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Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Postdemokratie und das Überleben des Neoliberalismus trotz der Krise
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Postdemokratie und das Überleben des Neoliberalismus trotz der Krise

9 Seiten · 2,67 EUR
(November 2012)

 
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Aus der Einleitung:

Wenn ich über "Postdemokratie" spreche, meine ich ein Konzept wie "postindustrielle Gesellschaft" (Crouch 2008). Wenn wir eine Gesellschaft "postindustriell" nennen, meinen wir nicht, dass sie "ent-industrialisiert" geworden ist, oder dass die Belegschaft keine industrielle Produkten mehr herstellt oder benutzt. Alle Produkte und viele der Tätigkeiten des Industrialismus bleiben in einer postindustriellen Gesellschaft erhalten, die Energie und die Kernpunkte der Wirtschaft sind aber in neue Sektoren abgewandert.

In der Postdemokratie geschieht ein ähnlicher Prozess. Alle Institutionen der Demokratie bleiben bestehen. Man kann sie weiter nützen, die Energie des politischen Systems ist aber anderswo zu finden. Die demokratischen Prozesse erstarren, die Demokratie steckt gleichsam in einem Stau. Die politische Energie und Substanz, die Neuerungskraft der Politik, pulsiert in kleinen Zirkeln einer wirtschaftlichen und politischen Elite, die eng verbunden ist. Die Demokratie selbst verkommt immer mehr zu einem manipulierten Spektakel der Massenmedien. Befinden sich in die entwickelten Ländern bereits in einer solchen Lage? Das behaupte ich nicht. Ich sage aber, dass wir auf dem Weg zu einer Postdemokratie befinden. Die Kraft, welche die Umwelt- und Frauenbewegung entwickelt hat, zeigt, dass unsere Demokratien noch zur Erneuerung fähig sind. (Man muss aber daran erinnern, dass beide Bewegungen ihre Wurzeln in den siebziger Jahren haben; das heißt, vor dem Anfang der – meiner Meinung nach – postdemokratischen Periode.)

Diese zwei Bewegungen – man muss aber auch die neuen rassistisch-populistischen Bewegungen nennen – sind Phänomene, die das politische System jenseits der Kontrolle der Parteimaschinen, der so genannten "Spindoktoren" und der Massenmedien, beeinflusst haben.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Demokratie! Welche Demokratie?
Jürgen Nordmann, Katrin Hirte, Walter Otto Ötsch (Hg.):
Demokratie! Welche Demokratie?
Der Autor
Prof. Dr. Colin Crouch
Colin Crouch

war von 1985 bis 1994 Fellow des Trinity College in Oxford und zugleich Professor für Soziologie an der University of Oxford. Von 1995 bis 2004 lehrte und forschte er als Professor für Comparative Social Institutions am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz (EUI). Seit 2005 ist er Professor für Governance and Public Management an der University of Warwick.