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Friday, September 20, 2019
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Technik und Ingenieure im Anthropozän
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Technik und Ingenieure im Anthropozän

Eine techniksoziologisch-genealogische Reflexion der Grundlagen

18 Seiten · 3,73 EUR
(Juni 2016)

 
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Aus der Einleitung:

Genau zur Jahrtausendwende schlugen der Chemiker und Nobelpreisträger Paul J. Crutzen und sein Kollege Eugene F. Stoermer (2000) vor, die historisch relativ jungen, fundamentalen menschlichen Eingriffe in die Natur als Folge von Industrialisierung und wissenschaftlich-technischem Wandel seit Ende des 18. Jahrhunderts mit einem neuen geochronologischen Epochenbegriff, dem "Anthropozän", zu belegen. Zwei Jahre später stellte Crutzen in einem Artikel in der Zeitschrift Nature den Begriff in eine Genealogie von ähnlichen Begriffsprägungen. Er plädierte damit aus Sicht des Naturwissenschaftlers dafür, die weitreichenden bedrohlichen und zukünftig langanhaltenden klimatischen und geologischen Veränderungen der Erde ernst zu nehmen, und legt abschließend deren Lösung in die Hände von Naturwissenschaft und Technik: "A daunting task lies ahead for scientists and engineers to guide society towards environmentally sustainable management during the era of the Anthropocene. This will require appropriate human behaviour at all scales, and may well involve internationally accepted, large-scale geo-engineering projects, for instance to 'optimize' climate." Wissenschaftler und Ingenieure sind damit aufgerufen, der Gesellschaft den Weg zu weisen und große Lösungen zu erarbeiten, deren Bestandteil neben erneuten optimierenden technischen Eingriffen in die aus dem Lot geratene Natur ebenso angemessene menschliche Verhaltensweisen sind. Insofern ruft Crutzen genau genommen eben jene Instanzen, deren Handeln bisher in den globalen Kollaps führte, nun als Retter auf den Plan, um die Gesellschaft aus der Krise herauszuleiten und die Transformation natürlicher Grundlagen gewissermaßen mit eben jenen Mitteln zu bekämpfen, mit denen sie herbeigeführt wurde. Natur und Gesellschaft, so könnte man diese Vision weiter spinnen, erscheinen als Maschinenteile eines ingenieursmäßig angelegten Planungsprojekts in größtem, globalem Maßstab. Der wissenschaftlich-technische Mensch als geologischer Faktor im "Anthropozän" ist somit Verursacher und Retter in einem.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Schöpfer der zweiten Natur
Arno Bammé (Hg.):
Schöpfer der zweiten Natur
the author
Prof. Dr. Tanja Paulitz

Professorin am Institut für Soziologie der RWTH Aachen. Sie lehrt und forscht aus diskurs- und praxistheoretischer Perspektive in den Bereichen Geschlechterforschung, Wissenschafts- und Technikforschung, Professionalisierung und qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung. Thematische Kristallisationspunkte bilden aktuell die „Genealogie der wissenschaftlich-technischen Moderne“, „Männlichkeiten und Technik“, „akademische Wissenskulturen“, „Netzwerke und Technologien des Selbst“. Paulitz ist Autorin des Buches „Mann und Maschine. Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs und der modernen Technikwissenschaften“.