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Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Umweltinnovationen und Lebensstile

Eine raumbezogene empirisch fundierte Multi-Agenten-Simulation

Großformat 24,0 x 17,0 cm, 4 farbige Abbildungen

"Social Science Simulations"  · Band 3

481 Seiten ·  54,80 EUR (inklusive MwSt. und Versand)
ISBN 978-3-89518-609-7 (Oktober 2007 )

Dr. Nina Schwarz hat für ihre Dissertation "Umweltinnovationen und Lebensstile - eine raumbezogene, empirisch fundierte Multi-Agenten-Simulation" den C.-F. Graumann-Preis für Umweltpsychologie 2007 erhalten. Der Preis wurde am 10. September 2007 während der 7th biennial conference on Environmental Psychology in Bayreuth von der Fachgruppe Umweltpsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie verliehen.

 
 

Sanierungsbedürftige Infrastruktur einerseits und regionale Wasserknappheiten durch Trockenheit oder Hochwässer andererseits lassen die zukünftige Entwicklung des Pro-Kopf- Wasserbedarfs auch in Deutschland immer interessanter werden. Ausgehend davon, dass das Sinken des Wasserbedarfs in den letzten Jahrzehnten in erster Linie auf technische Innovationen in den Haushalten zurückzuführen ist, untersucht die vorliegende Arbeit die zukünftige Diffusion von Wassernutzungsinnovationen in Haushalten.

Die Arbeit verbindet Erkenntnisse aus Umweltpsychologie, Soziologie, Diffusionsforschung und Bounded Rationality. Die interdisziplinäre Herangehensweise sowie die ausdrückliche empirische Fundierung heben die Arbeit von vorhandenen Modellen zur Diffusion von Innovationen ab, in denen neoklassische Nutzenmaximierung, abstrakte Agenten und Innovationen sowie simple räumliche Repräsentationen vorherrschen.

Dazu wird im ersten Schritt eine psychologisch fundierte empirische Fragebogenuntersuchung durchgeführt, die theoretische Handlungsmodelle prüft, wesentliche Bestimmungsfaktoren für die Akzeptanz der untersuchten Wassernutzungsinnovationen ermittelt und eine breite empirische Grundlage für die Multi-Agenten-Simulation liefert. Im zweiten Schritt werden die empirisch gewonnenen Erkenntnisse und theoretischen Überlegungen in eine Multi-Agenten-Simulation überführt. Das Modell bildet mit dem Münchner Umland ein reales geographisches Gebiet ab, die Agententypen sind an die Sinus- Milieus® aus der Lebensstil-Forschung angelehnt. Die Agenten verwenden je nach Typ und betrachteter Innovation verschiedene Entscheidungsmodi unterschiedlicher Verarbeitungstiefe.

Die Ergebnisse zur Validierung des Modells an unabhängigen statistischen Daten zeigen eine grundsätzlich gute Passung des Modells. Szenarien bis zum Jahr 2020 machen deutlich, dass sich wassersparende Innovationen auch ohne gezielte Förderung weiter ausbreiten werden. Zur Beschleunigung dieses Prozesses können spezifisch für die Agententypen und die Innovationen verschiedene Förderungsinstrumente ausgemacht werden.

Ökologisches Wirtschaften 4/2008 ()

"Auch wenn hierzulande grundsätzlich nicht von Wasserknappheit die Rede sein kann, erscheint ein sparsamer Umgang mit Trinkwasser sowie die Ausbreitung innovativer Wasserspartechnologien als wünschenswert. Diesem Thema widmet sich Nina Schwarz in ihrer Dissertation. Wie sich Umweltinnovationen in der Gesellschaft ausbreiten, untersucht sie exemplarisch anhand der drei Wasserspartechnologien Zwei-Mengen-Toilettenspülung, Spar-Duschkopf und Regenwassernutzungsanlage. Ziel der Untersuchung ist es, Aussagen über die zukünftige Entwicklung des Wasserverbrauchs privater Haushalte zu treffen.

