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Über die Spuren der historischen Lehre bei den älteren Sophisten (1838)

Herausgegeben, aus dem Lateinischen übersetzt, mit Erläuterungen und einem Anhang versehen von Leonhard Bauer, Hermann Rauchenschwandtner und Cornelius Zehetner

"Geschichte der deutschsprachigen Ökonomie"  · Band 17

246 Seiten ·  44,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-376-8 (Juni 2002 )

 
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Wilhelm Roscher legte mit seiner Dissertation über die antiken Sophisten den theoretischen Grundstein für die ältere historische Schule der deutschen Nationalökonomie. Die wissenschaftliche Landschaft der Göttinger Universität in den ersten Dezennien des 19. Jahrhunderts veranlasste den Zwanzigjährigen zu einer prinzipiellen Auseinandersetzung mit den Methoden historischen Wissens: Sie ergab nicht bloß eine methodische Zusammenführung der Universitätsfächer Staatswissenschaft, Geschichte, Altphilologie, Rechtswissenschaft. Er wagte zum andern einen Wettstreit mit der Philosophie, der er in Gestalt Platons ihre metaphysisch-idealistische Larve herunterzureißen suchte. Als Resultat galt es eine allgemeine Theorie gesellschaftlicher Prozesse zu formulieren, welche die Devise, "die Geschichte sei die Mutter der Wahrheit", einlöste und alle Bereiche gesellschaftlichen Lebens auf anthropologischer Grundlage erfasste.

Mit seiner eigentümlichen Umwendung des Idealismus stellte Roscher über die Vorgaben eines Herder und Schleiermacher hinaus eine institutionentheoretische Basis der politischen, ökonomischen und sozialen Wissenschaften in Aussicht. Dabei gewährt der Text nicht nur Einblick in die Keimzelle des Historismus, sondern stellt, noch bevor die entsprechenden Disziplinen gesicherter Bestand eines Archivs sind, Grundfragen ökonomischer und soziologischer Theoriebildung, die im Sinne einer kritisch-verbindlichen Aufklärung dieser Wissenschaften bis heute nicht befriedigend gelöst sind.

Roschers lateinisch verfasste Dissertation wird hier erstmals in einer Übersetzung veröffentlicht. Die Herausgeber bieten eine theoretische Verortung der bisher verdrängten Frühschrift mit Bezug auf rezente Ökonomietheorie wie auch - durch Register, umfassende Kommentare, textkritische Anmerkungen, Vita und Bibliographie - eine Hilfestellung, den Text in seinen verschiedenen historischen und semantischen Schichten zu interpretieren. Am Ende der mit Roscher zwischen Aufklärung, Romantik und Historismus angetretenen Fährtensuche ergibt sich ein Szenario, das trefflich in Anlehnung an Roschers Leipziger Schüler Friedrich Nietzsche so benannt werden könnte: die Geburt der Ökonomie aus dem Geist der Sophistik.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2004 ()

"Wirtschaftswissenschaftler hantieren heutzutage überall auf der Welt mit nahezu gleichem Instrumentarium. Als das Forschungsfeld erschlossen wurde, war diese Konvergenz indes keineswegs eine ausgemachte Sache. ... Der Vordenker des sogenannten deutschen Sonderweges in der Ökonomie war Wilhelm Roscher (1817 bis 1894). Wirtschaftliche Abläufe ließen sich Roscher zufolge nur durch Berücksichtigung historischer Besonderheiten erschließen; jedes Volk bringt seine eigene Wirtschaft hervor. Roscher bildete seine Gedankenwelt an den Einsichten von Platon und Thukydides über das Werden und Vergehen staatlicher Einrichtungen. Von diesem Ausgangspunkt gelangte er nach vielen Jahren zu seinem monumentalen fünfbändigen 'System der Volkswirtschaft'. Lange galt Roschers Lebenswerk als überholt. Doch die Lektion, daß Wirtschaft in jedem Kulturkreis anders funktioniert, lehrt uns von neuem die Globalisierung. Wilhelm Roschers Dissertation aus dem Jahre 1838 liegt nun in einer akribisch edierten, umsichtig kommentierten Ausgabe vor. ..."

