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Sonntag, 22. Juli 2018
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Rückkehr und Aufbau nach 1945

Deutsche Remigranten im öffentlichen Leben Nachkriegsdeutschlands

365 Seiten ·  24,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 3-89518-144-7 (August 1997 )

 
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Aus dem NS-Staat Vertriebene haben den materiellen, politischen und kulturellen Wiederaufbau Nachkriegsdeutschlands wesentlich mitgestaltet. Das geschah nicht selten unter Verleugnung ihrer unmittelbaren Vergangenheit, denn in der deutschen Öffentlichkeit waren die Remigranten alles andere als willkommen. Bis weit in die 1960er Jahre gab es latente oder offene Ressentiments gegen sie; die Öffentlichkeit betrachtete sie als verkappte Vaterlandsverräter, worin unschwer kompensatorische Entlastungs- und Verdrängungstechniken zu erkennen sind.

Wichtig sollten vor allem die langfristigen Einflüsse der Remigranten werden, weil sie mit ihren im englischen, amerikanischen und skandinavischen Exil gemachten zivilgesellschaftlichen Erfahrungen zur "Verwestlichung" der deutschen Gesellschaft beitrugen. Rückkehrende Sozialdemokraten und Gewerkschafter beispielsweise gaben wichtige Impulse zur programmatischen Modernisierung ihrer Organisationen. Und zurückgekehrte Gelehrte sorgten dafür, dass Deutschland wieder intellektuellen Anschluss an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft fand. Bisher sind die Leistungen der Remigranten kaum näher untersucht worden. Dieser Band will deshalb zur Erforschung dieses unbekannten Kapitels anregen.

Inhalt: C.-D. Krohn: Remigranten in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft - M. Krauss: Die Region als erste Wirkungsstätte von Remigranten - H.G. Lehmann: Motive, Hindernisse und Wege von Remigranten - H. Mehringer: Impulse sozialdemokratischer Remigranten auf die Modernisierung der SPD - J. Angster: Zur Rolle gewerkschaftlicher Remigranten - J. Foitzik: Remigranten im Bundestag und in den Länderparlamenten - K. Körner: Emigranten im kulturellen Wiederaufbau. Die Europäische Verlagsanstalt - D.M. Schneider: Christliche und konservative Remigranten. Das Beispiel Johannes Schauff - S. Heimann: Politische Remigranten in Berlin - G. Paul: "Emigrantenstaat" auf tönernen Füßen. Das Saarland nach 1945 - A. Söllner: Die Gründung der westdeutschen Politikwissenschaft - ein Reimport aus der Emigration? - M. Biller: Remigranten in der Publizistik im Nachkriegsdeutschland - I. Stuiber: Neuanfang in Deutschland: Fritz Eberhard in Stuttgart 1945-1946 - U. Jordan: Die Remigration von Juristen und der Aufbau der Justiz in der britischen und amerikanischen Besatzungszone - E. Spevack: Ein Emigrant in amerikanischen Diensten. Zur Rolle des Politikwissenschaftlers Hans Simons in Deutschland nach 1945 - J. Kolk: Walter Hammer. Mentale Remigration und Widerstandsforschung im Kalten Krieg

Süddeutsche Zeitung, 12.11.1997 ()

"Hinter dem trockenen Titel verbirgt sich spannende Zeitgeschichte. Rund 500.000 Deutsche flohen vor den Nazis ins Ausland: Juden, Linke, Intellektuelle. Nur wenige kehrten nach 1945 nach Deutschland zurück. Selbst denen, die mit dem Gesicht nach Deutschland auf die Stunde Null gewartet hatten, erging es anders, als man hätte erwarten können. Die Besatzungsmächte ließen keineswegs jeden Rückkehrwilligen ins Land, und die, die kamen, wurden von den eigenen Landsleuten nicht immer herzlich empfangen.

Trotzdem gewannen einige von ihnen entscheidenden Einfluß auf das neue Deutschland. Im Osten vor allem die Kommunisten um Walter Ulbricht, die schon vor Kriegsende aus dem Moskauer Exil zurückkehrten und zur Keimzelle der Deutschen Demokratischen Republik wurden. Doch auch die Bundesrepublik hätte ohne Remigranten anders ausgesehen. ...

Glücklicherweise haben es sich die meisten der 16 Autoren des Bandes trotz des wissenschaftlichen Anspruches nicht nehmen lassen, die eine oder andere [Geschichte] zu Ende zu erzählen. Das nämlich macht das Thema spannend. Dagegen bleibt der Versuch weitgehend unfruchtbar, das heterogene Knäuel der Remigranten, die oft außer der Erfahrung der Vertreibung nichts gemein hatten, mit dem sozialwissenschaftlichen Messer in saubere Kategorien zu zerlegen. Das objektive Interesse liegt hier im Subjektiven: Man muß tatsächlich das Knäuel aufdröseln und dem Lebensfaden einzelner Menschen nachgehen, um zu verstehen, wie Rückkehr und Aufbau nach 1945 verstrickt waren."



