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Ressourcenproduktivität und Klimaverträglichkeit
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Ressourcenproduktivität und Klimaverträglichkeit

Instrumentenwahl und ihre Wechselwirkungen

24 Seiten · 5,06 EUR
(Juni 2011)

 
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Aus der Einleitung:

Die Umweltpolitik kann auf bemerkenswerte Erfolge zurückblicken. Es ist ihr gelungen, zumindest in Europa im Bewusstsein der Menschen die Emissionen von Klimagasen als größte Gefahr für das Wohlergehen künftiger Generationen zu verankern. Die Wahrnehmung anderer Gefahren der fortschreitenden Umweltschädigung hat in der Öffentlichkeit und der Politik allerdings abgenommen, Klimaschutz steht bei vielen synonym für Umweltschutz. Ferner hat es die Umweltpolitik geschafft, in der Politik in Europa die Akzeptanz ökonomischer Instrumente und hier insbesondere der handelbaren Emissionsrechte so weit durchzusetzen, dass die Grundstoffindustrien in Bezug auf die CO2-Emissionen im Rahmen des Emissions Trading Scheme (ETS) einem solchen System unterliegen, und dass dieses System voraussichtlich auf weitere Bereiche der Wirtschaft ausgebaut werden wird. Das Klimaproblem erscheint als lösbar, indem man mit dem ?Global Deal? (Edenhofer 2008) ein weltweites System Handelbarer Emissionsrechte einführt. Allerdings ist man weder auf der Konferenz von Bali 2007 noch auf der von Posen 2008 diesem Ziel bislang näher gekommen, von der Kopenhagener Vertragsstaatenkonferenz im Dezember 2009 ganz zu schweigen. Die Verhandlungen in Cancún im Dezember 2010 führten zwar verglichen damit zu einem konstruktiveren Ergebnis, ohne jedoch bezogen auf das ETS verbindliche Festlegungen zu erreichen.

Auf der anderen Seite stellen wir fest, dass die Suche nach Strategien zur Vermeidung von CO2-Emissionen Verhaltensweisen generiert, die neue Probleme schaffen und alte Probleme als weniger dringlich erscheinen lassen. Zum letzteren gehört die wieder erstarkende Akzeptanz der Nutzung der Kernenergie, zum ersten Punkt die Gewinnung von Kraftstoffen aus Pflanzen. Biodiesel aus Raps und Ethanol für Ottomotoren werden zunehmend als erneuerbare Energieträger eingesetzt. Damit gehen aber der Landwirtschaft Flächen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln verloren und die Preise für Nahrungsmittel stehen im Verbund mit den Preisen der Kraftstoffe aus fossilen Energieträgern, was gerade für die ärmsten Menschen in den Entwicklungsländern schwere Konsequenzen hat. Ein anderes Beispiel sind die Hybridfahrzeuge, die durch die Zuschaltung oder den zeitweisen Betrieb eines Elektromotors zum Verbrennungsmotor wohl die mit der Transportleistung der Fahrzeuge verbundenen CO2-Emissionen mindern. Diese Hybridfahrzeuge weisen aber dennoch eine verheerende Ökobilanz auf, weil zusätzlich der Elektromotor und die Batterie erzeugt und später entsorgt werden müssen. Im Zentrum der Logik der CO2-Emissionsvermeidungsstrategie liegt auch die Entwicklung der so genannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage): Bei der Stromerzeugung durch Kohleverbrennung wird durch zusätzlichen Energieeinsatz das CO2 abgeschieden und in unterirdische natürliche Lagerstätten verbracht, wo es dann hoffentlich auch verbleibt. Letzteres ist noch nicht sicher. Kommt dieses Verfahren etwa ab 2020 zum Einsatz, dann können zwar die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung gemindert werden, aber der Rohstoffverbrauch wird weiter beschleunigt.

Die Liste der Beispiele ist lang, die zeigen, dass die Umweltpolitik gegenwärtig erhebliche Probleme hat, die immer wieder den gesamten Ansatz in Frage stellen. Wenn eine Therapie so heftige Nebenwirkungen hat, dann ist die Frage erlaubt, ob der theoretische Ansatz, der dieser Politik zu Grunde liegt, noch trägt. Die heute herrschende neoklassische Umweltökonomik hat die Reduktion der Emission von Rest- und Schadstoffen zum Ziel. Ihr Forschungsansatz ist dabei der der mikroökonomischen Partialanalyse. Meyer (2008) folgend werden wir im Abschnitt 2 darlegen, dass der totalanalytische Ansatz der von Ayres und Kneese (1969), Daly (1968) und anderen vor vierzig Jahren begründeten Ecological Economics dem überlegen ist. Hier geht es um die Reduktion des Rohstoffverbrauchs. Der vorliegende Beitrag stellt dann im Abschnitt 3 ein globales Konzept für die Umweltpolitik von Ekins et al. (2011) vor, das eine Minderung des Rohstoffverbrauchs und gleichzeitig eine Erreichung des Klimazieles anstrebt. Im Abschnitt 4 sollen die Potenziale einer solchen Politik abgeschätzt werden. Einige Schlussfolgerungen im Abschnitt 5 schließen den Beitrag ab.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Institutionen ökologischer Nachhaltigkeit
Martin Held, Gisela Kubon-Gilke, Richard Sturn (Hg.):
Institutionen ökologischer Nachhaltigkeit
the author
Prof. Dr. Bernd Meyer
Bernd Meyer

Professor für Makroökonomische Theorie an der Universität Osnabrück, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, Vorsitzender des Beirats zur Umweltökonomischen Gesamtrechnung beim Bundesumweltministerium. Arbeitsgebiete: Konstruktion und Anwendung tief gegliederter ökonometrischer Modelle, die die Interdependenzen zwischen Wirtschaft und Umwelt abbilden.

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