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Stolper-Samuelson entkräftet?
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Stolper-Samuelson entkräftet?

16 Seiten · 3,01 EUR
(Juni 2006)

 
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Aus der Einleitung des Beitrags:

... Die Warnungen vor Reallohnverlusten und zunehmender Arbeitslosigkeit hierzulande können sich sogar in gewissem Maße auf die Mustervorhersagen der neoklassischen Außenhandelstheorie berufen. Denn nach der Logik des Stolper-Samuelson-Theorems führen Marktöffnung und verstärkter Außenhandel zu Einkommenseinbußen des relativ knappen Produktionsfaktors. Die entwickelten Ökonomien des „Nordens“ sind – im Vergleich zu den Schwellenländern und anderen Entwicklungsländern im „Süden“ – reichlicher mit Kapital und hochqualifizierten Arbeitskräften, hingegen knapper mit geringqualifizierten Arbeitskräften ausgestattet. Aufgrund dieser Relation wird davon ausgegangen, dass die Löhne für Geringqualifizierte im Norden in der Ausgangssituation vor dem jüngsten Globalisierungsschub relativ hoch waren, sowohl im Vergleich zu den Hochqualifizierten im eigenen Land als auch im Vergleich zu den Geringqualifizierten im Süden. Durch die Zunahme des Nord-Süd-Handels sind die geringqualifizierten Arbeitnehmer des Nordens einer stärkeren Konkurrenz mit den Arbeitnehmern im Süden ausgesetzt und müssen ein Sinken ihrer Löhne oder, falls die Löhne starr sind, Beschäftigungsverluste hinnehmen.

Diese Tendenzaussage fand recht bald Bestätigung, denn in den USA, in Großbritannien und einigen anderen Ländern ließen sich wachsende Lohndifferenzen zwischen hoch- und geringqualifizierten Arbeitnehmern (skill premia) und sogar sinkende Reallohnsätze bei den letztgenannten beobachten. In Deutschland und anderen Ländern, für die zumeist geringere Reallohnflexibilität unterstellt wird, nahm im gleichen Zeitraum die Arbeitslosigkeit der Geringqualifizierten überproportional zu (siehe z.B. Lindbeck 1996 und Kalmbach 2001). Unter Ökonomen bleibt allerdings umstritten, ob diese Entwicklungen Folgen der Globalisierung sind, oder ob ihre Ursache nicht vielmehr in technischem Fortschritt liegt, der zu einer Verschiebung der Arbeitsnachfrage in Richtung höherer Qualifikationen geführt hat (skill-biased technical change). In jedem Falle liegt der Verdacht nahe, dass geringqualifizierte Arbeitnehmer in den Ländern des Nordens Verlierer der Globalisierung oder des technischen Fortschritts sind, sofern sie nicht durch die Wirkungen beider Trends auf die Güterpreise oder durch Umverteilungsmaßnahmen kompensiert werden.

Nach der Logik der neoklassischen Außenhandelstheorie müssten hingegen die geringqualifizierten Arbeitnehmer des Südens, die gemeinhin zu den Armen dieser Welt zählen, zu Gewinnern der Globalisierung werden. Denn wendet man das Stolper-Samuelson-Theorem auf Prozesse der Marktöffnung in Schwellenländern an, ergibt sich nach der oben skizzierten Logik die Prognose, dass sich dort die relative Lohn- und Beschäftigungssituation der Geringqualifizierten verbessert. Die skill premia müssten sinken. Dies ist jedoch nach empirischen Beobachtungen in vielen Schwellenländern nicht der Fall. Daher stellt sich die Frage, warum das Stolper-Samuelson-Theorem als Mustervorhersage im Süden (zumindest partiell) versagt.

In diesem Beitrag wird die These vertreten, dass gerade die marktöffnenden Reformprogramme in verschiedenen Schwellenländern die Einkommensunterschiede (in Gestalt der skill premia) verstärkt haben. Bei genauerer Betrachtung der Transmission der politischen Impulse zeigt sich, dass sowohl der Konkurrenzdruck durch Globalisierung als auch der technische Fortschritt im Wege von Technologietransfers wesentliche Erklärungsmomente für Veränderungen in den Lohndifferentialen und in der Beschäftigungsstruktur bilden können. Zunächst werden im folgenden Abschnitt die Kernkomponenten der Reformprogramme anhand der Konzeption des Washington Consensus dargestellt. In Abschnitt 3 wird der Zusammenhang zwischen Handelsliberalisierung und Einkommensverteilung beschrieben, der aus der neoklassischen Außenhandelstheorie abgeleitet wird. Abschnitt 4 liefert einen kurzen Überblick über die zum Teil gegenläufigen empirischen Befunde. In Abschnitt 5 werden zwei Versuche zur Rettung der Verbindung von Empirie und Theorie vorgestellt. In Abschnitt 6 wird ein allgemeines Modell der Transmission von Reformimpulsen auf die Lohnstruktur skizziert. Abschnitt 7 bildet den Schluss.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Einkommensverteilung, technischer Fortschritt und struktureller Wandel
Gerhard Huber, Hagen Krämer, Heinz D. Kurz (Hg.):
Einkommensverteilung, technischer Fortschritt und struktureller Wandel
the author
Prof. Dr. Hans-Michael Trautwein
Hans-Michael Trautwein

Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, davor an den Universitäten Lüneburg und Hohenheim tätig. Arbeitsschwerpunkte in der monetären Makroökonomik sowie in der Untersuchung von Auswirkungen der Globalisierung von Finanzmärkten und Produktionsbeziehungen auf Einkommen und Beschäftigung.

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