Zeitschrift für Ganzheitsforschung, IV/2003, S. 209-210 ()

Anzuzeigen gilt es ein kleines literarisches Juwel in Form der erstmals ins Deutsche übersetzten sowie ausführlich kommentierten Ausgabe der 1838 an der Universität Göttingen - auf Lateinisch - vorgelegten Dissertation von Wilhelm G.F. Roscher ...

Eindrucksvoll, ja stupend geradezu - ganz abgesehen von geforderter Beherrschung des Lateins - der Wissensfundus, die weit ausgreifende Literaturkenntnis sowie deren selbstbewusst eigenständige Verarbeitung und kritische Kommentierung des erst 21-jährigen Doktoranden Wilhelm Roscher in der Behandlung seines betont methodisch bzw. wissenschaftsgeschichtlich ausgerichteten Themas.

Inhalt der Roscherschen Arbeit als solcher soll und kann im einzelnen nicht Gegenstand einer kurzen Rezension sein, so anregend und geistig verlockend dies durchaus sein mag. Einzugehen im gegebenen Zusammenhang gilt es vielmehr auf die ausführliche und quellenmäßig gleichermaßen instruktiv wie umfassend belegte Kommentierung seitens der Herausgeber. Schon anhand der ausführlichen 'Einleitung' wird dies deutlich, indem der Originaltext ganz bewusst in den breiteren Rahmen abendländischer Ideen- und Wissenschaftsgeschichte gestellt wird mit vielfältigen Querbezügen zu verschiedenen Wissensgebieten, nicht zuletzt - wenn systemisch betrachtet zurecht auch nachgeordnet - zur Ökonomie aus essentiell historisch fundierter Sicht. ... 'Anmerkungen' und eigenständig ergänzende Kommentare unmittelbar zum Text sind nach bester Tradition mit viel wissenschaftlicher Sorgfalt, ja Akribie aufbereitet und erleichtern somit gleichermaßen Zugang wie inhaltliches Verständnis.

In einem eigenen Anhangteil: 'Wilhelm Roschers Dispositiv der Geschichte in der Spannung von Statistik, Romantik und Empirie' versuchen die Herausgeber, das Anliegen Roschers in einen geschichtlich wie wissenschaftsprogrammatisch überhöhenden und zugleich aktualisierenden Zusammenhang zu stellen mit einer Fülle wiederum einschlägiger Literaturbezüge. Dieser 'Anhang' (umfangmässig in etwa die Hälfte von Roschers Text selber) ist als eigenständig abrundender Beitrag für sich zu werten und zweifellos mit Gewinn zu lesen. Angefügt sind dem noch 'Roschers Vita', gleichfalls ausführlich kommentiert mit relevanten Querbezügen; eine sorgfältig aufbereitete 'Bibliographie' sowie ein eigens erstelltes 'Register der Personen und literarischen Quellen Roschers', welches für sich genommen so etwas wie eine 'lectio in philosophicis' abendländischer Geistestradition abgibt.

Insgesamt besehen somit eine geistig anspruchsvolle wie zugleich anregende Lektüre; abseits gewiss vom schalen 'mainstream', darob jedoch umso erfrischender! Ein Beitrag und eindruckvolles Zeugnis zudem von genuin wissenschaftlicher Anstrengung, hinter welcher sichtlich mehr steckt als eine 'Herausgeberschaft' konventionellen Zuschnitts und wofür, nicht zuletzt, auch die profunde - heute nicht mehr als alltäglich vorauszusetzende - Übersetzungsleistung aus dem 'klassischen' Original spricht. Man kann und darf den Autoren dazu uneingeschränkt gratulieren.




the author
Wilhelm Roscher
Wilhelm Roscher (1817-1894), Hauptvertreter der älteren historischen Schule der Nationalökonomie. Ab 1840 habil.Doz. für Geschichte und Staatswisenschaften an der Universität Göttingen, ab 1848 bis 1894 für Nationalökonomie und Staatswissenschaften an der Universität Leipzig.
dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Doch die Lektion, daß Wirtschaft in jedem Kulturkreis anders funktioniert, lehrt uns von neuem die Globalisierung." ...
    Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2004 mehr...
  • "Anzuzeigen gilt es ein kleines literarisches Juwel ..."
    Zeitschrift für Ganzheitsforschung, IV/2003, S. 209-210 mehr...
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