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Preise, Markt und Ideologie

Zur Kritik von Hayeks Theorie des Wissens

177 Seiten ·  19,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1467-8 (25. April 2021 )

 

Friedrich August von Hayek gilt als einer der politisch einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftler. Man betrachtet ihn vielfach als Gegenpol zu allen sozialen und sozialistischen Gesellschaftstheorien. Zunächst versuchte er, die Unmöglichkeit einer geplanten Wirtschaft preis- und zinstheoretisch nachzuweisen. Nach einigen Versuchen zog er sich aber aus der kapitaltheoretischen Diskussion zurück und entwickelte eine Theorie des Wissens, in der Preise die zentrale Rolle der Koordination verstreuter Informationen spielen. Schließlich verallgemeinerte er diese Gedanken zu einer sozialen Evolutionstheorie, für die er auch eine Wahrnehmungspsychologie entwickelte.

Das vorliegende Buch greift diese verschiedenen Aspekte seiner Theorie kritisch auf und erklärt, weshalb Hayeks Kapital- und Zinstheorie als Grundlage einer Kritik des Sozialismus scheitern musste. Auch seine Psychologie wie seine Theorie des Wissens weisen an zentralen Punkten Widersprüche und zirkuläre Denkformen auf, die erkenntnistheoretisch unhaltbar sind. Es zeigt sich, dass eine immer wieder durchscheinende ideologische Überzeugung sich in den vermeintlich rein wissenschaftlichen Aussagen durchsetzt und Hayek so theoretisch in die Irre führt. Seine Überlegungen werden jeweils kontextualisiert und mit den Theorien von Karl Marx, Piero Sraffa, John Maynard Keynes und zeitgenössischen Philosophen konfrontiert. Hayeks Kritik totalitärer Staatsformen entpuppt sich zudem - gemeinsam mit Vorstellungen anderer Ökonomen der Österreichischen Schule (Friedrich von Wieser, Ludwig von Mises) - als zwiespältig: Er verteidigt durchaus auch diktatorische Gewalt zur Durchsetzung "freier Märkte".


Einleitung

Hayeks fragwürdige Grundlegung des Neoliberalismus

Zur Ökonomik des Wissens

Keynes, Sraffa und Hayek über den Zins

Hayeks Irrwege in der Theorie des Wissens

Preise und manipulierte Meinungen

lehrerbibliothek.de, https://lbib.de/ ()

"Deregulierung, Privatisierung, Flexibilisierung sind bekannte Slogans des Neoliberalismus. Historisch nachgewiesen ist, dass er zur Panökonomisierung aller Lebensbereiche führt, globale soziale Ungleichheiten legitimiert, Demokratie delegitimiert und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen forciert. Nach der Finanz- und Bankenkrise 2008 wurde geunkt, diese ökonomische Theorie habe ihr Kapital in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verspielt. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein, selbst in Zeiten der Corona-Pandemie besitzt der Neoliberalismus ein Beharrungsvermögen als gesellschaftspolitisch dominanter Ordnungsdiskurs. Dieses resultiert sicherlich auch daraus, dass Hauptvertreter neoliberaler Ökonomik wie zum Beispiel der Wirtschaftsnobelpreisträger Friedrich August von Hayek ihre Theorie als ideologiefrei und empirisch begründet präsentieren, was ihnen seitens der Öffentlichkeit vielfach immer noch abgekauft wird.

Dass die Neoliberalismusvariante von Hayeks keine Wertneutralität für sich beanspruchen kann, deckt Karl-Heinz Brodbeck (*1948) überzeugend in seinem Buch "Preise, Markt und Ideologie. Zur Kritik von Hayeks Theorie des Wissens" auf. Erschienen ist die Monographie, welche auf Aufsätzen aus den Jahren 2001 bis 2021 basiert, im Metropolis-Verlag. Der Professor im Ruhestand an der Hochschule für angewandte Wissenschaft in Würzburg-Schweinfurt und an der Hochschule für Politik in München zählt zu den profiliertesten kritischen Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Bekanntheit erlangte er u.a. durch seine Werke "Entscheidung zur Kreativität"(1995, 4. Aufl. 2010), "Buddhistische Wirtschaftsethik"(2002, 2. Aufl. 2011) und "Die Herrschaft des Geldes"(2009, 3. Aufl. 2022). Brodbeck unterscheidet in seinen Arbeiten klar zwischen neoklassischer und neoliberaler Ökonomie.

In seinem neuen Buch kritisiert Brodbeck fundamentale Annahmen von Hayeks zum Preismechanismus, zur Zinstheorie und zum Wissensbegriff. Dabei gelingt es ihm sehr gut, logische Widersprüche, argumentative Unzulänglichkeiten sowie eine Vernachlässigung wissenschaftlicher Standards in den Ausführungen des Wirtschaftsnobelpreisträgers - anhand einer genauen Analyse seiner Schriften - zu identifizieren. Lehrkräften der Fächer Ethik, Philosophie, Politik und Wirtschaft liefert die ideologiekritische und wissenschaftstheoretisch reflektierte Untersuchung von Brodbeck produktive Materialien zur kritischen Auseinandersetzung mit der neoliberalen Wirtschafts-, Gesellschafts- und Wissenstheorie im schulischen Unterricht. Im baden-württembergischen Bildungsplan 2016 für das Fach Ethik wird beispielsweise von den Schüler:innen gefordert, John Rawls' egalitaristische Gerechtigkeitstheorie mit einer weiteren zu vergleichen, zum Beispiel mit der von Friedrich August von Hayek.

Fazit: Karl-Heinz Brodbeck leistet mit seinem tiefschürfenden Buch "Preise, Markt und Ideologie" einen fundierten Beitrag zur Aufklärung über die noch immer in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wirkungsmächtige Ideologie des Neoliberalismus.




the author
Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck
Karl-Heinz Brodbeck Ingenieur, Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler, lehrte bis zu seiner Emeritierung 2014 an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt und der Hochschule für Politik in München Volkswirtschaftslehre, Statistik, Wirtschaftsethik und Kreativitätstechniken. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze aus verschiedensten Bereichen der Ökonomie, Philosophie und Kreativitätsforschung. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
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