Der Hauptteil der Arbeit ist dreiteilig. Auf die Einleitung folgen ein Überblick über den Stand der Forschung, eine umfangreiche empirische Untersuchung sowie die Darstellung eines von der Autorin entwickelten Multi-Agenten-Modells zur Simulation der Diffusion von Wassernutzungsinnovationen. Der Forschungsüberblick enthält zunächst eine übersichtliche Beschreibung wichtiger Elemente, die für die Entscheidung, eine Innovation umzusetzen, relevant sind. Außerdem werden vorhandene Diffusionsmodelle betrachtet. Da keines der vorhandenen Modelle die Ansprüche der Autorin hinsichtlich der Ausrichtung an empirisch gewonnenen Daten erfüllt, lautet ihre Schlussfolgerung, ein eigenes Modell zu entwickeln, das Elemente bestehender Diffusionsmodelle aufgreift.

Anschließend ist einige Ausdauer erforderlich, um sich durch die empirische Untersuchung hindurchzuarbeiten. Darin werden unterschiedliche Lebensstile hinsichtlich ihrer Beurteilung der Innovationsmerkmale der drei untersuchten Technologien und hinsichtlich ihrer Entscheidung, die Innovationen umzusetzen, betrachtet. Die erhobenen Daten dienen der empirischen Verankerung des Diffusionsmodells und fließen als Input in die Programmierung des Modells ein. Diese wichtige Funktion, und damit die Notwendigkeit der aufwendigen empirischen Studie, wird leider erst im Laufe der Beschreibung des Multi-Agenten-Modells deutlich herausgearbeitet.

Die Darstellung des Simulationsmodells und seiner Ausrichtung an den empirisch gewonnenen Daten ist anschaulich und verständlich. Die Agenten unterscheiden sich in ihrer Bereitschaft, Innovationen umzusetzen, je nach Lebensstil und Entfernung des Wohnorts vom Stadtzentrum. Auch die Anzahl der Kontakte zu anderen Agenten und die Menge der in die Innovationsentscheidung einbezogenen Informationen variieren im Modell abhängig vom Lebensstil der Agenten.

Mit dem Simulationsmodell berechnet die Autorin zunächst die Diffusion der betrachteten Technologien bis zum Jahr 2005. Die Modellergebnisse spiegeln die im Rahmen anderer Studien erhobenen Daten wieder. Vier mit dem Modell berechnete Szenarien zeigen die Diffusion der Innovationen bis zum Jahr 2020.

Das Buch präsentiert eine anspruchsvolle Forschungsarbeit. Die interdisziplinäre Herangehensweise und die Verwendung der innovativen Methode der Multi-Agenten-Simulation sind als besondere Stärken hervorzuheben. Zugleich zeichnet sich die Arbeit durch eine hohe Realitätsnähe aus und bietet Anknüpfungspunkte für die Politikberatung. Das Lesevergnügen wird jedoch dadurch ein wenig getrübt, dass die Arbeit sprachlich nicht das Niveau erreicht, das sie inhaltlich zu bieten hat. Leser, die sich intensiv mit Prozessen der Verbreitung von Umweltinnovationen auseinandersetzen wollen und sich für die Entscheidungsprozesse einzelner Akteure interessieren, werden in dem Buch zahlreiche interessante Anregungen finden.




Die Autorin
Dr. Nina Schwarz
Nina Schwarz

Diplom-Umweltwissenschaftlerin, seit 2007 Post-Doc am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ. 2003 bis 2007 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for Environmental Systems Research an der Universität Kassel. Forschungsschwerpunkte: Entwicklung von Simulationsmodellen (insbesondere Multi-Agenten-Systeme), Integration natur- und sozialwissenschaftlicher Ansätze in der Umweltforschung, Landnutzungsänderungen, Stadtforschung.

dem Verlag bekannte Rezensionen
  • "Zugleich zeichnet sich die Arbeit durch eine hohe Realitätsnähe aus und bietet Anknüpfungspunkte für die Politikberatung." ...
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