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Politik nach Zahlen: Der Einfluss alternativer Wohlstandsindikatoren auf die Wirtschaftspolitik
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Politik nach Zahlen: Der Einfluss alternativer Wohlstandsindikatoren auf die Wirtschaftspolitik

23 Seiten · 4,97 EUR
(08. Juli 2016)

 
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Abstract:

By means of some examples, we show that one-dimensional welfare indicators providing a single number only to measure the wellbeing of a society are inherently norm-afflicted. The choices which information to include in a single index and the functional form of the index create implicit judgments about society’s welfare that are no longer transparent and verifiable. A set of different, carefully chosen indicators, measuring distinct aspects of welfare, can provide a better and more transparent informational foundation for a public discourse on the norms underlying a democratic society, as they highlight the relevant issues and make potential trade-offs transparent.

Aus der Einleitung:

Mit der Entwicklung von immer neuen eindimensionalen Wohlstandsindikatoren verbindet sich der Wunsch nach einem Maß, das es uns erlaubt, mit nur einer einzigen Kennzahl den Wohlstand einer Gesellschaft zu erfassen; eine Zahl, die uns sagt, wie wir uns im Zeitablauf als Gesellschaft entwickelt haben; eine Zahl, die uns zeigt, wie wir im Vergleich mit anderen Gesellschaften dastehen. Jede Regierung kann sich angesichts dieser Zahl ihrer Erfolge rühmen oder muss sich angesichts dieser Zahl ihr Versagen von der Opposition vorwerfen lassen.

Eine solche Zahl ist nicht in Sicht. Aber in regelmäßigen Abständen starten neue Expeditionen mit dem selbstgesteckten Ziel oder dem öffentlichen Auftrag, eine solche Zahl zu finden. Ausgangspunkt ist dabei meist die Diskussion um die Grenzen und Sinnhaftigkeit von Wachstum. In diesen Diskussionen gesellt sich zu den Zweifeln, ob wir mit Wachstum wirklichen Wohlstand schaffen können, schnell die Frage, inwieweit "die Orientierung auf das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausreicht, um Wohlstand, Lebensqualität und gesellschaftlichen Fortschritt angemessen abzubilden" (Deutscher Bundestag 2010).

In jüngerer Zeit haben sich viele internationale Organisationen wieder einmal auf die Suche nach dem idealen Wohlstandsindikator gemacht, so etwa die EU, die OECD und die UN. Und der ehemalige französische Präsident Nikolas Sarkozy setzte eine mit fünf Nobelpreisträgern und vielen weiteren weltweit anerkannten Ökonomen und Sozialwissenschaftlern hochkarätig besetzte Kommission ein, deren Aufgabe darin bestand, Empfehlungen dafür zu erarbeiten, wie man den ökonomischen Erfolg Frankreichs und seinen sozialen Fortschritt besser beurteilen könne. Mit dem Schlussbericht wollte die Kommission jedoch kein fertiges Konzept vorlegen, sondern vielmehr weitere Diskussionen anstoßen, wie das heutige Wohlergehen in seiner Vielfalt und im Hinblick auf seine Nachhaltigkeit mit einer Vielzahl unterschiedlichster Indikatoren gemessen werden könnte.

Dieser Beitrag möchte anhand ausgewählter Beispiele aufzeigen, warum sich die Suche schwierig gestaltet. Eindimensionale Wohlstandsindikatoren sind zwangsläufig normbeladen. In dem Maße, wie wir Daten zu einer einzigen Kennzahl verdichten, führen wir durch die Auswahl der Faktoren, die in den Indikator eingehen sollen, und durch die funktionale Form schon Bewertungskriterien des gesellschaftlichen Zusammenlebens vor, deren Einhaltung bzw. Nicht-Einhaltung anschließend durch den Indikator dokumentiert wird. Naturgemäß sieht daher eine Regierung in demjenigen Indikator das geeignete Maß, das die mit der Regierungspolitik verbundenen Ziele betont und damit die Regierungspolitik besser aussehen lässt. Naturgemäß wird die Opposition solche Indikatoren ablehnen und sich aus den vielen Alternativen diejenige herausfischen, die ihren Wertvorstellungen am meisten entgegenkommt und am besten das Versagen der Regierung dokumentiert. In der Diskussion um "besser, weiter, höher", die sich mit einem solchen Indikator trefflich führen lässt, verliert sich die eigentlich bedeutsame Frage: worin? Werden anstatt eines eindimensionalen Index unterschiedliche Teilindizes in der Diskussion um den Erfolg oder Misserfolg der Regierungspolitik angeführt, wird mit der Auswahl des Index, der ins Feld geführt wird, auch die Frage "worin" in den Vordergrund gerückt. Zwar bleibt die Auswahl eine normativ beeinflusste Entscheidung, doch wer seine Auswahl begründen muss, wird gezwungen darzulegen, warum ihm gerade das mit diesem Teilindex gemessene politische Ziel so wichtig ist.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Reformen und ihre politisch-ökonomischen Fallstricke
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Reformen und ihre politisch-ökonomischen Fallstricke
the author
Prof. Dr. Ronnie Schöb
Ronnie Schöb

Freie Universität Berlin, Lehrstuhl für Finanzwissenschaft

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