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Ordnung in einer arbeitsteiligen Wirtschaft

Reichweite und Grenzen von akteurszentrierten Ordnungstheorien

"Hochschulschriften"  · Band 88

258 Seiten ·  36,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-474-1 (September 2004 )

 
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Das Hobbes’sche Problem der Ordnung in der Wirtschaft nimmt seit dem Aufkommen der Neuen Institutionenökonomik wieder einen wichtigen Platz in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung ein. Die vorliegende Arbeit setzt sich, zunächst in Abgrenzung von der Systemtheorie Niklas Luhmanns, mit den wichtigsten der akteurszentrierten Ansätze – der Spieltheorie, der Konstitutionenökonomik und Douglass C. North’s Institutionenökonomik – auseinander und zeigt deren Reichweite und Grenzen auf. Dabei nimmt der Zusammenhang zwischen der jeweils unterstellten Handlungstheorie und der Erklärung von Ordnung eine zentrale Rolle ein. Wesentliches Ergebnis der Untersuchung ist, dass die auf dem Rational Choice und dem Regelbefolgungsansatz aufbauende Ordnungstheorien einseitig und reduktionistisch sind und sich als alleinige Ordnungserklärungen nicht eignen: Ausschließlich auf dem Eigennutz kann letztlich keine Ordnung gründen, auch nicht die wirtschaftliche.

Allerdings sind solche Ansätze nicht vollständig zurückzuweisen, denn ihre Einseitigkeit stellt zugleich ihre eigentliche Stärke dar und macht sie gerade dadurch erst erklärungskräftig. Daher sollte eine umfassende Ordnungstheorie nicht auf diese Teilerklärungen verzichten. Douglass C. North’s und Max Webers Ordnungserklärungen versuchen, eine notwendige Integration von Rational Choice und Regelbefolgungsansätzen einerseits mit kognitionstheoretisch fundierten, auf unterschiedliche Weltsichten und Wertesysteme abzielenden Erklärungen andererseits herzustellen. Im Rahmen einer Gegenüberstellung der beiden Ansätze lässt sich zeigen, dass sich – bei genereller Überlegenheit der Weber’schen Ordnungstheorie – Bausteine von beiden Ansätzen auf sinnvolle Weise miteinander kombinieren lassen.

Die Arbeit schließt mit einem Vorschlag darüber, welche zentrale Bausteine eine umfassende Ordnungserklärung ausmachen sollte, beginnend mit einer adäquaten Handlungstheorie über eine Theorie der Entstehung, des Wandels und der Persistenz von Institutionen bis hin zu einer Theorie der Interdependenz der Ordnungen.

hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=6870 ()

"Stephan Märkt hat sich die Aufgabe gestellt, die 'institutionellen Grundlagen von Volkswirtschaften zu untersuchen und zu fragen, welche Bausteine eine umfassende Ordnungstheorie ausmacht' (S. 18). Er kann dabei an Vorarbeiten anknüpfen, die bis Adam Smith und darüber hinaus ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Die Dissertation ist ein knapper, präziser Forschungseinblick ausgewählter akteurszentrierter Ordnungstheorien, der systematisch, wenn auch vielfach streitbar und hier leider nicht mehr aufzeigbar, deren Stärken und Schwächen benennt. Ausgangspunkt ist die zutreffende Feststellung, dass es derzeit 'keine in sich geschlossene und überzeugende wirtschaftliche Ordnungserklärung gibt' (S. 7). Die untersuchungsleitende Frage gleicht der von Paul Seabright: Warum kooperieren Menschen, auch jene, die sich nicht kennen, und wie lässt sich die Bildung zuverlässige Erwartungen über das Einhalten von Kooperationen erklären (S. 219)? Nach der Definition zentraler Begriffe und einer Skizze von Ordnungstheorien in historischer Perspektive anhand von Hobbes, Smith, Durkheim und Parsons nutzt Märkt Luhmanns Systemtheorie als Startpunkt, der Rational Choice Schule, Spieltheorie, Konstitutionenökonomik und Douglas Norths Institutionentheorie bis zu Max Weber eine ganze Kette von Ordnungstheorien folgen. Alle Theorien dienen als Bausteine, deren festgestellten Defizite zu einer neuen Theorie überleiten, die diese zwar beheben kann, aber dennoch unvollständig bleibt. Max Weber liefert die Syntheseleistung. Im Ergebnis soll die Wirtschaft nicht nur als spontane Ordnung begriffen werden, sondern auch als rechtlich, durch formelle und informelle Institutionen, durch Form und Geist geschützte und gestützte Ordnung erscheinen. Damit seien Entstehung, Pfadabhängigkeit und Wandel von Institutionen als Denk- und Verhaltensgewohnheiten einschließlich der Handlungsbeschränkungen erklärbar. Zum Schluss zeigt der Max-Weber-Kollegiat der Universität Erfurt künftige Forschungsschwerpunkte auf. Sie betreffen die Durchsetzung von Ideologien, die (Lern)Psychologische Fundierung der Ordnungstheorie, die Rolle der Emotionen für den Aufbau von Institutionen und die Frage, wie die "richtigen" Werte aufgezeigt und durchgesetzt werden können? Aspekte die leider auch bei "Perspektiven einer kulturellen Ökonomik" fehlen. Hayek argumentierte, dass soziale Gebilde Ergebnis menschlichen Handelns aber nicht menschlichen Entwurfs seien. Insofern ließe sich die Suche nach der Einheitstheorie als (von der theoretischen Physik inspirierte) Fiktion verwerfen. Schließlich macht Abschied von der Zentralperspektive den Blick frei für die Einheit der Vielfalt, die Märkt zuvor aufgezeigt hat."

