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Wednesday, June 26, 2019
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Russische Ökonomen in Deutschland (1910-1933)

Personenregister

"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie"  · Band 20

227 Seiten ·  24,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-467-3 (November 2004 )

 
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In der deutschsprachigen Literatur wird die Geschichte der Beziehungen zwischen deutscher und russischer Wirtschafts- und Gesellschaftslehre seit Peter dem Großen häufig als ein überwiegend einseitiger Prozess des Wissenstransfers von West nach Ost beschrieben: Rußland habe auf dem Felde der Ökonomie von Deutschland gelernt, ohne seinerseits in größerem Maße auf die Entwicklung hierzulande befruchtend einzuwirken, heisst es. So ist die Geschichte des russischen Wirtschaftsdenkens und seines Einflusses auf Deutschland bis heute weitgehend unbekannt geblieben. Dieses Defizit ist um so schmerzlicher, wenn man bedenkt, welche Dimension das russische Denken in Deutschland zu Anfang des 20. Jh. hatte, vor allem als im Zuge der großen Emigrationswelle nach der Oktoberrevolution 1917 Deutschland einer der wichtigsten Zufluchtsorte der russischen Diaspora geworden war. Janssens Untersuchung soll helfen, die Natur dieser reichen Beziehungen vor allem während der Weimarer Zeit aufzuhellen. Dazu dient eine Analyse der russischen Beiträge in den deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften zwischen 1910 und 1933. Um ein überraschendes Ergebnis vorwegzunehmen: Es gab im Untersuchungszeitraum eine sehr große Zahl an Veröffentlichungen russischer Ökonomen in Deutschland – weit mehr als von britischen, französischen oder amerikanischen Autoren, teilweise mehr als von diesen zusammen.

Bei den zu untersuchenden Publikationen russischer Autoren handelt es sich keineswegs um einen Aufguss westlicher Gedanken. Manche Beiträge, etwa Kondratieffs Arbeit über „Die langen Wellen der Konjunktur“, Tschajanows Studien über die bäuerliche Familienwirtschaft sowie Leontiefs und Marschaks Frühschriften gelten heute als Pionierarbeiten und sind schon damals überall in der Welt beachtet worden. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass wir keinen einseitigen Wissenstransfer von West nach Ost zu konstatieren haben, denn in der Gegenrichtung haben russische Beiträge äußerst anregend auf die Entwicklung der deutschen Nationalökonomie gewirkt.

Janssens Studie ist Teil eines Forschungsprojektes zum deutsch-russischen Wissenstransfer in der Ökonomik, das vom Institut für Wirtschaftssysteme, Wirtschafts- und Theoriegeschichte der Universität Hamburg verantwortet wird. In diesem Rahmen ist bereits die Abhandlung von J. Zweynert und D. Riniker über Werner Sombart in Rußland erschienen. Ein weiterer Band (Heinz Rieter, Leonid D. Širokorad, Joachim Zweynert (Hg.): Deutsche und russische Ökonomen im Dialog. Wissenstransfer in historischer Perspektive) über die Bedeutung einzelner russischer und deutscher Gelehrter für den Meinungsaustausch zwischen Ost und West sowie über den wechselseitigen Einfluss wirtschaftswissenschaftlicher Schulen erschien Dezember 2005.

Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 55 (2007), S. 432-433 ()

"Transnationale Perspektiven gewinnen auch in den Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftsgeschichte zunehmend an Bedeutung. Eine gelungene Synthese findet sich in der Studie von Hauke Janssen. ... Der Autor versteht Transfergeschichte jedoch nicht als "Einhahnstraße" im Sinne eines West-Ost-Transfers, sondern vielmehr als einen in beide Richtungen fließenden Dialog. Janssen distanziert sich damit von der traditionellen deutschsprachigen ökonomischen Fachliteratur. In seiner Studie zeichnet er die Bereichung der deutschen Ökonomie durch die Emigrationswelle russischer Wirtschaftswissenschaftler am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis 1933 nach. ... Eine weitere bedeutende These, die Janssen liefert, ordnet den theoriegeschichtlichen Einfluss russischer Ökonomen in den Kontext der wirtschaftlichen Krise Deutschlands im genannten Zeitraum, vor allem während der Weltwirtschaftskrise ein, die zugleich theoriegeschichtlich eine Umbruchzeit für die traditionelle, im 19. Jahrhundert geprägte deutsche Nationalökonomie darstellte. Interessant ist, dass Berlin "Hauptstadt der russischen Emigration" nach der Oktoberrevolution, ein bedeutender Standort russischer Ökonomen in den zwanziger Jahren wurde. ... Obwohl im Exil, verloren die russischen Ökonomen nie den Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Sowjetrussland. Es fand eine thematische Auseinandersetzung sowohl mit der NEP als auch mit der frühstalinistischen Wirtschaftspolitik (insbesondere der Kollektivierung) statt. ..."

Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 2006, Heft 4 ()

Hauke Janssen ... hat sich nun den wissenschaftlichen Beiträgen russischer Autoren in wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften der Weimarer Zeit zugewandt und einen erstaunlichen Reichtum von Aufsätzen entdeckt, die in erster Linie in der Emigration aus Sowjetrussland nach der Revolution entstanden sind.

In einem einleitenden Kapitel beschreibt Janssen die typischen Schicksale der Emigranten. Er geht auch auf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ein, als in Russland besonders die Initiativen des Vereins für Socialpolitik mit Begeisterung aufgenommen wurden ...

Im Hauptteil wird festgestellt, es hätten in der Zeit zwischen 1910 und 1933 76 russische Autoren in den untersuchten deutschen Periodika 187 Beiträge veröffentlicht - eine nach den damaligen Maßstäben sehr große Zahl, die freilich auch deutschstämmige und besonders Balten mit einschließt, wie die Seraphims, Stackelberg und Stieda. Besonders berühmte Emigranten waren Leontief, Marschak und Struve; nach Russland zurück kehrte A. W. Tschajanow, den dies schließlich das Leben kosten sollte. Es waren, ihrer persönlichen und der allgemeinen Geschichte entsprechend, unruhige Menschen. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatten sich um Max Weber "unorthodoxe, gegen die Autorität rebellierende" (S. 40) junge Wissenschaftler versammelt, oft jüdisch, oft russisch, oft sozialistisch und in allen möglichen Kombinationen dieser Eigenschaften. Jaspers bewunderte diese "außerordentlich intelligenten, ständig diskutierenden, leidenschaftlich bewegten Männer" (S. 41) und empfand sie als befreiend. ...

Für die Erschließung des reichen Materials müssen wir Janssen danken. Er schreibt einen leicht lesbaren Stil, mit Schwung und Engagement, und dafür verzeiht man ihm gelegentliche subjektive Wendungen und sprachliche Modernismen gern



Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2005/2, S. 167-180 (Sammelbesprechung) ()

"Daher trifft der Leser auf einen Autor, der sich in der Geschichte der deutschen Volkswirtschaftslehre in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr gut auskennt und der sich dazu anregen ließ, einen Teilaspekt der deutschen Volkswirtschaftslehre, den Wissenstransfer von Ost nach West, zu dokumentieren. ... Das Ergebnis ist eine aus vier Kapiteln bestehende, klar aufgebaute und mit dogmenhistorisch aufschlussreichem Material gespickte Studie, die den beiden zuvor besprochenen Werken [Zweynerts 'Geschichte des ökonomischen Denkens in Rußland' und Riniker/Zweynert: 'Werner Sombart in Rußland'] hinsichtlich der Quellenauswertung und leserfreundlichen Aufbereitung des Stoffes gleichkommt. Jedoch gilt auch hier: Dem Leser sei empfohlen, (zunächst) die Studien von Zweynert (2002) und Riniker/Zweynert (2004) zu lesen. ...

Der Verfasser baut indes Brücken. Im ersten Kapitel, der Einführung, bietet er bereits mehr als eine übliche Einleitung in die Untersuchung. Er spannt den historischen Bogen von Peter dem Großen bis zum Aufstieg Stalins in der Sowjetunion und des Nationalsozialismus in Deutschland. Die Entwicklung des Totalitarismus in beiden Ländern bildet den geschichtlichen Hintergrund der Studie. ...

Großes Lob verdient Hauke Janssens Studie jedoch, weil sie die Veränderungen der politischen Rahmenbedingungen der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre, Forschung und Politikberatung eindrucksvoll darstellt und sowohl die politisch-ökonomische, als auch die theoriegeschichtliche Seite der ökonomischen Dogmengeschichte nachweist. ... Hauke Janssen ist es auf der Grundlage seiner umfangreichen Kenntnisse über 'Nationalökonomie und Nationalsozialismus' [3. Aufl. in Vorbereitung für 2006, Metropolis-Verlag] gelungen, wiederum eine wertvolle dogmenhistorische Studie vorzulegen."




the author
Dr. Hauke Janssen
promovierte bei Prof. Heinz Rieter, Institut für Wirtschaftssysteme, Wirtschafts- und Theoriegeschichte, Universität Hamburg. Zur Zeit beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel. [weitere Titel]
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • Eine gelungene Synthese findet sich in der Studie von Hauke Janssen.
    Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 55 (2007), S. 432-433 mehr...
  • "Er schreibt einen leicht lesbaren Stil, mit Schwung und Engagement" ...
    Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 2006, Heft 4 mehr...
  • "Hauke Janssen ist es auf der Grundlage seiner umfangreichen Kenntnisse gelungen, wiederum eine wertvolle dogmenhistorische Studie vorzulegen." ...
    Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2005/2, S. 167-180 (Sammelbesprechung) mehr...
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