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Montag, 19. November 2018
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Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung

pdf 625 Seiten ·  39,36 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-7316-1286-5 (Oktober 2017 )
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Hardcover, 35 farbige Abbildungen

 
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Von Beginn an haben die modernen Wirtschaftswissenschaften gesellschaftliche Prozesse nicht nur beobachtet und beschrieben, sondern diese auch selbst katalysiert und beeinflusst. Damit haben sie einer Entwicklung den Weg gebahnt, die neben unbestrittenen Erfolgen zu ökologischen Zerstörungen, sozialen Verwerfungen und immer wiederkehrenden ökonomischen Krisen geführt hat. Mehr denn je braucht es eine transformative Wirtschaftswissenschaft, die insbesondere die Bedingungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft analysiert und verbessern hilft.

Erster Teil: DAS MANIFEST UND DIE 8. SPIEKEROOGER KLIMAGESPRÄCHE

Uwe Schneidewind, Reinhard Pfriem et al.: Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung: Für einen neuen Vertrag zwischen Wirtschaftswissenschaft und Gesellschaft

Thesen der Teilnehmer/innen

Die 8. Spiekerooger Klimagespräche: Transformative Ökonomik - Anforderungen an zukunftsfähige Wirtschaftswissenschaften

Themengruppe 1: Transformative Wirtschaftswissenschaft als kritische Wissenschaft

Themengruppe 2: Transformative Wirtschaftswissenschaft als Möglichkeitswissenschaft

Themengruppe 3: Theoretische Ansätze und Strömungen in Richtung transformativer Wirtschaftswissenschaft

Themengruppe 4: Institutionalisierung transformativer Wirtschaftswissenschaft

Themengruppe 5: Vernetzung transformativer Wirtschaftswissenschaft

Themengruppe 6: Öffentliche Verbreitung und Verankerung transformativer Wirtschaftswissenschaft

Zweiter Teil: KRITIK DER STANDARDÖKONOMIK

Katrin Hirte: Zur Performativität in den Wirtschaftswissenschaften: Kernaussagen, Anwendungspotenziale und Grenzen eines Konzepts

Frank Beckenbach: Die (Re-)Produktion der modernen Standardökonomik als Problem für eine transformative Umorientierung

Dritter Teil: TRANSFORMATIVE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT ALS KRITISCHE WISSENSCHAFT

Lars Hochmann: Abschied vom Restaurativen: Transformative Wirtschaftswissenschaften als kritische Wissenschaften

Reinhard Pfriem: Lebensklugheit auf den Weg bringen: Ökonomik als Möglichkeitswissenschaft

Ulrich Petschow: Alternative Ökonomien

Johannes Blome-Drees und Burghard Flieger: Impulsgeber für eine transformative Wirtschaftswissenschaft: Grundsätzliche Überlegungen zu einer Betriebswirtschaftslehre der Genossenschaften

Vierter Teil:NORMATIVE IMPLIKATIONEN UND DIE POSTWACHSTUMSPERSPEKTIVE

Sebastian Thieme: Die Frage der Normativität einer transformativen Wirtschaftswissenschaft

Niko Paech: Anmerkungen zur Wertfreiheit der tradierten Ökonomik: Ein wachstumskritischer Zwischenruf

Irmi Seidl und Angelika Zahrnt: Das transformative Potenzial des ökonomischen Postwachstumsdiskurses für die Wirtschaftswissenschaften

Fünfter Teil: MÖGLICHE PRAKTISCHE FOLGEN

Georg Müller-Christ: Wirtschaftswissenschaftliche Transformation als Bildungsaufgabe: Nachhaltigkeits-Narrative neu erzählen können

Hans J. Heinecke: Einsicht reicht nicht: Warum gute Ideen noch lange keine Transformation bewirken

Irene Antoni-Komar, Marius Rommel und Corinna Vosse: Involviert-Sein: Oder wie transformative Wirtschaftswissenschaft die Praxis des Forschens verändert

Lutz Becker: Transformation, Kultur und das Digitale: Transformative Wissenschaft als Grenzgang

Sechster Teil: ANSÄTZE UND PERSPEKTIVEN DER INSTITUTIONALISIERUNG

Uwe Schneidewind: Wie kommt das Transformative in das akademische System? Transformative Wirtschaftswissenschaft als institutionelles Reformprogramm

Silja Graupe und Harald Schwaetzer: Bildungsorte transformativ-reflexiver Ökonomie

Elsa Egerer, Helge Peukert, Jonas Keppeler und Gustav Bergmann: Das Siegener Modell eines pluralen Masterstudiengangs

Jonathan Barth und Florian Rommel: Auf dem Weg zu einer transformativen Wirtschaftswissenschaft: Kommunikations- und Institutionalisierungsstrategien für ein neues Wissenschaftsverständnis

Siebter Teil: ZUM AUSKLANG

Marco Lehmann-Waffenschmidt: Braucht es eine Transformation der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre und wenn ja, wohin? Eine Ortsbestimmung anhand eines Reload der beiden Schülerszenen in Goethes Faust-Drama

