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Tuesday, August 20, 2019
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Religion und Politik in Europa und den USA
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Religion und Politik in Europa und den USA

Überlegungen zur transatlantischen Hermeneutik

28 Seiten · 5,09 EUR
(März 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Über Religion und Politik wird in letzter Zeit viel gesprochen. Das hat sicherlich verschiedene Gründe. Es dürfte aber kaum strittig sein, dass die evidenten Differenzen in dieser Hinsicht zwischen den westlichen Ländern beiderseits des Atlantiks ein erheblicher Grund für dies Interesse ist. Auf das dadurch generierte Interesse kann man in verschiedener Weise reagieren. Juristisch lässt sich untersuchen, wie das Verhältnis von Religionsgemeinschaften und politischen Institutionen im jeweiligen Verfassungssystem geregelt ist. Soziologisch mag man der Frage nachgehen, wie sich persönliche und institutionell-öffentlich präsentierte Religiosität in verschiedenen Ländern zueinander verhalten. Aus philosophischer, politikwissenschaftlicher aber auch aus theologischer Sicht stellt sich die normative Frage, wie Religion und Politik zueinander ins Verhältnis gesetzt werden sollten. Für die heute drängenden Themen ist besonders die letztgenannte Frage bedeutsam, und sie steht deshalb ausgesprochen oder unausgesprochen im Hintergrund zahlreicher Beiträge zum Thema.

In all diesen Fragestellungen jedoch wird anscheinend als selbstverständlich vorausgesetzt, nicht nur dass wir wissen, was genau Politik und Religion sind, sondern ebenso, dass es sich bei diesen beiden um zunächst einmal klar voneinander abgegrenzte Bereiche handelt, deren Überschneidungen insofern sekundärer Natur sind und von uns jedenfalls prinzipiell jederzeit kontrolliert werden können. Das Verhältnis von Religion und Politik erscheint so als ein primär technisches Problem, fast als frage man nach dem richtigen Maß Salz, das einer Suppe zugefügt werden müsse, um diese schmackhaft zu machen.

Für bestimmte Zwecke mag ein solches Verständnis des Phänomens unvermeidbar sein; dennoch ist es nicht unproblematisch, denn dass es sich bei diesen beiden Größen um klar und eindeutig abgrenzbare Bereiche handelt, ist keineswegs unmittelbar einleuchtend. Vielmehr lassen sich ohne große Mühe und Einbildungskraft zahlreiche Beispiele finden und benennen, die belegen, dass jede Grenzziehung auf ihre Weise hoch kontrovers ist oder jedenfalls sein kann. So gilt zumindest für die in unserem Teil der Welt dominanten monotheistischen Religionen, dass kein Teil des Lebens außerhalb des Gottesverhältnisses steht und es daher nicht ohne weiteres einen politischen Bereich geben kann, der nicht auch eine religiöse Dimension hätte. Aber auch die komplementäre These ist leicht belegt, wenn man an die Jahrtausende alte Tradition politischer Religion denkt. In jüngerer Zeit wurde unter dem Imperativ einer radikalen Politisierung der Gesellschaft dekretiert, das Private sei das Politische. Ganz generell zeigen die regelmäßigen Versuche, den religiösen Bereich staatlich zu reglementieren, ebenso wie deren durchgehend kontroverser Charakter wie voraussetzungsvoll jede Verhältnisbestimmung von Religion und Politik unvermeidlich ist.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Religion@Gesellschaft
Gerd Grözinger, Wenzel Matiaske (Hg.):
Religion@Gesellschaft
the author
Prof. Dr. Johannes Zachhuber
Johannes Zachhuber

Prof. Dr. Johannes Zachhuber, Reader in Theology, Trinity College Broad Street, Oxford OX3 0BH