Norddeutscher Rundfunk, NDR 4, "Lesezeichen - neue Sachbücher vorgestellt", 1.12.1998 17.05-17.30 ()

"... Das Leitmotiv hatte der Schriftsteller Frank Thieß vorgegeben. Die Emigranten, so Thieß, hätten bequem aus den Logen und Parterreplätzen des Auslands der deutschen Tragödie zugeschaut, während die Daheimgebliebenen die unsägliche Hölle von Leid und Grauen erleben mußten. Der Begriff Emigrant löste, wie einer der Buchautoren darlegt, in der Regel negative Assoziationen aus: Feigheit, Schwäche, Desertion,Treulosigkeit, Pflichtvergessenheit, teilweise sogar Deutschfeindlichkeit und Landesverrat. Bei einer Allensbach Umfrage im Oktober 1954 sprachen sich 39 Prozent der Befragten dafür aus, daß Emigranten, die während des Krieges vom Ausland aus gegen Hitler gearbeitet hatten, kein hohes Regierungsamt erhalten sollten. Genährt wurden solche Ansichten teilweise durch die Presse. Die Zeitschrift 'Stern' titelte Anfang der fünfziger Jahre über den heimgekehrten Schriftsteller Hans Habe: 'Hinaus aus Deutschland mit dem Schuft'. Die 'Quick' behauptete über den ehemaligen Oberregierungsrat und Justitiar im Preußischen Innenministerium Robert Kempner, er habe als stellvetretender Chefankläger bei den Nürnberger Prozessen 'seinen früheren Kollegen das Genick' brechen wollen. ... Klaus Mann, der älteste Sohn von Thomas Mann, schrieb 1949: 'Warum sollen wir uns etwas vormachen? Wir sind geschlagen.' bevor er sich das Leben nahm. Dennoch bemühten sich, trotz aller Widrigkeiten, nicht wenige Rückkehrer, wieder in der Politik mitzuwirken. Es waren weit überwiegend Mitglieder der SPD und der KPD, die auch den größten Anteil der politischen Emigranten gestellt hatten. Dem ersten deutschen Bundestag gehörten von der SPD 27 Remigranten als Abgehordnete an, jeder fünfte in der Fraktion, von der KPD acht, mehr als die Hälfte, von CDU und FDP keiner. Die Rückkehrer aus Ländern wie den USA und England brachten ihre Erfahrungen mit dem westlichen Demokratieverständnis in die Politik ein, sie waren mit freier Presse, freier Meinungsäußerung und der Pluralität von Meinungen vertraut. Sie wirkten als eine Art Sauerteig in der deutschen Politik. Ihnen vor allem, das zeigt das vorliegende Buch, hat die SPD ihre Entwicklung zu einer modernen Partei zu verdanken. Dies gilt ebenso für den Wandlungsprozeß der westdeutschen Gewerkschaften - sie setzten sich nun nicht mehr das Ziel, den Kapitalismus zu zerschlagen, sondern ihn zu zähmen. Publizisten halfen beim Aufbau der Presse und des Rundfunks. Remigranten gaben den esellschaftswissenschaftlichen Disziplinen an den bundesdeutschen Hochschulen entscheidende Impulse, die den Anschluß an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft ermöglichten.

Wer wissen möchte, wie es damals war, wie die Menschen in Deutschland nach dem verlorenen Krieg dachten und sich verhielten, der findet in diesem Buch eine Fülle von zum Teil kaum bekannten Informationen. Es hat eine weite Verbreitung verdient."


Der Autor
Prof. Dr. Claus-Dieter Krohn

ist Soziologe an der Universität Lüneburg mit dem Forschungsschwerpunkt Exilforschung.

[weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • Humburger Abendblatt, Oktober 1997
  • "Hinter dem trockenen Titel verbirgt sich spannende Zeitgeschichte." ...
    Süddeutsche Zeitung, 12.11.1997 mehr...
  • Deutsches Allgemeines Sonnatgsblatt 5. Juni 1998
  • Zeitschrift für Politikwissenschaft-Bibliographie 1/1998, S. 232
  • Deutschland Archiv, Nov. 1998, S. 1032-1033
  • "Wer wissen möchte, wie die Menschen in Deutschland nach dem verlorenen Krieg dachten und sich verhielten, der findet in diesem Buch eine Fülle von zum Teil kaum bekannten Informationen." ...
    Norddeutscher Rundfunk, NDR 4, "Lesezeichen - neue Sachbücher vorgestellt", 1.12.1998 17.05-17.30 mehr...
  • Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 1999, S. 468-469
  • International Review of Social History, 1/2000, S. 152
  • Archiv für Sozialgeschichte 2001, S. 619-620
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