Ökologisches Wirtschaften, 1/2018, S. 56-57 ()

"Scheinbar blind gegenüber den ökologischen Bedrohungen, unbeeindruckt von der Finanz- und Wirtschaftskrise, den in der Folge wachsenden Spannungen in Europa und der Stärkung reaktionär-nationalistischer politischer Kräfte, dies- wie jenseits des Atlantiks, hält der wirtschaftswissenschaftliche Mainstream an überholten Modellen und Theorien fest. Unter Federführung von Reinhard Pfriem und Uwe Schneidewind hatten im Sommer 2016 mehr als 30 Unterzeichnende die Initiative ergriffen und das Manifest für eine "Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung" vorgelegt (vergleiche Ökologisches Wirtschaften, Heft 2/2016, Seite 30-34). Damit soll der obsoleten Lehr- und Forschungspraxis an den Universitäten eine Alternative entgegengesetzt werden. Im November desselben Jahres wurde die Diskussion während der 8. Spiekerooger Klimagespräche fortgeführt. Ausgehend von den Ergebnissen der Gespräche vertiefen die Schreibenden des Sammelbandes die dort aufgeworfenen Thematiken.

Das Buch dokumentiert das große Interesse, auf das die Initiative gestoßen ist, die vielfältigen Fragestellungen sowie die Bandbreite der Akteure, die sich von den kritischen Auseinandersetzungen mit dem Mainstream und den Perspektiven auf eine transformative Wirtschaftswissenschaft angesprochen fühlten. Entsprechend vielfältig sind die Fragen und Thematiken, die in dem Band diskutiert werden. Beispielsweise problematisieren die Artikel die systemische Geschlossenheit der Standardwissenschaften und beleuchten das Konzept der Performativität, um das Verhältnis zwischen wirtschaftswissenschaftlicher Theorie und Praxis besser zu verstehen. Ferner präsentiert das Werk neuartige Lehrkonzepte, die im Rahmen des Netzwerks Plurale Ökonomik, der Cusanus Hochschule oder des Siegener Modells entwickelt wurden. Diskutiert werden grundlegende Merkmale einer transformativen Wissenschaft im Sinne einer Möglichkeitswissenschaft, alternative Ökonomien im Spannungsfeld Markt, Staat und Gemeinschaft sowie Fragen der Normativität und mögliche praktische Folgen. Den Autorinnen und Autoren geht es dabei weniger um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den zentralen Kategorien der Standardökonomik oder eine Analyse des gesellschaftlichen Hintergrunds marktliberaler Vorstellungen.

Im Zentrum des Buches stehen einerseits erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Reflexionen, andererseits Fragen der praktischen Umsetzung sowie Perspektiven der Institutionalisierung einer transformativen Wissenschaft. Die Beiträge konzentrieren sich auf die kritische Auseinandersetzung mit dem Teil der Wirtschaftswissenschaften, der heute die Lehre an den Universitäten dominiert. Keynesianische oder neoliberale Ansätze wie auch die wissenschaftlichen Forschungsleistungen, die in Thinktanks, Forschungsinstituten, Banken und politikberatenden Organisationen auf nationaler wie internationaler Ebene erbracht werden, bleiben jenseits des Horizonts. In jedem Fall stellt das Buch einen Meilenstein für alle dar, die davon überzeugt sind, dass es heute mehr denn je einer wirtschaftswissenschaftlichen Forschung bedarf, welche die Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft nicht nur analysiert, sondern auch aktiv zu ihrer Verwirklichung beiträgt."



P.S., 1.12.2017 ()

"Womit wir bei den zentralen Themen wären: Den ökonomischen wie ökologischen Krisen der Gegenwart. Der sperrige und gerade darum passende Titel des Buches verweist auf die komplex verknüpfte Lage: "Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung". Es ist ermutigend, dass und wie entschieden derzeit auch Stimmen aus diesem Fach laut werden, die eine Neuorientierung fordern. Vertreter und (selten) Vertreterinnen der mit Einfluss wie Geldern gut ausgestatteten etablierten "Standardökonomie" sollen zu selbstkritischer Diskussion herausgefordert werden, denn an ihrer Kompetenz wird gezweifelt. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise sorgten 2008 vorab Studierende an den Unis für Unruhe und verlangten mehr Vielfalt im Lehrbetrieb. Später wurde dann von mehreren Initiativen im deutschsprachigen Raum ein Netzwerk "Plurale Ökonomik" gebildet, und in Siegen begann im Wintersemester 2017/2018 ein Masterstudiengang unter diesem Titel. Motto: "Die ökonomische Welt ist in Bewegung, die ökonomische Ausbildung nicht. Wir wollen das ändern." Einer jungen Generation soll der Weg zum aktiven Mitwirken ihrer Wissenschaft beim Problemlösen in der Praxis geebnet werden. Auch wie dieses Zusammenspiel aussehen könnte, ist skizziert.