Ordo. Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Band 56, 2005, S. 328-332 ()

"Im Zentrum des Buches steht die Auseinandersetzung mit modernen ökonomischen Ansätzen, welche die institutionellen Fragen (wieder) zum Kern ihrer Untersuchungen gemacht haben, namentlich die ökonomische Spieltheorie, die Konstitutionenökonomik (James Buchanan, Viktor Vanberg) sowie die Institutionentheorie von Douglass North. Diese Ansätze werden daraufhin untersucht, inwiefern sie einen Beitrag zu einer umfassenden Ordnungserklärung leisten können. Den Tabestand, daß die genannten Ansätze sich häufig - explizit oder auch nur implizizt - auf die Thesen von Thomas Hobbes und Adam Smith beziehen und ebenso oft von den soziologischen Kritiken von Emile Durckheim und Talcott Parcons abgrenzen, nimmt der Autor zum Anlaß, um in einem ersten Schritt die mit den genannten Namen verbundene historische Ordnungsdebatte zu rekapitulieren."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2005 ()

"... Hier hakt Stephan Märkt ein. Die neoklassische Wirtschaftstheorie habe die Fragen der Ordnung und der institutionellen Grundlagen der Wirtschaft nonchalant als gegeben vorausgesetzt. Diese Grundlagen möchte er untersuchen, um die Bausteine einer umfassenden Ordnungstheorie zu benennen. ...

In den folgenden drei Kapiteln geht Märkt daher der Frage nach, was denn eine geordnete Wirtschaft schütze und stütze: der Rechtsschutzstaat, formelle und informelle Institutionen oder Form und Geist. Keiner der drei Erklärungsversuche von Ordnung könne vollständig überzeugen. Die auf einem fiktiven Gesellschaftsvertrag beruhende Konstitutionenökonomik - für diesen Forschungszweig stehen unter anderen die Namen James Buchanan und Viktor Vanberg - übersieht nach Märkt, daß sich unter dem Schutz des Rechts nicht nur kooperative, sondern auch defektive Routinen ausbilden. Auch die härtesten Strafen könnten solche Praktiken nicht verhindern, wenn sie einmal eine kritische Masse erreicht haben. Außerdem müßte die Entdeckungswahrscheinlichkeit von Defekteuren hoch sein. Indes beweist die Alltagspraxis, daß dies nicht der Fall ist. Märkt erweitert deshalb die Perspektive und läßt Douglass North mit seiner Institutionentheorie ausführlich zu Wort kommen. North zufolge drücken sich Institutionen nicht nur in Unternehmen, Verträgen und Märkten aus, wie die Transaktionsökonomik dies sieht, sondern auch in Gewohnheiten des Denkens und Handelns. Wirtschaftliche Ordnung entstehe durch eine Verschränkung von formellen und informellen Institutionen. Bloß an den Stellschrauben für die ersteren zu drehen, ohne den Wandel der letzteren zu forcieren, führe in evolutorische Sackgassen - und lege die Überforderung der Politik offen, so könnte man hinzufügen. ...

Märkt ergänzt sodann die Überlegungen von North durch den evolutionsökonomischen Ansatz von Ulrich Witt, kommt jedoch insgesamt zum Ergebnis, daß auch damit Ordnung nicht vollständig erklärt werden kann. Also ... wendet er sich im letzten Schritt der Ordnungstheorie Max Webers zu. Damit fließen kulturwissenschaftliche Gedanken ('Form und Geist') in die Frage der Ordnung ein. Da Weber zu verstehen suchte, warum die uns umgebende Wirklichkeit 'so und nicht anders geworden' ist, rücken in diesem Abschnitt Entstehung, Pfadabhängigkeit und Wandel von Institutionen in den Vordergrund. Wie North meint auch Weber, daß die Herausbildung einer geordneten arbeitsteiligen Wirtschaft eher die Ausnahme und zudem ein okzidentales Phänomen sei. Zu viele Bedingungen müßten, noch dazu gleichzeitig, erfüllt werden.

Das Buch schließt mit dem Bemühen, die verschiedenen Ansätze zur Erklärung von Ordnung miteinander zu kombinieren. Daß dabei die Liste der offenen Fragen länger ist als die Synthese, sollte dem Autor nicht angelastet werden. Er hat einen ambitionierten Versuch unternommen, der sowohl diskussionswürdig als auch anschlußfähig ist."




the author
Dr. Stephan Märkt
Stephan Märkt promoviert am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt 2003. stephan_maerkt@hotmail.com [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Stephan Märkt hat sich die Aufgabe gestellt, die 'institutionellen Grundlagen von Volkswirtschaften zu untersuchen" ...
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  • "Im Zentrum des Buches steht die Auseinandersetzung mit modernen ökonomischen Ansätzen, welche die institutionellen Fragen (wieder) zum Kern ihrer Untersuchungen gemacht haben," ...
    Ordo. Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft, Band 56, 2005, S. 328-332 mehr...
  • Der Autor "hat einen ambitionierten Versuch unternommen, der sowohl diskussionswürdig als auch anschlußfäig ist." ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. Juni 2005 mehr...
  • Zeitschrift für Politikwissenschaft, 1/2005, S. 325-325
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