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Donnerstag, 15. November 2018
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Totes Kapital und die Armen in Ägypten
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Totes Kapital und die Armen in Ägypten

47 Seiten · 6,09 EUR
(Juli 2001)

 
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Aus der Einleitung der Herausgeber:

Hernando de SoTos Beitrag stand für viele der hier gelieferten Überlegungen an zentraler Stelle. Es handelt sich dabei um einen Vortrag, den er in Kairo gehalten hat. Wir haben ihn um das Recht zur Veröffentlichung in deutscher Sprache gebeten, die er uns freundlicherweise erteilt hat. Über Person und Werk de Sotos geben wir im Anhang seines Beitrages nähere Informationen De SoTos zentrale These, dass es Entwicklungsländern nicht an Ressourcenausstattung fehlt, sondern dass diese nicht in Vermögenswerte transformiert werden kann, weil sie nur informell besessen wird, aber nicht formales Eigentum ist, wird von ihm am Beispiel Ägyptens verifiziert. Interessanterweise sind sich die meisten Ägypter nicht der Tatsache bewusst, dass auch die weniger Privilegierten bereits einen Großteil des Grundbesitzes und der Unternehmen im Land besitzen, also nicht arm sind, aber nicht über die formalen Eigentumsrechte dafür verfügen, die ihnen erst die Möglichkeit gäben, den Wert dieser Ressourcen in wirtschaftlich wirksames Kapital zu verwandeln.

Der Grund dafür, dass freie Märkte in den westlichen Ländern einen außerordentlichen Wohlstand geschaffen haben, den gleichen Effekt aber in Entwicklungsländern nicht hatten, liegt einfach darin, dass die Eigentumsrechte in den westlichen Ländern „formalisiert“ waren. Formalisierung schafft Rechte, Verpflichtungen und Fakten, die es den Eigentümern ermöglichen, zum Staatssektor und zur privaten Wirtschaft Wirtschaftsbeziehungen aufzunehmen. Sie bietet Mechanismen, durch welche der wichtigste Vermögenswert des informalen Sektors – der Grundbesitz und der Besitz an Unternehmen – als Sicherheit im Kredit für die Erlangung von Dienstleistungen oder den Erwerb von Gütern dienen kann.

Ohne formale Eigentumsrechte kann eine moderne Marktwirtschaft jedoch nicht bestehen. Formal anerkannte Grundbucheintragungen waren es dann auch, die es in der westlichen Welt zu Beginn der Neuzeit ermöglichte, Kredite aufzunehmen. Vermögensgegenstände sind daher dort immer lebendiges Kapital gegenüber dem toten Kapital in der Dritten Welt.

De SoTo stellt heraus, dass der bedeutende informale Besitz an Grund und Boden sowie an Immobilien wirtschaftlich nur dann bedeutend werden kann, wenn das Eigentum daran formalisiert wird. Er sieht, dass volkswirtschaftliche Reformen auf Dauer politisch nur tragfähig sein werden, wenn die Mehrheit der Bürger die Möglichkeit hat, durch Eigentum Kapital zu bilden und am legalen Markt zu partizipieren. Stabilisierungsprogramme und volkswirtschaftliche Anpassungsprozesse, die nur Chancen für wenige schaffen, haben sich in der Vergangenheit immer wieder als nutzlos erwiesen.

Der große Widerspruch eines Reformprozesses, der der Mehrheit keinen Zugriff auf gesicherte Eigentumsrechte schafft, besteht darin, dass sie das Kapital in den Händen weniger konzentrieren. Alle die, die an den Erfolg von ökonomischen Reformen glauben, werden nach de SoTos Auffassung nur Recht behalten, wenn es gelingt, die Tradition der wirtschaftlichen Apartheid zu brechen, die die Mehrheit der Menschen in der Dritten Welt dazu verdammt, in Informalität zu leben.

De SoTo fragt, weshalb die Bedeutung der Trennung zwischen dem formalen und dem informalen Sektor bisher immer unterschätzt wurde. Wieso wurde Eigentum bisher noch nie im formalen/informalen Zusammenhang betrachtet? Warum war es dem Westen bisher nicht möglich, den Entwicklungsländern nahezubringen, wie man formale Eigentumsrechte aus dem Besitz der Armen schafft? Wieso haben Tausende von Bürgern aus vormals kommunistisch beherrschten Ländern den Westen studiert und sind dennoch nie auf diese Antwort gekommen? Und er antwortet auf diese Fragen, dass die Existenz von drei „Lücken“ dafür verantwortlich sind – eine historische, eine kulturelle und eine technokratische.

Die historische Lücke besteht in nicht vorhandenen Studien darüber, auf welche Weise die Länder Europas zu der Formalisierung von Eigentum gelangten. Die kulturelle Lücke erlaubt den Entwicklungsländern nicht, die Vorzüge des formalen Eigentums zu verstehen. Die technokratische Lücke wiederum besteht darin, dass durch Computertechnologie in den Grundbuchämtern zwar die Aufbewahrung von Informationen revolutioniert, aber kein Beitrag zur Schaffung formalen Eigentums erbracht werden konnte.

Die Untersuchung de SoTos schließt mit einem Katalog von Schritten, den er für den wirtschaftlichen Aufschwung in den Entwicklungsländern für unverzichtbar hält.


zitierfähiger Aufsatz aus ...
Verpflichtungsökonomik
Hans-Joachim Stadermann, Otto Steiger (Hg.):
Verpflichtungsökonomik
Der Autor
Prof. Dr. Hernando de Soto
Hernando de Soto

Instituto Libertad y Democracia, Lima, Peru