdient des Autors, diese Ergebnisse auf ihre Bedeutung für Bildung und Wissen zu untersuchen. Mit der Ausweitung des Bildungsbegriffs durch die Integration vielfältiger neurer interdisziplinärer Forschungsergebnisse ist ein interessantes Buch entstanden, das die Aufmerksamkeit aller finden sollter, die mit Lehren und Lernen, mit Bildung im weistesten Sinne befasst sind.

Das Besondere an diesem Buch ist seine große Bandbreite, sein enzyklopädischer Charakter. Aufbauend auf wichtigen neueren Forschungsergebnissen bietet es eine Fülle von Informationen, die auf vertiefende Lektüre neugierig machen. Die ausführlich und verständlich zitierten Forschungsergebnisse geben Anstöße zu weiterem Studieum der zahlreichen Aspekte. Durch korrektes Zitieren ohne eigene Stellungnahme werden dem Leser vielfältige bildungs- und lerntheoretische Richtungen vorgestellt, sodass er sich ein objektives Bild machen kann. - Mal ein etwas anderes Buch im Spektrum der Publikationen der Berufs- und Wirtschaftspädagogik, der Erziehungswissenschaft und der Lerntheorien.



Unterricht Wirtschaft, Heft 28 (4/2006) ()

"Helmut Woll hat mit seinem Buch eine sehr fundamentale, die Grundlagenforschung zur ökonomischen Bildung befördernde und entsprechend abstrakte Arbeit vorgelegt. In seinem ersten Kapitel erarbeitet Woll den Begriff des ökonomischen Wissens vor einem bildungstheoretischen Hintergrund. Wolls Spektrum ist sehr weit, es reicht von Adam Smith aus didaktischer Perspektive über wirtschaftspädagogische Aspekte bis zum Zusammenhang von Universalismus und Berufsmoral. Leitend ist dabei für Woll die Einbettung des Denkens von Adam Smith in einen moralphilosophischen Kontext. Er verweist darauf, dass der 'Reichtum der Nationen' zum Ausgangspunkt nicht den Egoismus hat, sondern die Einsicht, dass der Wohlstand auf der menschlichen Arbeit und auf der geschickten Teilung der Arbeit beruht. Ökonomie heißt Fähigkeitenbildung, Wunschäußerung und Austausch von Leistungen. Durch den Austausch, also auch durch die systematische Arbeitsteilung, können erst Berufe herausgebildet werden. Die Triebfeder menschlichen Handelns ist nicht der Konsum, sondern die Sparsamkeit.

Positiv hervorzuheben sind Wolls Überlegungen zur Wirtschaftspädagogik, insbesondere seine Darstellung der Auseinandersetzung zwischen Beck und Zadek. Auf diesem Gebiet sitzt der Autor sehr fest im Sattel. Eine ausgezeichnete Darstellung des state of the art liefert Woll in seinem Kapitel 'Neue Gesichtspunkte zum Lehren und Lernen'. Ausgehend vom amerikanischen Pragmatismus (Dewey, James, Pearce) arbeitet Woll vielfältige wissenschaftstheoretische und lerntheoretische Ansätze auf. Das Spektrum reicht über den Konstruktivismus und Aebli, bis zu Popper und anderen. Auch die neueren Ergebnisse der Gehirnforschung werden berücksichtigt. Im letzten Kapitel schließlich zeigt Woll überzeugt auf, wie sich ökonomisches Wissen als unterschiedlich und differenziert erweist. Woll leitet daraus die Forderung nach einem ordnungspolitischen Paradigmenwechsel zugunsten einer globalisierten Wirtschaftswissenschaft ab. Die Bewertung und Interpretation von Daten und Fakten beruht nach Woll auf Tradition, Erfahrung, Bildung und Expertenwissen. Daraus gewinnt Woll seine wesentliche These und den Titel seines Buches: Ökonomisches Wissen bewegt sich zwischen Bildungstheorie und Pragmatismus. Insgesamt handelt es sich um ein lesenswertes Buch, um einen der wenigen zeitgenössischen Beiträge zur Grundlagenforschung in der Wirtschaftsdidaktik.




the author
Prof. Dr. Helmut Woll
Helmut Woll Ab 2000 Professor für Wirtschaftspädagogik an der TU Chemnitz. Hochschullehrer an den Universitäten Bremen, Mannheim, Duisburg/Essen, Flensburg, Siegen und der PH Karlsruhe. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Wie Woll diese Umbrüche inhaltlich und sprachlich darzustellen weiß und welche Horizontausweitung er dabei zugrunde legt, ist eine hochschuldidaktische Meisterleistung."
    Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, 103. Band, Heft 1 (2007), S. 153-154 mehr...
  • "Aufbauend auf wichtigen neueren Forschungsergebnissen bietet es eine Fülle von Informationen, die auf vertiefende Lektüre neugierig machen" ...
    Die berufsbildende Schule, Oktober 2006, S. 274 mehr...
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.4.2007
  • "Insgesamt handelt es sich um ein lesenswertes Buch, um einen der wenigen zeitgenössischen Beiträge zur Grundlagenforschung in der Wirtschaftsdidaktik." ...
    Unterricht Wirtschaft, Heft 28 (4/2006) mehr...
das könnte Sie auch interessieren