sprache deutsch
sprache english
» Zum Warenkorb
0 Artikel - 0,00 EUR


Friday, May 24, 2019
 Startseite » Umwelt  » Umweltpolitik  » Umweltpolitik allgemein 
Produktive Nachhaltigkeit: Infrastrukturinnovation als politische Strategie
Downloadgröße:
ca. 164 kb

Produktive Nachhaltigkeit: Infrastrukturinnovation als politische Strategie

25 Seiten · 3,30 EUR
(Mai 2006)

 
Ich bin mit den AGB, insbesondere Punkt 10 (ausschließlich private Nutzung, keine Weitergabe an Dritte), einverstanden und erkenne an, dass meine Bestellung nicht widerrufen werden kann.
 
 

Aus der Einleitung:

Infrastrukturen gehören ins Zentrum der Diskussion über Nachhaltige Entwicklung. Als Infrastrukturen werden „die (meist) öffentlichen Einrichtungen“ bezeichnet, die „eine Grundvoraussetzung für das wirtschaftliche Leben sind, so v.a. Straßen, Kanäle und sonstige Verkehrseinrichtungen, Energie- und Wasserversorgung, Bildungsinstitutionen, Krankenhäuser, Sozialversicherungen [...]“ (Gabler 1993).

Die materiellen Infrastrukturen, auf die sich die folgenden Überlegungen konzentrieren, haben entscheidenden Einfluss auf den Stoffwechsel der Gesellschaft mit der außermenschlichen Natur. Sie ermöglichen nicht nur selbst Stoff- und Energieflüsse, sondern wirken auch als Wahrnehmungsorgane: Wer Energiemengen, Ressourcen, die Zeitdauer oder den Aufwand zur Überwindung von Räumen abschätzt, verwendet die ihm bekannten Infrastrukturen als Maßstab. In den materiellen Infrastrukturen ist gesellschaftlicher Reichtum gespeichert: Ein Mehrfaches des jährlichen Bruttosozialproduktes ist in den Industrieländern in Infrastrukturen gebunden, rund ein Drittel der Investitionen kann dem Infrastrukturbereich zugerechnet werden. Ein großer Teil des Welthandels dreht sich um Infrastrukturausrüstungen. Infrastrukturen werden von den Mitgliedern einer Gesellschaft häufig im Modus der Kooperation und in öffentlicher Verantwortung bereitgestellt. Staatliches und gesellschaftliches Eigentum spielen deshalb in vielen Fällen eine herausragende Rolle, Wettbewerb muss, sofern er möglich und effizient ist, reguliert werden. Die Nutzung moderner Infrastrukturen eröffnet wirtschaftliche Chancen. Sie sichert den BürgerInnen gesellschaftliche Teilhabe und den KonsumentInnen preisgünstige Lebensqualität.

Aus diesen Gründen sind die Infrastrukturentscheidungen die zentralen Entscheidungen der Umweltpolitik. Von der Gestaltung der Wohngebiete, Gebäudestrukturen, Verkehrswege, Energie- und Wasserversorgung hängt es weitgehend ab, welche Ressourcen in welchen Mengen ein Individuum benötigt, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie entscheidet damit über einen großen Teil der von einer Gesellschaft verursachten Belastung der natürlichen Systeme. Abweichungen von diesen technisch-institutionell, d.h. gesellschaftlich vorgeprägten Verbräuchen sind für das handelnde Individuum fast immer mit Schwierigkeiten verbunden. Alternativen zu nicht nachhaltigen Routinen zu schaffen, kann deshalb nicht den ‚mündigen Konsumenten‘ allein überlassen bleiben – es ist eine gesellschaftliche Aufgabe.

Der Weg zur nachhaltigen Umgestaltung der Industriegesellschaft führt aus diesen Gründen über die Erneuerung ihrer Infrastrukturbasis. Weit wichtiger als die alten Zentren ist aber der Infrastruktur-Aufbau in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Was im gegenwärtigen Aufholrennen in die städtische und industrielle Moderne errichtet wird, entscheidet über den Umweltverbrauch für Milliarden Menschen. Und diese Entscheidungen sind später kaum noch korrigierbar.

Im Folgenden wird zunächst die historische Entwicklung der Infrastrukturen skizziert, die unsere heutigen Umweltverbräuche ermöglicht hat. In einem zweiten Teil werden die Schwierigkeiten von Gesellschaften bei der Wahrnehmung und Veränderung der eigenen Infrastrukturbasis dargestellt. Außerdem werden Probleme angesprochen, die entstehen, wenn neue Gesichtspunkte – hier: die Umweltthematik – alte Infrastrukturen als Ganzes in Frage stellen. Im dritten Teil werden Steuerungsverfahren im Infrastrukturbereich diskutiert, insbesondere die ‚neue‘ Alternative ‚Markt oder Staat‘. Die Überlegungen des vierten Teils zielen auf die Chancen einer grundlegenden Umgestaltung von Infrastrukturen und die dafür notwendigen politischen Strategien.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Die Zukunft der Infrastrukturen
Reinhard Loske, Roland Schaeffer (Hg.):
Die Zukunft der Infrastrukturen
the author
Roland Schaeffer

Diplomsoziologe, 1985-1989 Hessisches Ministerium für Umwelt und Energie, 1988-1989 Leiter des Umwelt Forums Frankfurt bzw. Grundsatzreferent des Umweltdezernenten und Stadtkämmerers in Frankfurt am Main. Daneben und danach freiberuflich als Lehrbeauftragter, Berater und Autor mit Schwerpunkt auf nachhaltigkeits- und verbraucherpolitischen Fragestellungen tätig.

[weitere Titel]