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Subsistenzproduktion und redistributive Palastwirtschaft: Wo bleibt die Nische für das Geld ?
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Subsistenzproduktion und redistributive Palastwirtschaft: Wo bleibt die Nische für das Geld ?

Grenzen und Möglichkeiten für die Verwendung von Geldim alten Mesopotamien

52 Seiten · 4,82 EUR
(29. August 2007)

 
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Aus der Einleitung:

Das von H. Riese apostrophierte „letzte Rätsel der Nationalökonomie“ hat auch Fernand Braudel aus der Sicht des Historikers in anderer Weise benannt, indem er davon spricht, das Geld habe nie aufgehört, die Menschheit in Erstaunen zu versetzen. Denn das Geld gibt nicht nur dem Nationalökonomen Rätsel auf, sondern gleichermaßen den Historikern oder Wirtschaftshistorikern, die sich mit Kulturen beschäftigen, von denen vermutet wird, daß dort die Ursprünge oder Anfänge des Geldes liegen könnten. Es geht daher im folgenden darum, historisch faßbare Sachverhalte zu beschreiben, die mit dem Phänomen Geld zu tun haben. Dazu eignen sich die Zivilisationen des alten Mesopotamien insofern hervorragend, als wir hier auf eine schriftliche Überlieferung bauen können, die mit dem letzten Drittel des vierten Jahrtausends einsetzt und bis in die hellenistische Zeit zu Ende des ersten Jahrtausends v.Chr. reicht. Trotzdem – die Anfänge der Geldentstehung lassen sich selbst mit Hilfe der frühesten menschlichen Schriftzeugnisse aus dem alten Mesopotamien (ca. 3200 v.Chr.) nicht wesentlich erhellen. Das wird einsichtig, wenn wir uns der gängigen Geldenstehungstheorien erinnern. Denn, so scheint es, der Ursprung von Geld liegt – nicht nur in der Sicht von Menger, sondern auch von Laum und anderen, wie etwa Pryor oder Einzig (1966, 345f.) –, vor einer Zeit, die historisch-empirisch faßbar ist. Allen Entstehungstheorien liegen Axiome zugrunde, die sich im einzelnen schwer beweisen lassen. Diese Axiome beruhen, soweit alte Hochkulturen betroffen sind, auf einer Deutung der Textüberlieferung, die sich heute im Lichte eines besseren philologischen und lexikalischen Verständnisses der Quellen, eines wesentlich erweiterten Quellenbestandes und theoretisch adäquat fundierter Untersuchungen anders oder differenzierter darstellen. Auch Vermutungen wie etwa die von Hicks führen nicht weiter, wenn er als mehr oder weniger gegeben ansieht, „that ... the relation between the state system and the money system has been very close. ... In its origin, money was a creation of the mercantile economy; though it was the first of the creations of the mercantile economy which governments learned to take over“. Denn auch die Anfänge von Staat und den damit verbundenen frühen Formen von Wirtschaft liegen im Bereich des Axiomatischen.

Kaum nachvollziehbar erscheint auch eine Vorstellung, die unter dem Stichwort „Bankwesen“ in einer Enzyklopädie des klassischen Altertums geboten wird. Danach hätten – wie Etymologien angeblich beweisen sollen – „Miet- und Rententransaktionen, Naturalanleihen mit und ohne Pfand oder Sicherung ... spätestens in der semito-hamitischen (ca. 7000 v.Chr.), urindogermanischen (ca. 3000 v.Chr.), uralaltaischen und ostmongolischen Vorgeschichte“ begonnen (Heichelheim). Damit wird implizit neben deren Existenz auch das Vorhandensein von Geld bereits zu Beginn des frühen Neolithikums (!) suggeriert. Es mag dahingestellt bleiben, inwieweit solche Behauptungen die Diskussion innerhalb bestimmter altertumswissenschaftlicher Disziplinen mehr oder weniger lange bestimmt haben oder gar noch bestimmen. Denn es ist nicht zulässig, eine späte, historisch gewachsene Begrifflichkeit in eine sprachlich-inschriftlich nicht greifbare vorgeschichtliche Situation zurückzuprojezieren, ohne zu prüfen, ob die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die postulierten Rechtsinstitute in einer solchen vorgeschichtlichen – konkret früh-jungsteinzeitlichen – Situation überhaupt gegeben waren.Mit anderen Worten – man muß davor warnen unsere moderne Begrifflichkeit auf vergangene Wirtschaftssysteme zu übertragen und Anachronismen in die Befunde hineinzulesen. Denn das Altertum ist keine Schatzkiste für Episodisches, dazu bestimmt, die eigene Gegenwart bereits in der Vergangenheit vorgebildet zu finden.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Rätsel Geld
Waltraud Schelkle, Manfred Nitsch (Hg.):
Rätsel Geld
the author
Prof. Dr. Johannes Renger
Johannes Renger

Professor für altorientalische Philologie an der Freien Universität Berlin, Fachbereich Altertumswissenschaften. Arbeitsschwerpunkte: Wirtschafts- und Sozialgeschichte des alten Mesopotamiens; Vergleichende Wirtschaftsgeschichte vormoderner Gesellschaften