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Sunday, September 22, 2019
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Technik, Politik und das Theater der Apokalypse
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Technik, Politik und das Theater der Apokalypse

16 Seiten · 3,48 EUR
(Juni 2016)

 
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Aus der Einleitung:

Wir erinnern uns: Es gab eine Zeit, das waren die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, das war die große Zeit des Redens über die Apokalypse. Hartmut Böhme erzählt in seinem Buch "Natur und Subjekt", das dieser Zeit entstammt, von einer "Endlosserie von Enden", von einem „Reden, woran sich nahezu alle beteiligt haben, von Günter Grass bis Anton-Andreas Guha“ (ein 2010 verstorbener Mitarbeiter der Frankfurter Rundschau, der ein Buch: Ende. Tagebuch aus dem dritten Weltkrieg publiziert hatte), "von Reagan bis zu Greenpeace, von Jean Baudrillard bis zu Ulrich Horstmann, von der katholischen Kirche bis zum armen Teufel, von Naturwissenschaftlern, die ihre medizinischen, ökologischen oder atomaren Untergangsszenarios über die Sender brachten, bis zu den Gästen bei Abendeinladungen, die beim Essen ihren schleichenden Tod durchs Essen besprachen" (Böhme 1988).

Das Reden über die Apokalypse, von dem Böhme berichtete, hat heute andere Formen angenommen. Aber die Diagnose von Böhme, dass diesem Reden damals wie heute jede erhellende Kraft fehlt, ist ernst zu nehmen. Denn damit ist nicht nur ein endgültiges Urteil über die erwähnte Epoche gesprochen, sondern offenbar auch über den Sinn apokalyptischer Diskurse insgesamt. Erhellung, Entschleierung, Enthüllung ist ja das Versprechen, das sich im Doppelsinn des Wortes Apokalypse andeutet. Es ist nach dem, was ich gerade erzählt habe, verständlich, dass ich mich mit dem Urteil von Böhme nicht abfinden kann. Aber das ist ein privates, somit kein hinreichendes Motiv. Mein Motiv ist allgemeiner: Ich fürchte, auch der Diskurs über das Anthropozän könnte dem Verdikt von Böhme unterworfen werden. Dieses begründet sich aus der These, dass der Diskurs der Apokalypse eine Argumentationsfigur vertritt, der auch schon in den 80er Jahren die Grundlagen entzogen waren. Diese Figur ist der Bezug auf das Konstrukt der ganzen Menschheit, auf die Menschheit als Gattung. Um zu belegen, dass diese Argumentationsfigur auch dem Diskurs über das Anthropozän nicht fremd ist, genügt ein Blick auf das Konzept dieser Tagung: Da ist vom "Raumschiff Erde" die Rede, "es steht der Menschheit nur diese eine Erde zur Verfügung", heißt es, und dieser drohen "größtmögliche Konflikte", "Klimakriege" und "Ressourcenknappheit", schließlich "Selbstzerstörung", das sind alles Zitate aus dem Tagungskonzept.

Das ist ein Problem. Ist das, was wir hier getan haben und tun, nur ein mattes Echo der Tage von Harrisburg und Tschernobyl, ein Diskurs der in die Jahre gekommenen Apokalyptiker und Apokalyptikerinnen alter Bauart? Das kann nicht sein! Daher möchte ich hier die Apokalyptik für den Diskurs des Anthropozäns retten, allerdings, indem ich einen Vorschlag zu ihrer Umformulierung unterbreite.

Daraus folgt der Ablauf meiner folgenden Darlegungen. Worin besteht die erhellende Kraft der Apokalyptik vor ihrem Niedergang? Das möchte ich in einem ersten Schritt beschreiben. Allerdings ist diese Kraft in Verlust geraten, da hat Böhme recht, und diesen Verlust möchte ich in einem zweiten Schritt nachzeichnen. Als Ergebnis des Verlusts irrt die Apokalyptik als Gespenst in einem politischen und theoretischen Theater umher. Darüber spreche ich in einem dritten Schritt: das Theater der Apokalypse. Ein vierter Schritt soll dazu dienen, das Gespenst zu bannen und die erhellende Kraft des Themas erneut frei zu setzen: positive Apokalyptik. Ein fünfter Schritt soll diese positive Apokalyptik auf der Ebene des Technikbegriffs, unter dem Titel technische Apokalyptik, und ein sechster auf der Ebene des Politikbegriffs konkretisieren: politische Apokalyptik. Technik, Politik und das Theater der Apokalypse, sechs kurze, dadurch oberflächliche Argumentationsschritte.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Schöpfer der zweiten Natur
Arno Bammé (Hg.):
Schöpfer der zweiten Natur
the author
Ao.Univ.-Prof. Mag. Dr. Wilhelm Berger
Wilhelm Berger

Sozialwissenschaftler und Philosoph, zunächst freier Sozialwissenschaftler, dann Vertragsassistent am Institut für Philosophie an der Universität Klagenfurt, jetzt A.o. Univ. Prof. an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (Klagenfurt, Graz, Wien) (IFF) der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung und Prodekan der Fakultät, Forschungsaufenthalte in Paris, Berlin und Rom, Lehraufträge an der Universität Klagenfurt, der Universität Graz, der Wirtschaftsuniversität Wien und der Technischen Universität Graz.

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