Das an der Tagung vorgestellte Modell macht die Zielrichtung deutlich. In den letzten Jahren habe "die Vielfalt der Krisenerscheinungen" auch eine neue Vielfalt alternativer gesellschaftspolitischer wie ökonomischer Konzeptionen erzeugt, die trotz Differenzen «einen gemeinsamen Wärmestrom für eine bessere Zukunft von Mensch und Natur» aufweisen. Diese frischen Ansätze wären durch engagierte Wissenschaft fachlich zu unterstützen, zusammen- und voranzubringen. Mit dem Pariser Klimagipfel sowie den UN-Nachhaltigkeitszielen wurden auf globaler Ebene schwer zu bewältigende Aufgaben formuliert: Gegen steigende soziale Verwerfungen auch in ökonomisch früh entwickelten Ländern braucht es neue Wohlfahrtskonzepte. Die "immer leerer laufende Maschine einzelwirtschaftlicher Produktivitätssteigerung" müsste durch "eine Ökonomie des Genug" abgelöst werden. Dafür gibt es keine bequemen Patentrezepte. ...

Noch klarer wird die Kapitalismuskritik bei Reinhard Pfriem, einem der Initianten des erwähnten Manifests und Mitherausgeber dieses Debattenbandes. Für ihn war und ist das enge Zusammenwirken der politisch und ökonomisch Mächtigen kein Ausdruck "parasitärer Deformationen" des Kapitalismus, "sondern chronologisch und logisch" ein Prägemerkmal dieses Systems. Trotzdem reicht Kapitalismuskritik nicht. Die postulierte "Ko-Evolution von Wissenschaft und Gesellschaft" muss nach tief greifender Analyse des modernen ökonomischen Denkens wieder "Lebensklugheit auf den Weg bringen" - so der Titel dieses Beitrags. Ulrich Petschow sichtet anschliessend Ansätze "alternativer Ökonomien", die "sowohl sozial als auch ökologisch eine Neuordnung» schaffen, global dominierende Wirtschaftsstrukturen im Kern überwinden wollen. Dafür wären andere kulturelle Voraussetzungen notwendig, Das hat eine "alternative Wirtschaftsforschung" mit einzubeziehen. Sie darf keinen "quasi ingenieurmässigen Blick auf die Gesellschaft richten", hat sich interdisziplinär zu öffnen, muss Theorie mit Praxis verbinden, selbst praktisch sein. Dass das im akademischen Betrieb nicht einfach ist, machen später Überlegungen zur "Institutionalisierung" klar.

Ein "wachstumskritischer Zwischenruf" von Niko Paech nimmt eine andere Art von Mainstream ins Visier, jenen vermeintlich progressiv grünen, der sich vornehmlich auf "symbolischer Ebene" bewegt. Damit ist nicht nur unternehmerisches "Greenwashing" gemeint. Auch auf der Konsumseite gibt es eklatante Unterschiede zwischen Erkenntnis und Einsicht. Erstere sei allein nicht handlungswirksam, und so werde "das Modell des vielfliegenden Ökostrom-Veganers" mit modischen Konstruktionen befördert, deren Grundlogik jener der katholischen von einst in vielem ähnelt. Nur legt im Unterschied zum mittelalterlichen Ablasshandel keine autoritäre Instanz den Preis einer bequemen moralischen Entlastung fest.

Eingegangen wird im Weiteren etwa auf Tradition und Zukunft der Genossenschaften, auf die feministischen Erinnerungen an Subsistenzwirtschaft und anderes. Angesichts allgemeiner Orientierungslosigkeit und einer ökonomischen Praxis, "die vermeidbares Leid und Zerstörung hervorbringt", hätte verantwortliche Wissenschaft all das neu zu sichten, um zu einer "Neuerzählung" beizutragen, welche mit positiven Visionen einen überzeugenden Rahmen setzt. Sie könnte Ermöglichungs-, Veränderungs- und damit Zukunftswissenschaft sein. Was dafür in den Bildungs- und Forschungseinrichtungen auf welche Weise zu tun wäre, ist Thema des nochmals gewichtigen vorletzten Teils."




Die Autoren
Prof. em. Dr. Reinhard Pfriem
Reinhard Pfriem

war bis 2017 Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Unternehmensführung und Betriebliche Unternehmenspolitik an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

[weitere Titel]
Prof. Dr. Uwe Schneidewind
Uwe Schneidewind

seit 2010 Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Von 1998 bis 2010 Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, von 2004 bis 2008 Präsident der Universität.

[weitere Titel]
Jonathan Barth
Jonathan Barth

M.Sc., ist studierter Ingenieur und Modellierer, Mitgründer und Vorstand des Zoe – Instituts für zukunftsfähige Ökonomien sowie Mitglied im Netzwerk Plurale Ökonomik. e.V. und dem Think Tank 30 des Club of Rome Deutschland.

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Prof. Silja Graupe
Silja Graupe

Professorin für Ökonomie und Philosophie, Leiterin des Instituts für Ökonomie und Vizepräsidentin an der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues

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Thomas Korbun
Thomas Korbun

Dipl. Biologe, seit 1999 wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), seit 2012 Sprecher des „Ecological Research Network“ (Ecornet)

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